Menschen mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. Dieses hängt sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes weniger mit der Dauer der Diabeteserkrankung zusammen, sondern eher mit einer ungenügenden Blutzuckereinstellung. Dies untermauern Daten einer großen Kohortenstudie.

Bisherige Studien zum Zusammenhang zwischen Blutzuckerkontrolle und Infektionen waren oft ungenau. Misst man den Langzeitblutzuckerwert HbA1c in zu engem zeitlichem Zusammenhang zur Infektion, kann dies die Daten verfälschen: Eine Infektion kann ihrerseits den Blutzuckerwert ansteigen lassen – diese Reaktion nennt man Stress-Hyperglykämie.

Analyse der Daten von über 85.000 Patientinnen und Patienten

Ein englisches Forscherteam untersuchte nun die Daten einer großen Kohortenstudie, die repräsentative Daten über die Primärversorgung der britischen Bevölkerung enthielt. Hier lagen jeweils mehrere HbA1c-Messwerte der einzelnen Patienten vor, die Auskunft über die Blutzuckereinstellung bereits vor Ausbruch einer Infektion gaben.

Über 85.000 Patientinnen und Patienten im Alter von 40 bis 89 Jahren wurden analysiert und mit den Daten einer gesunden Kontrollgruppe verglichen. Berücksichtigt wurden Infektionen, die zur Verordnung von Medikamenten gegen Infektionen durch Viren, Pilze oder Bakterien, zur Krankenhauseinweisung oder zum Tod führten.

Infektionsrisiko bei Typ-1-Diabetes und hohem HbA1c-Wert am größten

Die Ergebnisse, der im Fachmagazin „Diabetes Care“ veröffentlichten Studie, im Einzelnen:

  • Im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe bestand sowohl bei Patienten mit gut als auch bei Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes ein erhöhtes Risiko für einen infektionsbedingten Krankenhausaufenthalt.
  • Mit steigenden HbA1c-Werten nahm das langfristige Infektionsrisiko zu.
  • Das höchste Risiko wiesen Menschen mit Typ-1-Diabetes und einer schlechten Blutzuckereinstellung (HbA1c höher als 11 Prozent) auf.

Fazit der Autoren: Ihre Analyse zeige einen starken und wahrscheinlich ursächlichen Zusammenhang zwischen schlechter Diabeteseinstellung und dem Infektionsrisiko. Zukünftige Forschung sowie die ärztliche Versorgung solle sich daher besonders auf die Vermeidung von Infektionen bei gefährdeten Personen konzentrieren.


Quelle: Diabetesinformationsdienst München