Trotz großer Sorgfalt beim Setzen des Pumpenkatheters kann es manchmal zu einem Katheterverschluss kommen. Erhöhte Blutzuckerwerte oder sogar eine Ketoazidose können die Folge sein. Welche Katheterprobleme auftreten können, worauf zu achten ist und wie eine Lösunge aussehen kann, finden Sie hier übersichtlich in einer Tabelle zusammengestellt.

In einer größeren Studie mit 256 Pumpenträgern in den USA gaben zwei Drittel der Teilnehmer an, dass es bei ihnen mindestens einmal im Monat zu einem Katheterverschluss kommt. Damit Kinder und Jugendliche davor möglichst gut geschützt werden, sollten sie und ihre Eltern wissen, welches Infusionsset am besten zu ihnen passt und wie es richtig gesetzt wird.

Dies sollte in allen Diabetesschulungen immer wieder besprochen und an das Alter der Kinder angepasst werden.

Den passenden Katheter auswählen

Der erste Schritt, um einem Katheterverschluss (Okklusion) vorzubeugen, ist die Auswahl des richtigen Infusionssets. Bereits bei der Initialschulung zur Pumpe sollten alle Arten vorgestellt und individuell je nach Alter, Diabetesdauer, Hautbeschaffenheit und körperlicher Aktivität ausgewählt werden:

  • Alter: Kinder fällt es meist leichter, einen Katheter senkrecht (90 Grad) zu setzen. Dabei ist eine Kanüle aus Stahl oft günstig, weil sie nicht abknicken kann. Ein kürzerer Schlauch ist sowohl für Kinder als auch für die meisten Erwachsenen besser geeignet.
  • Wenig Fettgewebe: Hier sind Katheter besser geeignet, die in einem Winkel von 30 oder 45 Grad eingesetzt werden.
  • Insulindosis: Wenn die Tagesdosis 25 Insulineinheiten (IE) überschreitet oder die Basalrate sich 2,5 IE pro Stunde nähert, ist eine längere Kanüle günstiger.
  • Häufige Katheterverschlüsse: Hier sollte ein Katheter mit einer Stahlkanüle verwendet werden.
  • Angst vor Nadeln: Hier kann ein vorgefertigtes Set mit einer Setzhilfe genutzt werden, das im 90-Grad-Winkel eingesetzt werden kann.
  • Kontaktdermatitis oder Infektionen: Wechsel von einer Teflon- zu einem Stahlkatheter oder umgekehrt. Das Katheterset, das in einem Winkel von 30 - 45 Grad eingesetzt wird, hat ein Fenster, das eine visuelle Überprüfung der Einstichstelle ermöglicht.
  • Lipoatrophie oder Narben an der Einstichstelle: Hier ist es ratsam, ein anderes Areal für den Katheter zu nutzen und eine mechanische Setzhilfe zu verwenden.
  • Körperliche Aktivität: Wenn es dabei häufiger zu Katheterverschlüssen kommt, sind Stahlkatheter oft günstiger. Ein Katheter, der in einem Winkel von 30 - 45 Grad gesetzt wird, rutscht seltener aus der Haut.

Ursachen eines Katheterverschlusses

In einer weiteren Studie wurden Nutzer von Teflon- und Metallkathetern nach Ursachen und Folgen von Katheterverschlüssen gefragt. 30 Prozent berichteten von einer Hyperglykämie, 13 Prozent von Schmerzen an der Insertionsstelle, 10 Prozent von Juckreiz, 5 Prozent von Hautveränderungen, 4 Prozent von einer Infektion und 10 Prozent von einer Schwellung und/oder Rötung. 30 bis 50 Prozent der Studienteilnehmer berichteten, dass ihr Blutzucker nach einem Verschluss um über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) angestiegen sei. Eine andere Erklärung für den Anstieg hatten sie nicht.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse schlugen Forscher vor, eine neue Generation von Kathetern zu entwickeln, bei denen die Nadel einen seitlichen Ausgang aufweist anstatt am Ende des Infusionsschlauchs bzw. der Kanüle. Studien mit solchen Sets haben gezeigt, dass 75 Prozent weniger Verstopfungen auftraten als bei Standard-Sets. Diese neuen Katheter werden voraussichtlich bald auf dem europäischen und US-amerikanischen Markt erhältlich sein.

Bei den heute gebräuchlichen Kathetern wird Nutzern, bei denen es zu mehr als einem Verschluss monatlich kommt, empfohlen, sich nochmals zur richtige Technik beim Kathetersetzen und der Auswahl des Areals beraten zu lassen. Prinzipiell sollten Katheter alle zwei bis drei Tage gewechselt und nie länger genutzt werden.

Lösungen für Katheterprobleme

Durch die Auswahl eines passenden Katheters und die richtige Technik beim Setzen können die meisten Schwierigkeiten vermieden werden. Das ist sehr wichtig, da Studien gezeigt haben, dass eine Unterbrechung der Insulinabgabe den Blutzucker jede Minute um 1,1 mg/dl (0,06 mmol/l) erhöhen kann. Innerhalb von drei Stunden bedeutet dies eine Steigerung von bis zu 200 mg/dl (11,1 mmol/l).

Viele Gründe für einen Katheterverschluss sind einfach lösbar, z. B. verschobene Kanülen oder Hämatome an der Spitze des Katheters. Diese Fragen können bei der Suche nach Ursachen helfen:
  • Wie oft wird der Katheter gewechselt?
  • Wie oft entsteht der Eindruck, dass der Katheter nicht richtig funktioniert?
  • Hat sich die Haut an der Stichstelle verändert?
  • Ist die Haut trocken oder weist sie Kratzer auf?
  • Sind an der Einstichstelle eine Lipohypertrophie (vermehrtes Fettgewebe) oder Narben zu sehen?
  • Funktioniert der Korrekturfaktor nicht immer wie erwartet?
  • Kommt es häufig vor, dass der Glukosewert erst nach einem Wechsel des Katheters absinkt?

Außerdem kommt es auf die genaue Einstichstelle an. Am häufigsten werden das Gesäß und der Bauch genutzt. Manche bevorzugen die Oberarme, den unteren Rücken oder die Vorderseite des Oberschenkels. Sportler müssen überlegen, welche Muskeln während des Trainings am aktivsten sind und dann den am wenigsten beanspruchten Teil ihres Körpers für den Katheter nutzen.

Es sollte beim Katheterwechsel außerdem darauf geachtet werden, jeweils die andere Körperseite zu wählen. In jedem Fall sollte der Katheter immer mindestens 2 cm von der vorherigen Stelle entfernt gelegt werden. Dabei sollte besonders auf ausreichende Desinfektion und Hygiene geachtet werden.

Wenn es trotzdem einmal zu einem Katheterverschluss kommt, sollte jeder Pumpenträger in der Lage sein, sofort Ketone im Blut oder im Urin zu bestimmen. Außerdem sollte eine Insulinspritze oder ein Pen zur Hand sein und genutzt werden können. Ein Notfallplan dazu, was genau bei Werten über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) zu tun ist, sollte jederzeit greifbar sein, z. B. als Foto auf dem Handy.

Eine zusammenfassende Übersicht über mögliche Ursachen und Lösungen von Katheterprobleme bietet folgende Tabelle:

Vorgehen bei erhöhten Sensor- oder Blutzuckerwerten bei der Pumpentherapie

Das ProblemDarauf sollten Sie achtenDaran muss das Diabetesteam denkenWie die Problem­lösung aussehen kann
Katheterausfall - kein Alarm, Verschluss des KathetersWie sah der Katheter beim Entfernen aus? War die Nadel gekrümmt?
Ist etwas passiert, das das Herausfallen des Sets zur Folge haben könnte?
Wurde der Katheter richtig/gut gesetzt?
Teflonkatheter: Wurde der Verschluss bemerkt? Wie sah der Katheter aus? Gab es etwas Auffälliges beim Setzen?Der Katheter wird ausgetauscht.
Der Arzt/Patient/Eltern schaut die Insertionsstelle und das Setzen des Katheters an. Bei häufigen Verschlüssen sollte der Kathetertyp gewechselt werden.
Der Katheter ist undicht, kein AlarmKonnte man das Insulin riechen?Der Patient sollte die Pumpe, das Insulinset und den Anschluss des Katheters am Reservoir und die Lage der Kanüle überprüfen.
Das Diabetesteam sollte bereits bei der ersten Pumpenschulung auf den typischen Insulingeruch hinweisen!
Katheterverschluss mit oder ohne AlarmWar Blut im Katheter zu sehen, war die Kanüle verbogen oder die Haut an der Einstichstelle entzündet oder verhärtet?Es gibt mehrere Ursachen für Verschlüsse: Häufig wird der Katheter zu selten gewechselt (er sollte alle 2-3 Tage gewechselt werden).Bei einem Alarm wird der Katheter sofort ausgetauscht. Der alte Katheter und die Häufigkeit des Problems werden in der kommenden Sprechstunde überprüft. Möglicherweise hilft auch ein Wechsel des Insulinpräparats.
Fehler beim Einführen des Katheters (kein Alarm).Erscheint der Katheter richtig positioniert und hält das Pflaster? Ist die Setzhilfe noch in Ordnung?Die Setzhilfe sollte überprüft werden, sie könnte defekt sein.Gehen Sie mit der Familie in Gedanken alle Schritte beim Setzen des Sensors noch einmal durch. Wie alt ist die Setzhilfe, ist sie defekt? Gibt es Kleberrückstände an der Wand?
Funktioniert die Setzhilfe noch fehlerfrei?
Luft im KathetersetWurde die Luft aus dem Reservoir und dem Schlauch vollständig entfernt, bevor der Katheter gesetzt wurde? Ist das Kathetersystem fest mit dem Reservoir verbunden? Hatte das Insulin beim Setzen Raumtemperatur?Luftblasen sind vor allem bei Personen mit sehr geringem Insulinbedarf ein Problem.Der Patient sollte immer die sichtbaren Luftblasen entfernen und das Set und das Reservoir eng miteinander verbinden.
Das Diabetesteam überprüft die Vorbereitung des Sets vom ersten bis zum letzten Schritt.
Schlechte Insulinabsorption, Insulin scheint nicht zu wirkenWann wurde der Katheter das letzte Mal ausgetauscht? Wird er oft ins gleiche Areal gesetzt?
Gibt es Anzeichen von Entzündungen, Lipoatrophie oder Lipohypertrophie? Wurde das Set in eine Narbe eingeführt?
Ist das Insulin verfärbt? Sind Partikel im Insulin zu sehen?
Das Diabetesteam überprüft die Häufigkeit des Katheterwechsels, die Einstichstellen, die Haltbarkeit des Insulins und ob es extrem hohen oder niedrigen Temperaturen ausgesetzt war.Der Patient/Eltern überprüfen die Einstichstellen, die Haltbarkeit des Insulins, und ob das Insulin in der Hitze im Auto oder zu kalt im Kühlschrank gelagert war (teilweises Einfrieren zerstört die Insulinwirkung).
Das Diabetesteam überprüft die Injektionsstellen und bespricht die ordnungsgemäße Lagerung des Insulins.
Häufigkeit des KatheterwechselsHat der Patient oder die Familie Angst vor einem Katheterwechsel? Kam es bei Kathetern, die drei oder mehr Tage lagen, zu größeren und häufigeren Schwankungen des Glukosespiegels? Was passiert nach längerem Pumpenstillstand?Überprüfen der Häufigkeit des Wechsels des Infusionssets, den man im Protokoll eines Insulinpumpen- “Downloads” ablesen kann. Verbraucht der Patient das Insulin "bis zum letzten Tropfen"?Das Diabetesteam bespricht mit Hilfe der Daten nach Auslesen des digitalen Pumpenspeichers die notwendigen Änderungen beim Katheterwechsel.
Der Patient lernt mit der Zeit, dass ein häufigerer Katheterwechsel für ihn günstiger ist.
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von Prof. Dr. Nataša Bratina
Universitäts-Kinderkrankenhaus Ljubljana, Slowenien
E-Mail: natasa.bratina@mf.uni-lj.si


Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2019; 11 (4) Seite 8-9