Nach der Veröffentlichung der „Implant Files“ (internationale Recherche zu Implantaten) kam es auch zu einer Diskussion in diversen Medien um die Zuverlässigkeit von Insulinpumpen. Hierzu eine Stellungnahme des Landesverbandes Niedersachsen der Deutschen Diabetes-Föderation (DDF).

Hintergrund
Das internationale Journalistennetzwerk ICIJ hatte Ende 2018 unter dem Titel „Implant Files“ Recherche-Ergebnisse zu mangelhaften medizinischen Implantaten veröffentlicht.

Ein Nebenaspekt in der Berichterstattung des an den „Implant Files“ beteiligten Norddeutschen Rundfunks (NDR) waren dabei auch vermeintliche Probleme mit Insulinpumpen, deren Nutzen, eines NDR-Berichts zufolge, ohnehin fraglich sei. Der Landesverband Niedersachsen der Deutschen Diabetes-Föderation (DDF) hat hierzu nun eine Stellungnahme veröffentlicht, in der die NDR-Berichterstattung als dramatisierend und unzutreffend kritisiert wird.

Zunächst sei festgehalten, dass es sich bei Insulinpumpen nicht um Implantate handelt. Eine Pumpe ist für den Patienten jederzeit erreichbar und komplikationslos austauschbar. Ein Vergleich mit bröselnden Bandscheibenprothesen, wie der NDR ihn in seiner Berichterstattung zog, verbietet sich von daher eigentlich.

Dramatische Darstellung nicht-alltäglicher Probleme

In keinem der Berichte wurden genaue Angaben zu Fehlerquoten in Deutschland gemacht. Selbst der vielfach zitierte Fall einer defekten Pumpe ist für uns nicht eindeutig. Die Pumpe hat zu viel Insulin abgegeben. Ob dies auf einem technischen Defekt oder einem Bedienfehler beruht, wurde nicht abschließend geklärt. Unsere Erfahrung zeigt uns aber, dass viele Probleme im Umgang mit den Geräten nicht aus technischen Störungen, sondern aus Bedienfehlern aufgrund mangelhafter Schulung resultieren.

Dabei können natürlich auch wir nicht ausschließen, dass es bei solch komplexer Technik einmal zu Defekten kommt. Aber auch dieser Fall sollte Teil der Schulung im Umgang mit den Geräten sein. Unsere vielen Gespräche mit Eltern und erwachsenen Pumpenträgern zeigen, dass Probleme, wie in der Berichterstattung dramatisch dargestellt, nicht Alltag sind. In der Regel entlastet eine Pumpe das Familienleben und sorgt für mehr Flexibilität und eine bessere Einstellung der Betroffenen.

Vorteiler einer Insulinpumpe kalt beiseite gewischt

In einem Bericht des NDR wurde nahegelegt, dass Insulinpumpen keinen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Insulinpens hätten. Der Sender berief sich auf eine Studie des britischen National Health Service (NHS), deren Industrieunabhängigkeit besonders betont wurde. Nun ist es richtig, dass der Nationale Gesundheitsdienst nicht die Hilfsmittelindustrie vertritt – allerdings die Interessen des Staats. Somit ist diese Institution ebenfalls nicht unabhängig. Eine Tendenz, die teurere Therapieform der billigeren als nicht besser gegenüberzustellen, liegt zumindest nahe.

Aus dem täglichen Umgang mit dem Thema wissen wir, dass eine Insulinpumpe eine echte Entlastung für den Alltag darstellen kann und für eine Mehrheit sicher eine bessere Lösung als die Insulingabe über einen Pen darstellt. Dies muss jedoch von Fall zu Fall und immer individuell gesehen werden. Es gibt auch Konstellationen, bei denen eher ein Pen für den Patienten angebracht ist. Gegen die objektiven Vorteile einer Pumpe spricht das aber nicht. In der Berichterstattung wurden diese aber fast schon kalt beiseite gewischt.

Engagement aus Überzeugung – nicht skandalträchtig genug?

Besonders harte Vorwürfe wurden gegen den Kinderdiabetologen Prof. Dr. Thomas Danne erhoben. Er macht aus seiner Überzeugung, dass eine Pumpe das bessere Hilfsmittel ist, keinen Hehl. Dies liegt nach unserer Auffassung aber nicht an seiner Beteiligung an Studien mit einem Hilfsmittelunternehmen, sondern beruht auf echter Überzeugung und jahrelanger Forschungsarbeit. Danne arbeitet mit der Industrie zusammen, weil er vom Konzept Pumpe überzeugt ist und nicht umgekehrt. Das ist ein wichtiger Unterschied. Dieser simple Fakt scheint aber wohl nicht skandalträchtig genug zu sein.

Als unabhängige Selbsthilfeorganisation finden wir eine Verknüpfung von Industrie und Medizin natürlich nicht optimal. So wie das Interesse an Einsparungen nicht gegen den medizinischen Fortschritt gerichtet sein darf, so darf auch das Gewinnstreben nicht über der medizinisch besten Lösung stehen. An dieser Stelle ist aber der Gesetzgeber gefragt, der für mehr Transparenz und sinnvolle Einschränkungen sorgen muss.


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