Wenn Unternehmen Diabetes-Hilfsmittel weiterentwickeln, haben diese Systeme neue Funktionen, andere Größen usw. So ist es auch bei der nächsten Generation des Systems zum kontinuierlichen Glukosemessen (CGM) von Abbott, des FreeStyle Libre 3. In einer Pressekonferenz stellte das Unternehmen zusammen mit Diabetes-Experten das neue Familienmitglied vor.

Futur 3: So lautete der Titel der virtuellen Pressekonferenz des Unternehmens Abbott am Vorabend der Diabetes-Herbsttagung Anfang November. „Wir freuen uns, dass wir mit Ihnen gemeinsam in die Zukunft des Diabetesmanagements schauen“, begrüßte folgerichtig Moderator Bernhard Wolff aus Berlin die Journalisten an den Bildschirmen.

„FreeStyle Libre“ 1 – 2 – 3

Eigentlich ging es um Familienzuwachs, wie Christian Grapow, der für den Bereich Diabetes Care bei Abbott zuständig ist, erläuterte: „Heute stellen wir FreeStyle Libre 3 vor, unser neuestes Produkt einer Produktfamilie.“ Das erste Mitglied der Familie kam im Jahr 2014 auf den Markt und war eine Revolution, vor der sich Prof. Dr. Thomas Haak, Diabetologe aus Bad Mergentheim, fast verneigt hätte, wie er erzählte. Es war ein Quantensprung für ihn.

Vier Jahre später kam das weiterentwickelte ­FreeStyle Libre 2 auf den Markt – und in den ersten Monaten des Jahres 2021 kommt die dritte Generation: FreeStyle Libre 3.

Werte direkt auf das Smartphone

„Bei der Entwicklung haben wir uns bei ­FreeStyle Libre 3 an den täglichen Diabetes-Bedürfnissen von Menschen mit Diabetes orientiert“, berichtete Grapow. Die Sensoren messen wie ihre Vorgänger die Gewebeglukosewerte kontinuierlich 14 Tage lang. Neu ist: „Für das FreeStyle-Libre-3-System fällt das Scannen weg. Stattdessen werden die Werte jede Minute auf ein Smartphone übertragen und direkt angezeigt.“

Abrufen in der App für den FreeStyle Libre können die Anwender die aktuellen Glukosewerte mit Trendpfeilen und statt wie bisher die Glukoseverläufe der letzten 8 Stunden nun die der letzten 12 Stunden.

Diskret wie zwei 5-Cent-Münzen

Neu ist auch die geringere Größe des Sensors, sie entspricht zwei aufeinandergelegten 5-Cent-Münzen „und ist somit der kleinste und flachste Sensor, der aktuell auf dem Markt verfügbar ist“. Diabetologe Dr. Jens Kröger aus Hamburg, der wie die anderen Experten in der Pressekonferenz zu den Wegbegleitern der ersten Stunde gehört, was diese Messsysteme betrifft, ist begeistert: „Wenn man sieht, wie klein das ­Libre 3 ist, das ist wirklich sehr eindrucksvoll.“

Darin sieht auch Kinderarzt und Diabetolge Prof. Dr. Thomas Danne aus Hannover Vorteile: „Je kleiner ein solches System ist, umso besser ist es für Kinder natürlich auch geeignet.“ Er ergänzt: „Gerade auch bei den Jugendlichen spielt Diskretion zum Thema Diabetes eine ganz große Rolle.“

Alarme können warnen

Beibehalten worden sind die Alarme für hohe und niedrige Werte und für Signalverlust. Die Alarme können als Ton und Vibration eingestellt werden, die Glukosegrenzen sind individuell anpassbar. Die Glukosewerte sind mit anderen Personen teilbar, sodass zum Beispiel Eltern direkt mitbekommen, wenn mit ihrem Kind mit Diabetes etwas nicht stimmt.

„Beste Genauigkeit, die wir jemals ­hatten“

Ganz wichtig für solche Messsysteme ist die Genauigkeit: „Die Messgenauigkeit von ­FreeStyle Libre 3 entspricht der hohen Messgenauigkeit von FreeStyle Libre 2“, so Grapow. Das bestätigt auch Dr. Philipp Hoffmann von Abbott: „Die Genauigkeit ist die beste, die wir jemals hatten.“ Bereits am ersten Tag weichen die gemessenen Glukosewerte nur gering ab: Die mittlere absolute relative Differenz (MARD) liegt bei 10,0 Prozent, an den übrigen Tagen bei 9,2 Prozent.

Die hohe Genauigkeit erlaubt, Therapieentscheidungen aufgrund der gemessenen Werte zu treffen. Wie Kröger ergänzend erläuterte, bieten FreeStyle Libre 2 und 3 die hohe Genauigkeit, die die amerikanische Zulassungsbehörde verlangt für interoperable CGM-Systeme, also Systeme, die mit Insulinpumpen kombinierbar sind. Kalibriert werden muss FreeStyle Libre 3 nicht.

Umweltschutz durch weniger Abfall

Einen Aspekt, an den man vielleicht nicht direkt denkt in einem solchen Zusammenhang, brachte Grapow noch ins Spiel: die Umwelt. „Der Sensor ist wesentlich kleiner und es wird weniger Abfall produziert. Mehr als 40 Prozent weniger Kunststoff und Kartonagen machen ­FreeStyle Libre 3 einfach besser für die Umwelt.“

Dem stimmte Kröger zu: „Bei allen kontinuierlichen Glukosemessungen, bei Pumpensystemen: Wenn man sieht, wie viel Müll da anfällt über ein paar Wochen, dann wird hier nochmal ein deutlicher Schritt dahin gegangen, dass wir deutlich weniger Müll haben. Das finde ich eine wichtige Botschaft, gerade in der heutigen Zeit!“

Leben mit Diabetes wird einfacher

Haaks Fazit: „Im Prinzip verbindet der FreeStyle Libre 3 die Qualität der Vorgängermodelle mit weiteren Features, die das Leben und den Umgang mit Diabetes im Rahmen der Stoffwechselkontrolle eben auch einfacher machen.“ Und Moderator Wolff blickte mit einem Zitat aus einem Interview zum Abschluss optimistisch in die Zukunft: „Vielleicht kommen wir irgendwann dahin, dass die Menschen freihaben vom Diabetes.“


von Dr. med. Katrin Kraatz
Redaktion Diabetes-Journal, Kirchheim-Verlag
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (1) Seite 14-15