Wer Covid, wer schwere Influenzen überwunden hat, leidet oft unter Müdigkeit und Schlappheit. Gibt es Möglichkeiten, diese Beschwerden zu mildern? Unser Kolumnist Hans Lauber hat dazu den Arzt und Apotheker Dr. med. Siegfried Schlett befragt.

Das letzte Pandemiejahr hat uns gelehrt, dass rund 40 Prozent aller Erkrankten und wieder Genesenen unter mehr oder weniger starken Nachwehen leiden. Die Liste der anhaltenden Beschwerden ist lang und monatlich werden neue Symptome in die Liste aufgenommen. Am häufigsten genannt werden Husten und Atembeschwerden, allgemeine Müdigkeit und körperliche Schwäche. Viele Betroffene sagen, dass sie „nicht mehr die sind, die sie vor der Erkrankung waren“. Weil die Beschwerden so schwer zu fassen sind, hat die Schulmedizin oft keine konkreten Konzepte. Trotzdem gibt es Hoffnung, denn viele naturheilkundlich arbeitende Ärzte berichten über Erfahrungen, die aufhorchen lassen.

Die Covid-Infektion löst in unserem Körper einen Entzündungstsunami aus. Unser Immunsystem, das wie eine Armee aus verschiedenen Waffengattungen zusammengesetzt ist, wird durch die Viren derart gereizt, dass es nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheidet. Die Gefährlichkeit dieses Kampfes beginnt für unseren Körper vor allem dann, wenn wir das zunächst sinnvoll eingeleitete Entzündungsfeuer nicht mehr kontrollieren und re-balancieren können. Das Immunsystem kämpft dann einen Kampf der Verzweiflung ohne Rücksicht auf Verluste. Was ist das wichtigste Organ, das die Truppen zurückrufen kann: Unsere Nebenniere, die in solchen Zeiten Kortison ohne Ende produziert, wenn sie genügend Baumaterial dazu hat. Welche Baumaterialien werden dazu gebraucht: Progesteron, Vitamin C und B5. Siehe dazu auch Lauber's Kolumne aus dem letzten November: „Machen Sie Ihr Immunsystem fit!“.

Ist der Infekt vorbei, also der Covidtest wieder negativ, dann sieht man ein regelrechtes Trümmerfeld an Entzündungsvorgängen, die auch zum Teil noch nachglühen. Je nachdem, wo das Immunsystem wie wild kämpfte, bleiben „Entzündungsnarben“ zurück. Sehr häufig betroffen ist etwa die Schilddrüse, weil dieses Organ sich gegen Immun-Kampftruppen auch bei anderen Erkrankungen nicht wehren kann. Die Schilddrüse ist wie eine Stadt ohne Stadtmauer, schutzlos den marodierenden Immunzellen und chemischen Kampfstoffen ausgeliefert.

Aber gerade die Schilddrüse (SD) ist ein wichtiger Energiegeber und Aktivposten in unserem Alltag. Lassen Sie besonders dann, wenn Sie nach einem Covidinfekt frieren und antriebslos sind, einen Hormontest machen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, die SD-Hormondosis vielleicht für 4 bis 6 Wochen etwas zu erhöhen, bis die Drüse wieder Fahrt aufnimmt. Dieses Vorgehen sollte mit dem Hausarzt abgestimmt werden. Auch fibromyalgische Beschwerden deuten darauf hin, dass das Immunsystem nicht zur Ruhe kommt.

Ist die Nebenniere nach dem langen Kampf erschöpft, helfen jetzt Vitamin-C-Infusionen bei erfahrenen Therapeuten (etwa 7.500 mg Natriumascorbat, 50 ml Pascorbin, in 250 ml Kochsalz gelöst) in wöchentlichem Abstand. Frauen können etwa auch etwas mehr Progesteron in Cremeform auftragen. Das muß verschrieben werden. Vitamin B5 kann in Tablettenform dazugegeben werden, 100 bis 250 mg täglich für 2 bis 3 Wochen.

Im Grunde genommen schaut die Behandlung beim Post-Covid-Syndrom so ähnlich aus wie die Behandlung des akuten Infektes.

Will man nur mit Kapseln arbeiten, sollte man beherzt 1000 mg Vitamin in gepufferter Form (etwa P.E. Vitamin C gepuffert Kapseln oder Calciumascorbat aktiv Kapseln der Klösterl-Apotheke München) täglich zu sich nehmen und nicht zu früh damit aufhören. Das Gleiche gilt für das Vitamin B5 (siehe oben). In dieser Phase ist auch eine gesunde Darmflora wichtig. Unterstützen Sie die Darmbakterien durch bittere Tees und Tinkturen oder durch Probiotika.

Die Lunge ist nach Vireninfektionen häufig stark angegriffen. Das hängt damit zusammen, dass die Viren den Feuchtigkeitsfilm zerstören, der die Lungenbläschen auskleidet, wodurch das Atmen schwerer fällt. Dieser „lung fluid“ enthält das antientzündlich wirkende, schwefelhaltige, Gluthation (G-SH), weshalb schwefelhaltige Lebensmittel wie Eier, Knoblauch, Lauch und Schnittlauch auf den Speiseplan gehören. Zur noch besseren Unterstützung dienen aber auch zwei rezeptfreie Medikamente, welche die G-SH-Produktion anregen, nämlich ACC akut (eine körpereigene Aminosäure) und MSM (Methylsulfonylmethan), ein organisch gebundener Schwefel. Es genügen anfangs 1 bis 2 Brausetabletten ACC akut sowie 500 bis 1000 Milligramm MSM pro Woche, eine Dosis, die dann langsam reduziert werden kann.

Auch eine systematische Atemgymnastik ist unerlässlich, um eine angegriffene Lunge wieder zu regenerieren. Wichtig ist dabei die Bauchatmung, denn die Lunge ist pyramidenförmig aufgebaut und weitet sich vor allem nach unten. Je tiefer auch über die Flanken, den Rücken in Richtung Zwerchfell eingeatmet wird, desto besser. Das lässt sich leicht kontrollieren, in dem man die Hand auf den Bauch legt. Geht der Bauch nach Draußen ist es ein richtiges Einatmen, geht er nach Innen ist es ein richtiges Ausatmen. Das ist eine auch von Kliniken empfohlene Technik, um die Lunge zu weiten und zu regenerieren.

Ebenfalls ist eine leichte Gymnastik zu Hause ein wichtiger Baustein, um sich wieder zu kräftigen, denn Bewegung hilft uns, entzündliche Prozesse zu rebalancieren. Die moderate Bewegung löst im Körper einen antientzündlichen Impuls aus – eine urgesunde Wirkung, die vergleichbar ist mit starken Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac.

Fünf einfache Übungen, die täglich rund 20 Minuten dauern, empfiehlt Dr. Siegfried Schlett. Ausgangslage ist dabei immer, entspannt auf dem Rücken zu liegen:
  • Himmelhoch: Beine anwinkeln, ein Bein zur Decke so weit es geht. Dann die Ferse zur Decke, Zehen vorne runter auf Ausatmen. Dann den Fuß wechseln.
  • Kreisverkehr: Beide Beine zur Decke richten – und dann nach Innen und nach Außen kreisen. Zur Unterstützung können die Hände in den Kniekehlen mit halten.
  • Brückenbauen: Beine anwinkeln, das Becken heben, eine Brücke bilden. Dann wieder senken und heben und zwischen 20 und 40 Mal wiederholen.
  • Beckendehnen: Beide Beine anwinkeln und nach links, dann nach rechts ablegen. Dann den oberen Fuß, das obere Bein dehnen.
  • Aufrichten: Den Oberkörper heben und wieder senken, Hände im Nacken verschränken, was gut für die Bauchmuskeln ist.

Frische Luft ist unverzichtbar, um langfristig wieder Kraft aufzubauen. Aber: Überfordern Sie sich nicht! Gerade wenn die Beschwerden schon länger andauern, möchte jeder mal zeigen, wie gut er wieder ist. Nicht zuviel am Anfang leisten wollen! Empfehlenswert sind deshalb kleine Spaziergänge von fünf bis zehn Minuten, deren Dauer sukzessive gesteigert werden sollte. Aber es muss „immer angenehm bleiben“, so Dr. Schlett.

Allerdings kann es durchaus Wochen dauern, bis die letzten Reste der nachglühenden Entzündung aus dem Körper verschwunden sind. „Werden Sie nicht ungeduldig, bleiben Sie aber dran“, so der Rat des erfahrenen Mediziners.


von Hans Lauber
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