Regelmäßige körperliche Bewegung verbessert die körperliche Fitness, hilft, das Gewicht zu halten oder abzunehmen, stärkt die Immunabwehr und kann die Blutzuckerkontrolle verbessern. Die WHO und Fachgesellschaften empfehlen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, um gesund zu bleiben. Ideal hierfür ist das Fahrrad-Ergometer zu Hause oder die Fahrradtour draußen.

Sehr viele Menschen schaffen es nicht, sich 2 bis 3 Stunden pro Woche etwas sportlich zu bewegen. Statistisch gesehen sind Menschen mit Typ-2-Diabetes weniger aktiv als Stoffwechselgesunde. Und gerade jetzt, in Zeiten einer erhöhten Infektionsgefahr, ist es besonders wichtig, eine optimale Stoffwechselkontrolle durch vermehrte Bewegung anzustreben. Was kann ich also tun, um mich mehr zu bewegen – vor allem, wenn ich durch Beruf, Familie und andere Aktivitäten nur wenig Zeit zur Verfügung habe?

Schnell erklärt
  • Ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor während des Tretens bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h, darüber hinaus ist man komplett auf die eigene Muskelkraft angewiesen. Die Unterstützung kann in mehreren Stufen eingestellt werden. Es ist weder eine Versicherung noch ein Führerschein oder eine Zulassung zum Fahren erforderlich, eine Helmpflicht besteht nicht, rechtlich gesehen ist das Pedelec dem Fahrrad gleichgestellt.
  • Ein S-Pedelec (schnelles Pedelec) gehört bereits zu den Kleinkrafträdern, die Motorunterstützung wird erst bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h abgeschaltet. S-Pedelecs brauchen ein Versicherungskennzeichen, der Fahrer muss mindestens 16 Jahre alt und im Besitz einer Fahrerlaubnis der Klasse AM sein. Außerdem muss man beim Fahren einen geeigneten Schutzhelm tragen, man darf nicht auf Radwegen fahren, auch wenn sie für Mofas freigegeben sind.
  • E-Bikes lassen sich mit Hilfe eines Elektroantriebs auch fahren, ohne dabei in die Pedale zu treten, vergleichbar mit einem Elektromofa. Auch hier sind Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa­führerschein Pflicht. Wenn man schneller als 25 km/h fahren möchte, ist man auf seine eigene Muskelkraft angewiesen. Wenn das E-Bike schneller als 20 km/h fahren kann, ist ein Motorradhelm Pflicht.

(Quelle: ADFC)

Einen Teil meiner täglichen Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen, könnte hierbei helfen. Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, sind fitter, können besser ihr Körpergewicht kontrollieren und verbessern die Funktion ihres Herz-Kreislauf-Systems. Was aber, wenn ich in einer bergigen Region wohne, mich vielleicht lange nicht bewegt habe und es mir daher schwerfällt, längere Strecken per Rad zu bewältigen? Wenn die Wegstrecke für mich sehr anstrengend ist, komme ich erschöpft und verschwitzt an. So macht Fahrradfahren wenig Spaß …

Ein Beispiel

Der Fall: Katja ist 52 Jahre alt und hat seit über 20 Jahren Typ-2-Diabetes. Durch eine Depression hatte sie sehr zugenommen und wog 135 kg. Im Sommer ging es ihr nicht gut, sie hatte viel Stress und dadurch 15 kg zugenommen. Um den Blutzucker halbwegs in den Griff zu bekommen, spritzte sie täglich 80 – 100 Einheiten Insulin, hierunter lag der HbA1c-Wert letzten Sommer bei 7,8 % (62 mmol/mol).

Als wir uns im Herbst wiedersahen, strahlte sie. Sie war einige Wochen in Holland im Urlaub gewesen und hatte sich ein E-Bike gekauft. Durch die Motor­unter­stützung konnte sie jeden zweiten Tag lange Radtouren machen. „Ohne E-Bike hätte ich es nie geschafft, so weite Strecken zu bewältigen. Früher war schon nach ein paar Kilometern Schluss. Jetzt bin ich nach dem Frühstück losgefahren, habe mittags eine kleine Pause gemacht, und dann ging es wieder zurück. Es war toll. Ich fühle mich viel fitter und mobiler.“

Auf den Akku kommt es an:
  • Der Akku kann im oder am Rahmen, hinter dem Sitzrohr oder am Gepäckträger untergebracht sein, am besten ist eine zentrale Position.
  • Es werden fast nur noch Lithium-­Ionen-Akkus eingesetzt. Sie haben die höchste Energiedichte (d. h. sie speichern bei geringstem Gewicht die größte Energiemenge) und haben praktisch keinen Memory-Effekt (d. h. sie können auch nach Teilentladungen aufgeladen werden, ohne dadurch an Kapazität zu verlieren).
  • Vorsicht: Höhere Energiedichte bedeutet auch ein erhöhtes Gefahrenpotenzial. Unsachgemäßer Umgang, hohe Temperaturen, mechanische Einwirkungen oder falsche Ladegeräte können beim Akku gefährlich werden.
  • Der Energiegehalt von Akkus wird in Wattstunden (Wh) angegeben, so sind unterschiedliche Akkus miteinander vergleichbar.
  • Je größer der Energiegehalt ist, umso größer ist die Reichweite und umso teurer ist der Akku. Die Reichweite hängt auch von der Stärke der Motorunterstützung, dem Gelände, dem Fahrverhalten und dem Gewicht von Fahrer und Gepäck ab.
  • Wer richtig lange oder bergige Strecken fährt, sollte einen Ersatz-Akku dabeihaben, das Ladegerät mitnehmen oder in der Ebene ohne Motor fahren. Beim leeren Akku bleibt man aber nicht liegen, die Unterstützung fällt nur weg.
  • Ein Akku hält etwa 5 Jahre, auch ungenutzt gelagert.
  • Mit zunehmendem Alter und wachsender Anzahl der Aufladungen nimmt die Fähigkeit ab, Energie zu speichern und wieder abzugeben. Die meisten Hersteller garantieren ca. 500 Ladezyklen. Lithium-­Ionen-Akkus sollte man nicht vollständig leer fahren, sondern auch nach Teilentladungen wieder aufladen.
  • Ein Ersatzakku kostet je nach Kapazität 350 bis 1 100 Euro. Rechnet man diese Kosten auf die Kilometerleistung um, muss man bei 500 Ladezyklen und 8,5 Wh/km mit Betriebskosten von etwa 3 ct/km rechnen, wenn man immer mit der stärksten Unterstützungsstufe fährt.
  • CO2-Bilanz: ca. 4,5 g CO2/km für die Nutzung selbst und für die Herstellung des Akkus knapp 1 g CO2/km; zum Vergleich: ein Mofa stößt 50 g CO2/km aus, ein Diesel-­PKW ca. 130 g CO2/km und ein Benziner ca. 200 g CO2/km.

Quelle: ADFC

Ist ein Elektrofahrrad also eine Alternative?

Nicht nur beim normalen Fahrradfahren verbessert sich die körperliche Fitness, auch beim Nutzen eines Elektrofahrrads steigt die Herzfrequenz stärker als beim Spazierengehen. Dies führt zu einer körperlichen Aktivität von mindestens moderater Intensität. Das regelmäßige Nutzen eines Elektrofahrrads führt nachweislich zu einer Verbesserung der Fitness und einer Reduktion des Herz-Kreislauf-Risikos. Je häufiger man sich auf das Fahrrad schwingt, umso größer ist der Effekt.

Was muss man beachten?

Elektrofahrradfahrer sind oft schneller unterwegs als konventionelle Fahrradfahrer und haben dadurch ein erhöhtes Unfallrisiko. Es ist wichtig, sich dies bewusst zu machen und immer mit angemessener Geschwindigkeit zu fahren. Außerdem sollte man stets einen Helm tragen und ggf. an einem Radfahrtraining für Elektrofahrradfahrer teilnehmen.

Der Fall: Katja hat trotz Urlaubs 2 kg Gewicht abgenommen, und der HbA1c-Wert hat sich auf 7,6 % verbessert. Sie konnte Insulin einsparen, aber das Wichtigste ist, dass es ihr viel besser geht durch die Bewegung und den persönlichen Erfolg, längere Strecken zu bewältigen.

Wer hilft weiter?

Mit ein Elektro-Fahrrad zu fahren, kann also helfen die Blutzuckerwerte zu senken, das Gewicht zu halten, die Abwehrkräfte und das Herz-Kreislauf-Risiko zu verbessern, außerdem ist es für die Umwelt besser als Autofahren. Fahrrad fahren ist ein sicherer Sport, der jederzeit ohne ein erhöhtes Infektionsrisiko an der frischen Luft durchgeführt werden kann. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, vermeidet zu enge Kontakte in öffentlichen Verkehrsmitteln, und Spaß macht das Fahrradfahren auch noch. Also gute Fahrt!

Schwerpunkt „Technologie bewegt uns“

von Dr. Ulrike Becker
Internistin, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin,
Oberstraße 10, 53859 ­Niederkassel-Rheidt,
E-Mail: dr-becker@diabetespraxis-­rhein-sieg.de


Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (5) Seite 26-28