Die Platzierung von Lebensmitteln in Kantine und Mensa beeinflusst unser Essverhalten. Dies machten sich Hamburger Forschende zunutze: Sie rückten Obst, Gemüse und Salat ins Blickfeld der Besucher und erhöhten so den Absatz gesunder Lebensmittel. Dahinter steht ein Begriff aus der Psychologie: ‚Nudging‘ – kleine Stupser regen die Menschen zu guten Entscheidungen an.

Millionen von Menschen essen jeden Tag in einer Kantine, Mensa oder Kindertagesstätte. Damit haben diese Einrichtungen großen Einfluss auf unser Ernährungsverhalten. Gute Vorsätze, sich gesünder zu ernähren, sind schnell dahin, wenn in der Kantine direkt die Currywurst in den Blick gerät und an der Kasse das Süßigkeitenregal lockt.

Seit einiger Zeit haben Ernährungswissenschaftler einen Begriff aus der Verhaltenspsychologie für sich entdeckt: Nudging – das englische Wort für Anstupsen. Die Theorie dahinter besagt, dass Menschen Entscheidungen häufig nicht rational treffen, sondern durch ihre Umgebung beeinflusst werden. Durch Entscheidungserleichterungen oder spielerische Ansätze können Menschen dazu gebracht werden, ihr Verhalten zu ändern. Wichtig ist dabei, keinen Zwang auszuüben – es bleibt jederzeit die Möglichkeit, sich frei zu entscheiden.

Obst und Gemüse im Blick der hungrigen Gäste

Ein Wissenschaftlerteam aus Hamburg untersuchte, ob und wie Kantinengäste zu einer gesünderen Auswahl ihres Essens gebracht werden können. Mit Maßnahmen wie den folgenden stupsten sie die Menschen hin zu gesünderen Alternativen:

  • Gesunde Speisen stehen ganz oben auf dem Speiseplan
  • Gesunde Gerichte stehen in der ersten Ausgabetheke
  • Salate werden am Eingang der Kantine angeboten
  • Gesunde Getränke wie Wasser und frische Säfte werden in Sichthöhe platziert
  • Auf Augenhöhe befinden sich dekorative Körbe mit frischen Früchten

Diese einfachen Veränderungen erwiesen sich als durchaus effektiv: Der Verkauf der gesunden Lebensmittel ließ sich dadurch steigern. Sinnvoll sei es, vegetarische Gerichte besonders zu bewerben und Salat als feste Beilage bei Tellergerichten anzubieten, so die Forschenden.

Für die Gastronomiebetriebe sei der Aufwand gering und verursache keine Kosten. So plant die Arbeitsgruppe bereits weitere Projekte, sowie die Erstellung eines Leitfadens für Betriebe mit Gemeinschaftsverpflegung. Für die Ergebnisse interessiert sich auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Nach deren Meinung liegen im deutschsprachigen Raum noch zu wenige Forschungsergebnisse zu dem vielversprechenden Ansatz von Nudging im Bereich Gemeinschaftsverpflegung vor.


Quelle: Diabetesinformationsdienst München