Konzerne haben klammheimlich eine der wichtigsten Lebensgrundlagen der Menschen gekapert: Saatgut. Wenige engagierte Züchter halten dagegen – wie Patrick Schmidt vom „Haus Bollheim“ bei Köln. Er arbeitet nach einem uralten Prinzip der traditionellen Medizin: Schauen, was die Pflanze sagt.

Dramatisch sind die Veränderungen seit dem Zweiten Weltkriegs: Bis dahin hatten die meisten Bauernhöfe eigene Getreidesorten – eine großartige botanische Vielfalt. Es waren hofeigene Sorten, die an Böden, Klima und die Menschen angepasst waren. Dann kam im großen Stil der Samenhandel auf – und es bildeten sich immer größere Einheiten.

Heute dominieren wenige große Konzerne wie Monsanto den Saatgutmarkt und bestimmen, was und wie wir essen. Das geht soweit, dass diese Konzerne hybrides Saatgut verkaufen, was die Bauern nicht selbst vermehren können, sondern jedes Jahr neu kaufen müssen – oft einschließlich des dazugehörigen Düngers und des sogenannten Pflanzenschutzes, weil sonst nichts wächst. Freie Bauern mutieren so zu Angestellten von Pflanzenmultis.

Wie radikal die Multis vorgegangen waren, zeigte sich, als vor rund 20 Jahren die Öko-Bewegung im großen Stil aufkam: Da mussten auch die meisten Öko-Betriebe Saatgut von konventionellen Betrieben kaufen – weshalb Bio damals oft eine Mogelpackung war. Dass sich das inzwischen geändert hat, liegt ganz stark an den demeter-Bauern, welche den Öko-Gedanken am Konsequentesten verwirklichen, welche die strengsten Anforderungen an die Produktion von wirklichen Lebens-Mitteln haben. Es waren demeter-Bauern, welche „Bingenheimer Saatgut“ gründeten, eine Lebensgemeinschaft in der Nähe von Frankfurt. Von dort kommt inzwischen eine breite Palette an ökologischen Gemüse- und Kräutersamen.

Eine eigene Welt: Haus Bollheim

Aber wer kümmert sich um die alten Getreide- und Hofsorten? Es sind dies vielleicht noch 50 Betriebe und ein rundes Dutzend Züchter, wobei die meisten nach den biologisch-dynamischen demeter-Richtlinien arbeiten, die auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurückgehen. Einer davon ist Patrick Schmidt vom „Haus Bollheim“ bei Köln, ein mustergültiger Bauernhof mit Tieren, Gemüsen und Getreide. Der 1966 Geborene machte eine Ausbildung zum Staudengärtner im Kloster Maria Laach und arbeitete dann drei Jahre in der Eifel bei der legendären „Hera Forschungsstelle für ökologischen Landbau“. Dort wirkte Georg Wilhelm Schmidt, Sohn von Martin Schmidt, einem Teilnehmer von Steiners bahnbrechendem Kurs im Jahr 1924, wo die demeter-Prinzipien erstmals entwickelt wurden.

Tief verinnerlicht hat Patrick Schmidt, der seit zehn Jahren bei Bollheim ist, das Gelernte: Er hat begriffen, dass die Kraft des Getreides in der Ähre liegt – ein Ansatz, den schon Goethe verfolgte. Eine Zeitlang hat er deshalb Ähre für Ähre, ja sogar Korn für Korn ausgelesen, die sogenannte „Ährenbeetmethode“, wo ich einmal dabei war – was einem ein tiefes Verständnis für die Wachstumskräfte vermittelt. Gelernt hat er in der Eifel auch, dass neben Sonne und Mond auch die Planeten einen Einfluss auf das Wachstum haben.

Jetzt wird es esoterisch, denken sicher viele. Ich war anfangs auch skeptisch, doch dann habe ich mich auf das Denkgebäude von Patrick Schmidt eingelassen, habe ihn auf dem Feld beobachtet, wie er die Veränderungen des „Halmleuchtens“ erklärt, was die unterschiedlichen Reifegrade andeutet; saß an einem Samstag nachmittag mit ihm drei Stunden in der Bollheim-Backstube (er arbeitet inzwischen auch beim Bollheim-Bäcker Jürgen Zippel mit) und ließ mir sein ausgeklügeltes System zeigen, was er auf seinem Handy hat, wo er nach den verschiedensten Konstellationen am Firmament bestimmt, wann der beste Zeitpunkt für die Aussaat ist.

Je leuchtender die Halme, desto besser die Qualität

Wirkt das auch? Ja, so hat er am 25. April 2008 genau im „Saturn-Mond-Trigon in der Wärme“ Sommerweizen in seinem Versuchsfeld ausgesät – und im nächsten Jahr war dieses Getreide über zehn Zentimeter höher als gleichzeitig ausgesätes Kontrollgetreide. Die Höhe des Getreides ist für Patrick Schmidt ein wichtiges Qualitätskriterium – denn je höher das Getreide ist, desto stärker ist das Spannungsverhältnis zwischen den kosmischen und den irdischen Kräften, was der Ernährung zugute kommt. Zwei Jahre später pflanzte der Züchter den Saturn-gestärkten Weizen im „Mars-Mond-Trigon im Wässrigen“ – und prompt war im nächsten Jahr die Pflanze deutlich kräftiger. Alles gut also? Nicht ganz, im feuchten Jahr 2016 war die Pflanze leider anfällig für Pilze. Also braucht es noch einen weiteren Gestirn-Impuls, um das Getreide resistenter zu machen, möglicherweise im „Jupiter-Mond-Trigon im Licht“.

Endlich ein Weizen mit „verträglichen“ Gluten?

Das alles dauert – und so ist kein Wunder, dass über zehn Jahre ins Land gehen, bis eine neue Sorte gezüchtet ist. Doch Patrick Schmidt, von dem eine große Ruhe ausgeht, ist ein geduldiger Mensch. Und neben dem „Konstellationsgetreide“ (also nach Sonne, Mond und Sterne) gehört seine ganze Kraft der Veredelung des herkömmlichen Weizens – und da ist ihm möglicherweise eine bahnbrechende Züchtung gelungen: So hat er das Urgetreide Emmer immer wieder an verschiedene Stellen, auf verschiedenen Böden gesät, was den Emmer irgendwann „anreizte“ ein Weizen zu werden – und zwar einer, wie er früher war. Also ein Weizen, der zwar auch Gluten enthält, aber innerhalb der Gluten möglicherweise weniger ATI, einem Weizen-eigenen Insektizid, was wohl die wichtigste Ursache für die vielen Unverträglichkeiten ist.

Erschließt das Wesen der Pflanze: Signaturenlehre

Denn in den letzten Jahren wurden besonders Gluten- und damit ATI-starke Sorten gezüchtet, damit die industriellen Backmaschinen schneller laufen konnten. Vielleicht ist Patrick Schmidt ein wichtiger Durchbruch für einen verträglicheren Weizen gelungen. Ob das so ist, wird sich in den nächsten Jahren erweisen. Bis dahin wird der Züchter das machen, was er immer macht: Beobachten, „was die Pflanze sagt“. Es ist dies eine Methode der traditionellen Medizin (nicht nur der deutschen, sondern weltweit), aus der Beobachtung der Eigenschaften der Pflanze auf ihre gesundheitliche Bedeutung zu schließen. „Signaturenlehre“ heißt diese Methode, nach der beispielsweise unsere Vorfahren herausgefunden haben, dass die hirnförmige Walnuss gut für den Kopf sein muss – was inzwischen die Wissenschaft bestätigt, denn der hohe Gehalt an Omega-3-Fetten fördert die Hirndurchblutung.

Zwischen Emmer und Mohrenhirse: Patrick Schmidt

Gerade einmal einige zehntausend Euro hat Patrick Schmidt für seine wichtigen Züchtungsversuche zur Verfügung. „Peanuts“ sind das im Vergleich zu den Milliarden der Saatgutkonzerne. Das ist jammerschade, denn es wäre so wichtig, dass wir wieder hofeigene Sorten bekommen, welche ohne künstliche Dünger, ohne chemischen Pflanzenschutz auskommen – die damit viel verträglicher, „menschengemäßer“ sind. Außerdem würde so die biologische Vielfalt gefördert.

Verwirrend: Widersprüchliche Ernährungsempfehlungen

„Saturn-Mond-Trigon“ – das ist Ihnen nicht wissenschaftlich genug? Ich gebe zu, das ist auch für mich Neuland. Aber ein Neuland, auf das ich mich zusammen mit Patrick Schmidt einlassen will, denn ich sehe darin Potential. Aber ist denn unsere herkömmliche Wissenschaft so zweifelsfrei, wie sie gerne tut? Ich bin inzwischen sehr skeptisch. Denn in den über 15 Jahren, in denen ich über Ernährung schreibe, habe ich erlebt, dass viele Gewissheiten plötzlich ins Wanken geraten: So wurde jahrelang vor zu viel Salz gewarnt – und nun gibt es plötzlich Warnungen vor zu wenig Salz. Und ich bin gespannt, wann die Wissenschaftler endlich merken, dass Cholesterin nicht nur böse ist.

Aber nicht nur ich wundere mich über die Windungen der Ernährungsforschung. Selbst der Chef des Ernährungskonzerns Nestlé beschwerte sich jüngst, dass das Hin- und Her der Empfehlungen die Menschen verunsichert – und sie irgendwann gar nicht mehr wissen, was sie essen sollen, was bei vielen zu massiven Gesundheitsstörungen, der Orthorexie, führt.

Da lobe ich mir den Weg von Patrick Schmidt, der auf die Pflanzen schaut – und hört, was sie „sagen“. Denn was sie sagen, geschieht im Einklang mit den kosmischen Kräften – und ist nicht das Produkt einer seelenlosen Laborforschung, welche eine Pflanze nie in ihrer Ganzheit erfassen kann. Ich freue mich auf die weitere Züchtungsarbeit von Patrick Schmidt und seinen anderen demeter-Kollegen. Wer weiß, vielleicht wird aus dem kleinen Züchtungs-Pflänzchen in Bollheim schon bald eine mächtige Pflanze, welche einer vitalen Ernährung neue Wege weist.

Auf nach Bollheim: Hoffest am 11. September!
Wer sich über die Arbeit von Patrick Schmidt informieren will, hat am 11. September eine gute Gelegenheit. Denn gibt es das Hoffest auf Haus Bollheim, wo auch der Züchter anwesend ist. Wer grundsätzlich etwas über Bollheim wissen will, findet hier einen ausführlichen Bericht.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
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