Das Echt Essen-Gasthaus im November: Das Traditionsbistro „Matt the Thresher“ in der irischen Hauptstadt überzeugt mit sehr frischem Fisch und herzlicher Gastlichkeit.

Dublin ist lebenslustig. Wer an einem Samstag Abend durch die szenigen Quartiere „Temple Bar“ und die Fußgängerzonen um die Grafton Street bummelt, wähnt sich in Italien: Gut gekleidete, vornehmlich junge Leute flanieren durch die Straßen, bestaunen die Auslagen der Luxusgeschäfte, erfreuen sich an den professionellen Darbietungen der vielen Straßenmusiker. Auffallend ist die hohe Dichte an High Heels, und dass alle gut drauf sind.

Frisches im „Catch 22“: Fisch, Kräuter, Salat

Bestens besucht sind die zahlreichen Bars, Restaurants und urigen Pubs, wie etwa das „O´Neill´s“, wo das bittersüße Guinness besonders gut schmeckt – wie überhaupt dieses einzigartige Bier in Dublin viel besser mundet als bei uns. „Catch 22“ heißt ein quirliges Gasthaus, wo wir zu vernünftigen Preisen frischen Fisch genießen, etwa geräucherter Haddock, also Schellfisch, auf einem Avocado-Gurken-Tomaten-Salat.

Einladend: „Matt the Thresher“

Gediegener, aber ohne jede Steifheit geht es im Traditionsbistro „Matt the Thresher“ zu, dessen Name auf eine Figur in einem irischen Roman zurückgeht. Hell und aufgeräumt sind die lange Bar und die miteinander verbundenen Räume, wo wir am Sonntag Mittag einen prächtigen Platz direkt am Fenster bekommen, mit Blick auf das gegenüberliegende „FX Buckley Steakhouse“, das schon bei James Joyce erwähnt wurde. John heißt unser Waiter, der höchste Professionalität mit höchster Liebenswürdigkeit paart.

Kulinarische Dreifaltigkeit: Wein, Wasser und Brot

Ungewohnt, verglichen mit deutschen Großstädten: Viele Geschäfte und fast alle Restaurants sind am Sonntag geöffnet. Schnell füllt sich auch das „Matt“, das gerne mit den Besuchen berühmter Gäste, wie etwa Michele Obama, wirbt. Aber an diesem Tag sind wir wohl die einzigen Touris an diesem aufgeräumten Ort, wo mal richtig authentische Musik der 1970er-Jahre läuft von „Hotel California“ bis zu „Roll over Beethoven“. Flott kommt das wohl schmeckende „Tipperary“-Mineralwasser auf den Tisch sowie fein-salzige irische Butter und ein kräftiges selbst gebackenes Brot, dessen Zutaten mich interessieren. Kurz nach meiner Frage kommt John aus der Küche zurück – und schreibt auf, was drin ist: Mehl, Senfblüten, Eigelb, Backtriebmittel, Basilikum und Treacle, also Sirup, woher die Süße rührt.

Eine kulinarische Offenbarung: Crab Claws

Feinwürzig und mineralisch schmeckt der 2017er Grüner Veltliner „Terrassen“ vom Weingut Huber mit schlanken 12,5 Prozent Alkohol für 39 Euro. Auf Fisch und Meeresfrüchte hat sich das Traditionsrestaurant spezialisiert – und so wird täglich das aktuelle Angebot auf einer Schiefertafel notiert. Fast immer auf der Karte steht „Crab Claws“, die Klauen einer Großkrabbe, die ich schon am Abend davor mit großer Begeisterung im „Catch 22“ gegessen habe. Dort wurden diese ungemein saftig-fleischigen, fast schon an Hummer gemahnenden Stücke in einer scharf-rassigen Sauce serviert, während sie im „Matt“ in einem intensiven, Safran-gewürzten Sud schwimmen – phantastisch! Aber auch nicht ganz billig: 29 Euro kostet hier die Delikatesse, rund zehn Euro mehr als im „Catch 22“.

Stimulieren Lust und Potenz: Frische Austern

Irland ist berühmt für seine Austern – und ich habe auf der Insel oft sehr gute gegessen. Aber die Oysters im „Matt“ sind noch einmal eine Klasse für sich: Absolut frisch und von einer umwerfenden Mineralität. Es schmeckt, als wäre das ganze Meer in eine Austernschale konzentriert. Wobei mir zwei Sorten serviert werden, wovon die drei linken, nämlich die Galways, noch einen Hauch intensiver daher kommen. Sie mögen keine Austern? Schade, damit entgeht Ihnen höchstwertiges Eiweiß und vor allem Zink, das eine entscheidende Rolle bei der Regelung des Blutzuckers spielt. Ach, ja, das Spurenelement spielt auch eine wichtige Rolle für die weibliche Lust und die männliche Potenz.

Zwei Vinaigrettes gehören zu den Austern – eine mit Rotwein und Schalotten sowie eine asiatisch inspirierte, deren Zusammensetzung mir John natürlich bereitwillig erklärt: Soja, Ingwer, Koriander, Knoblauch und Chilli. Beide schmecken hinreißend, würden aber den großartigen Eigengeschmack der Austern übertünchen – weshalb ich die Vinaigrettes genüsslich hinterher separat löffle.

Herzhilfe kulinarisch veredelt: Makrele

Von den „Specials of the day“ auf der Schiefertafel bestellen wir „Mackerel“, also Makrele für 17,95 Euro und „Plaice“, eine Scholle für 18,95 Euro. Eine wahre Fettbombe ist die Makrele – und noch vor einigen Jahren wurde von wetterwenderischen, so genannten Ernährungsexperten alles Fette als Teufelszeug gebrandmarkt. Doch das hat sich inzwischen gottseidank gedreht und heute werden die herzhelfenden gesunden Omega-3-Fette der Makrele in höchsten ernährungsphysiologischen Tönen gelobt. Auch ich stimme gerne in diesen Chor ein, könnte mir die Makrele aber auch weniger scharf gebraten vorstellen – etwa gegrillt oder konfiert, wie es Markus Gruler in seiner „Seehalde“ am Bodensee meisterhaft gelingt.

Sehr gut gefallen mir die frischen Beilagen, Tomaten- und Zwiebelwürfel und vor allem die knackig-schmackige Erbsensprosse. Fein die Karottensauce und der bissfeste, sanft bebutterte Brokkoli, den zerstoßene Nüsse zieren. Ein Gedicht ist auch die gebratene Scholle mit herrlich frischen Erbsen und knusprigen Kapern – und beide Gerichte werden mit Kartoffeln serviert, die löblicherweise noch in ihrer Schale stecken, was den Geschmack steigert und die Vitamine schützt.

Fazit: In zwangloser und gastfreundlicher Atmosphäre werden hier superfrische Meeresfrüchte serviert, wobei die Fische durch etwas mehr kulinarische Leichtigkeit noch gewinnen könnten.

„Matt the Thresher“


Adresse: 31-32 Lower Pembroke Street, Dublin 2.

Öffnungszeiten: TÄGLICH ab 12 Uhr (Sonntag 12 Uhr 30) durchgehend geöffnet.

Kontakt: 00353 1 676 2980, www.mattthethresher.ie

Viktorianisches Boutique-Hotel: Butlers Townhouse

Zwei Tipps: Dublin zählt zu den teuersten Städten Europas – und vor allem die Hauspreise und Mieten sind in der Innenstadt höher als in Deutschland. Das wirkt sich auch auf die Hotels aus, wo Zimmerpreise um die 300 Euro als normal gelten. Eine gute Wahl ist deshalb „Butlers Townhouse“, ein viktorianisches Boutique-Hotel mit 20 liebevoll gestalteten Zimmern, die um die 200 Euro kosten. Vom Hotel in der viel befahrenen Landsdowne Road sind die von mir genannten Restaurants in rund einer halben Stunde zu Fuß erreichbar, wobei es sich empfiehlt durch die beiden schönen Parks „Merrion Square 1752“ und vor allem „St. Stephen´s Green 1663“ zu bummeln.

„Mein irisches Tagebuch“ heißt ein literarisches Meisterwerk des Kölner Schriftstellers Ralph Giordano. Es schildert mit Inbrunst das Schicksal und die wilde Schönheit dieser von den Engländern bis heute gegängelten grünen Insel – und es zeigt im Kapitel über Dublin, wie dort schon immer eine rücksichtslose Bauspekulation wertvolle alte Bausubstanz vernichtete und vernichtet. Trotzdem: Der herzerfrischende Charakter der Iren und der raue Charme von Dublin machen einen Besuch immer wieder zum lohnenden Erlebnis.

Echt Essen Spezial: „Koch des Jahres“


„Söl'ring Hof“: Spitzenküche goes Heimat und Gesundheit
Mit Spannung wird immer wieder erwartet, wer im renommierten Gastroführer „Gault Millau“ Koch des Jahres wird. Ein Glücksfall ist die Wahl in diesem Jahr. Denn ausgezeichnet werden die beiden Köche Jan-Philipp Berner und Johannes King, die im Sölr´inghof auf Sylt das Zepter in der Küche führen. Ein Glücksfall ist die Wahl deshalb, weil dieses 2-Sterne-Restaurant kein steifer Gourmettempel mit abgehobenen Luxusprodukten ist, sondern hier werden im wesentlichen Produkte aus und um die Insel verarbeitet, angefangen von heimischen Kräutern, Gemüsen, wilden Früchten bis hin zu Fisch und Fleisch.

Sicher, das Restaurant ist weiß Gott nicht preisgünstig. Aber wer dort isst, kann schmecken, welche kulinarischen Schätze scheinbar einfache Produkte wie Heckenrosenblätter bergen. Und: Diese Genussküche ist auch eine Gesundküche, wie ich es bereits im August 2016 ausführlich beschrieben habe. Denn dort habe ich gezeigt, wie am Morgen frisch geschnittene Kräuter aus dem eigenen Garten und dem einzigartigen Wattenmeer abends auf dem Teller zu finden sind, mehr gesunde Vitalität geht nicht.

Übrigens war 2017 der „Koch des Jahres“ Andreas Krolik vom Frankfurter „Lafleur“, dessen phänomenale Gemüseküche ich im Januar desselben Jahres vorgestellt habe. Es lohnt sich also, meinen Blog „Echt Essen“ zu lesen, verbindet er doch auf einzigartige Weise Geschmack und Gesundheit.

Heimatküche auf raffiniertestem Niveau: Söl´ringhof


ECHT ESSENheißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.



von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de


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