Vor Ablauf der Garantiezeit eine neue Insulinpumpe und/oder ein neues CGM-System zu bekommen, ist schwierig – auch deshalb, weil die Rezepte für Verbrauchsmaterial oft eine lange Laufzeit haben. Dazu befragt haben wir den Diabetologen Dr. Jens Kröger, der in seiner Praxis öfter damit konfrontiert wird. Und in unserer Umfrage, an der Sie bis zum 30. Dezember 2020 teilnehmen können, möchten wir von Ihnen wissen, ob Sie schon einmal wechseln wollten – und nicht konnten.

Im Interview:


Dr. med. Jens Kröger ist Vorstandsvorsitzender der Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und führt in Hamburg das Zentrum für Diabetologie Bergedorf.
Dort werden im Quartal ca. 4.300 Menschen mit Typ-2- und ca. 1.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes behandelt. 25 Prozent der Menschen mit Typ-1-Diabetes dort tragen eine Insulinpumpe, 35 Prozent der Menschen mit einer ICT oder einer Insulinpumpe tragen ein CGM-System.

Diabetes-Journal (DJ): Die Diabetestechnologie entwickelt sich derzeit sehr schnell weiter. Wie leicht und in welchen Zeitabständen ist es möglich, eine neue Insulinpumpe und/oder ein neues CGM-System verschrieben zu bekommen?
Dr. Jens Kröger:
Schlauchpumpen haben eine Garantiezeit von 4 Jahren, ebenso das Steuerungsgerät (PDM) der schlauchlosen Insulinpumpe (Patch-Pumpe). In der Garantiezeit kann also eine Insulinpumpe normalerweise nicht gewechselt werden. Bei den CGM-Systemen ergibt sich je nach Krankenkasse ein uneinheitliches Bild.

DJ: Welche Rolle spielen Rezepte, mit denen Patientinnen und Patienten Verbrauchsmaterial für ein Jahr oder länger bekommen?
Kröger:
Wir haben gerade jetzt gesehen, wie wichtig es ist, Menschen mit Diabetes digital zu unterstützen, wenn sie es möchten. Durch fehlende Bewegung in der Lockdown-Zeit haben viele Menschen Gewicht zugenommen, und auch die Glukoseverläufe waren teilweise deutlich schlechter als zuvor. Wenn jetzt ein Insulinpumpensystem nach Ablauf der Garantiezeit defekt war und die Möglichkeit bestand, auf ein neueres System wie ein Hybrid-Closed-Loop-System zu wechseln, dann wurde genau das teilweise Menschen mit Diabetes aufgrund von langfristigen CGM-Genehmigungen erschwert.

DJ: Gibt es Patientengruppen, für die das Verfahren, Material gleich für ein Jahr oder länger verschrieben zu bekommen, ein größeres Problem darstellt als für andere?
Kröger:
In der Zeit der schnellen digitalen Veränderungen kommen zurzeit neue Insulinpumpen wie auch neue CGM-Systeme auf den Markt. Die Möglichkeiten, dass Pumpen und CGM-Systeme unterschiedlicher Unternehmen zusammenarbeiten (Interoperabilität), werden größer.

Wir haben deshalb häufig Rezepte für bestehende CGM-Systeme für ein Quartal ausgestellt, wohl wissend, dass bald ein neues, für den Patienten/die Patientin besser geeignetes System auf den Markt kommt. Dies wurde aber im Hintergrund weder von den Unternehmen noch von den Krankenkassen beachtet, und es wurde dann aus der Quartalsverordnung eine Jahresverordnung. Die Krankenkassen und die Unternehmen haben dann den Schwarzen Peter hin- und hergeschoben, geändert wurde es meistens nicht.

Als Beispiel fällt mir eine 47-jährige Patientin mit Typ-1-Diabetes mit einer sehr instabilen Stoffwechsellage ein, die über Jahre mit der Animas-Insulinpumpe in Kombination mit einem CGM-System (Dexcom G5) versorgt war. Nun ging die Pumpe vom Markt, und sie wollte zukünftig gerne das erste Hybrid-Closed-Loop-System MiniMed 670G nutzen. Das System gab es noch nicht in Deutschland – was also tun? Wir haben für die Zwischenzeit eine Patch-Pumpe (Omnipod) verordnet und das CGM-System beibehalten.

Nun kam die 670G auf den Markt, und die Patientin brauchte eine Neuverordnung für die Pumpe und ein neues erforderliches CGM-System (Guar­dian von Medtronic). Aufgrund von der Krankenkasse eigenmächtig festgesetzter Versorgungszeiträume der Hilfsmittel (Patch-Pumpe und CGM) war ein koordinierter Anfang mit der neuen Pumpe und dem zugehörigen CGM-System nicht möglich. Dies alles in Zeiten von Corona, wo klar war, dass eine gute, stabile Stoffwechseleinstellung hilfreich ist, um schwere Verläufe zu verhindern.

DJ: Sind aber nicht auch viele Patientinnen und Patienten mit der derzeitigen Praxis eines langen Verschreibungszeitraums zufrieden?
Kröger:
Die meisten Menschen mit Diabetes sind damit sehr zufrieden, da der Aufwand für sie deutlich reduziert ist. Sie merken die Nachteile erst dann, wenn therapeutische Veränderungen vorgenommen werden sollen.

DJ: Derzeit ist es nicht möglich, die Versorgung abzubrechen, wenn ein Rezept für einen bestimmten Zeitraum ausgestellt wurde. Würden Sie es begrüßen, wenn das ginge?
Kröger:
Die technologischen Möglichkeiten von Insulinpumpen und CGM-Systemen haben sich in den letzten Jahren erweitert und werden sich auch in Zukunft schneller weiterentwickeln, außerdem werden Systeme unterschiedlicher Unternehmen zusammenarbeiten. Das ist gut, denn dann kann jeder Mensch mit Diabetes zusammen mit seinem Arzt/seiner Ärztin entscheiden, welches CGM-System und welche Pumpe für ihn am besten ist.

Wenn ich diese Systeme dann aber nicht erhalten kann, weil meine Verordnung noch ein halbes Jahr gilt, ist das ärgerlich und vor allem in Zeiten von Corona gefährlich, da eine Optimierung der Glukosestoffwechsellage möglich wäre. Hier sollten Krankenkassen und Hersteller Abbruchmöglichkeiten eröffnen und nicht behindern, wie es heute sehr oft der Fall ist.

Fragen beantworten, Preise gewinnen


Klar ist: Wir freuen uns sehr, wenn Sie teilnehmen. Je mehr Antworten bis zum 30. Dezember 2020 eingehen, desto interessanter sind die Ergebnisse, die wir im Diabetes­Journal und hier auf www.diabetes-online.de veröffentlichen werden.

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Unter allen, die an der Umfrage teilnehmen, verlosen wir 3 x die CGM- und Insulinpumpenfibel.
Das Buch von Ulrike Thurm und Bernhard Gehr ist das ABC der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) und der Insulinpumpentherapie (CSII) für Einsteiger in die Insulinpumpentherapie und/oder die kontinuierliche Glukosemessung (CGM), für Insulinpumpenträger, CGM-Anwender und sogar für Diabetes-Profis.

Alle Teilnehmenden kommen außerdem in den Lostopf für ein Samsung-Tablet. Wer an den Verlosungen teilnehmen möchte, sollte am Ende der Umfrage seine Kontaktdaten eintragen.


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Für diese Umfrage nutzen wir den Service von LamaPoll, ein Anbieter für Online-Umfragen mit Sitz in Berlin. Server-Standort ist Deutschland, das Unternehmen gewährleistet eine hohe Datensicherheit und hohen Datenschutz. Mehr dazu können Sie hier nachlesen.

Interview: Nicole Finkenauer und Dr. Katrin Kraatz
Redaktion Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag,
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (11) Seite 14-18