„Wald-Baden“ nennen die Japaner das bewusste Wandeln im Wald – und die moderne Wissenschaft weist nach, wie positiv sich die Kraft der Bäume auf die Gesundheit auswirkt.

Noch hängen die meisten Blätter; noch sind die meisten grün, noch lohnt sich ein ausgedehnter Spaziergang – denn nichts baut so schnell und so preiswert Stress ab, wie eine Wanderung durch den Wald. Niemand weiß das besser als die Japaner, die zumeist in übervölkerten Großstädten leben müssen – und für das bewusste Wandeln im Wald den Ausdruck „Wald-Baden“ kreiert haben.

Welche Kureffekte von der Waldapotheke ausgehen, hat die Umweltmedizinerin Daniela Haluza von der Uni Wien in einer großangelegten Studie herausgefunden, über die der „Kölner Stadtanzeiger“ am 9. September 2015 berichtete: „Der Wald hat nachweislich eine gesundheitsfördernde Wirkung – Waldaufenthalte tragen zur körperlichen Erholung und Regeneration, zur Stärkung der Immunabwehr und zur Verbesserung der Schlafqualität bei“. Auch sinken durch den Stressabbau schon nach kurzer Zeit Blutdruck und Puls – und es werden vermehrt aufhellende Hormone wie Serotonin und Dopamin ausgeschüttet.

Gestärkte Immunabwehr, weniger Stress, niedrigerer Blutdruck, besserer Schlaf. Kommt Ihnen das bekannt vor? Ja, sicher, das sind wichtige Ziele jeder ganzheitlichen Therapie des Typ-2-Diabetes. So weiß die moderne Wissenschaft inzwischen, dass permanenter Stress ein wesentlicher Grund für die starke Zunahme des „Lifestyle-Diabetes“ ist, wie ich den durch den Lebensstil wesentlich bedingten „Zucker“ nenne.

Senkt den Blutdruck, steigert die Stimmung: Grün

Warum der Wald diese mächtigen therapeutischen Wirkungen hat, weiß bis heute noch niemand ganz genau. Es wird vermutet, dass es eine Mischung aus Bewegung, Ruhe, Ablenkung, Duft – und der Kraft der Farbe grün ist: „Grün weckt positive Assoziationen, es lässt uns an Nahrung und Unterschlupf denken“, glaubt die Wienerin Daniela Haluza. Sicher, das sind keine neuen Erkenntnisse, längst werden in modernen Kliniken die Zimmer gerne grün gestrichen, wird auf einen möglichst guten Blick ins intakte Grün geachtet.

Wie positiv sich grün auswirkt, weiß ich aus eigener Erfahrung: Ich habe das große Glück, seit Jahrzehnten in einer Wohnanlage zu leben, die von großen Bäumen umgeben ist. Das ist ungeheuer beruhigend, es lässt mich ganz intensiv den Lauf der Jahreszeiten verfolgen – vom zarten Grün des Frühlings bis jetzt, wo sich die ersten Blätter der Platane ganz langsam verfärben. Auch merke ich, wie die Bäume die Luft reinigen, die Temperatur im Sommer angenehm regulieren.

Schade nur, dass in den vielen neuen Wohnanlagen, die gerade überall in den großen Städten gebaut werden, praktisch nirgends an Bäume gedacht wird – obwohl die meisten Wohnungen für ungeheuer viel Geld verkauft werden. Es ist halt bei uns immer noch so, dass alles, was einer primären Prävention vieler Krankheiten dient, als Stichwort sei nur Burnout genannt, dem gnadenlosen Renditekalkül geopfert wird.

Naturapotheke: Wanderung im Südschwarzwald

Wer dem Dickicht der Städte entfliehen möchte, dem empfehle ich eine herrliche Wanderung im Südschwarzwald, die ich selbst gelaufen bin: Es geht von Schönau (der Stadt des Weltmeistertrainers Jogi Löw) auf den knapp 1100 Meter hohen Hochkopf. Es führt eine Straße hinauf, ich bin mit dem Bus gefahren. Von dort geht es über den „Blößling“ aufs 1415 Meter hohe „Herzogenhorn“, von wo ein prächtiger Blick in den Schwarzwald und gerade im Herbst in die Schweizer Alpen lockt. Anschließend führt der anspruchsvolle Weg nach Bernau, das auf einer Hochebene liegt. Das ist eine fordernde Tour mit Auf- und Abstiegen, die je nach Kondition zwischen fünf und sechs Stunden dauert – aber mehr Tiefenentspannung an einem Tag geht nicht.

In Bernau lohnt sich die Übernachtung im „Bergblick“ mit deftiger Heimatküche. Sehr zu empfehlen ist auch ein Besuch des in heimischer Holzarchitektur gebauten Museums mit einer Dauerausstellung des bedeutenden Landschaftsmalers Hans Thoma.

© Hans Lauber
Ins Offene: Blick vom Herzogenhorn auf Bernau und die Schweiz


von Hans Lauber
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