Wer kennt es nicht: Juckreiz unter einem Pflaster oder brennende, rote Haut, nachdem ein Pflaster entfernt wurde. Das ist insbesondere dann ein Problem, wenn Pflaster ständig getragen werden müssen. Warum reagiert die Haut auf die Pflaster von Sensoren und Insulinpumpe? Und was hilft?

Die neuen Technologien der Diabetestherapie erleichtern Kindern und Eltern den Alltag sehr, jedoch haben viele Nutzer unangenehme Hautreaktionen unter den Sensor- und Pumpenpflastern. Manche leiden so sehr darunter, dass sie ihr System nicht mehr nutzen können. In den letzten zwei Jahren wurden einige neue Erkenntnisse darüber gesammelt, was die Hautreaktionen auslöst und wie sie beherrscht werden können.

Die Gründe für Rötung und Juckreiz

Während die Katheter von herkömmlichen Insulinpumpen und Patchpumpen nur bis zu drei Tage lang an einer Stelle am unteren Rumpf getragen werden, kleben Sensoren von CGM-Systemen inzwischen 10 Tage (Dexcom G6) bis 14 Tage (FreeStyle Libre) an einer Hautstelle. Diese immer längere Abdeckung der Haut (Okklusion) spielt sicher eine große Rolle bei der Entstehung von Hautreaktionen.

Bestimmt kann auch eine individuelle Prädisposition dazu führen, eine Hautreaktion zu entwickeln. Denkbar ist, dass Menschen mit trockener, rissiger Haut eher zu Irritationen durch Pflaster neigen als Menschen mit intakter Hautbarriere. Laut einer aktuellen skandinavischen Studie haben Patienten mit Allergien vom Typ 1 (z. B. Heuschnupfen) jedoch kein erhöhtes Risiko für Hautreaktionen sowie Kontaktallergien auf Pflaster.

Acrylate als Auslöser einer Allergie

Bisher haben die Hersteller insbesondere Wert darauf gelegt, dass die Geräte gut kleben und sich nicht vorzeitig lösen. Klebstoffe können jedoch irritativ und allergisch wirken. Insbesondere gab es eine Flut von berichteten Hautreaktionen nach Zulassung des FreeStyle Libre. Hier konnte ein bestimmtes Acrylat als hauptverantwortliches Allergen identifiziert werden.

Dieses Acrylat befindet sich jedoch nicht im Pflaster, sondern vermutlich im Bereich der Unterseite des Sensors; es dient hier als Beschichtung oder Verklebung. Isobornylacrylat (IBOA) konnte schließlich auch in der Patchpumpe Omnipod gefunden werden. Das erklärt auch, warum manche Patienten mit „FreeStyle Libre-Allergie“ nachfolgend ihre Patchpumpe nicht mehr tragen konnten.

Ebenfalls enthalten ist dieses hochpotente Allergen im Enlite und seinem Pflaster. Dagegen konnte es im Dexcom G5 und G6 sowie in den Komponenten des implantierbaren Sensors Eversense nicht gefunden worden.

Natürlich gibt es weitere Substanzen, insbesondere weitere Acrylate, die in Pflastern und Plastik enthalten sein können. Leider ist es kaum möglich, Näheres über die Zusammensetzungen zu erfahren. Das liegt zum einen am Patentschutzrecht, zum anderen an chemischen Reaktionen. Das heißt, durch Hitze, Schwitzen, Abreibung können aus manchen Acrylaten neue entstehen.

Eine Acrylatallergie führt leider häufig dazu, dass aufgrund von einer Kreuzreaktion auch andere Acrylate in anderen Pflastern oder Plastikmaterialien nicht mehr toleriert werden.

Was ist eine allergische Kontaktdermatitis?

Eine allergische Kontaktdermatitis (allergisches Kontaktekzem, Kontaktallergie) auf Sensoren oder Pumpen wird also derzeit insbesondere durch IBOA ausgelöst. Glücklicherweise ist sie eher selten, vermutlich sind nur wenige Prozent der Anwender betroffen. Da es sich um eine Typ-4-Allergie handelt, dauert es oft länger, bis der Körper nach dem allerersten Kontakt sensibilisiert ist.

Daher vertragen manche Nutzer z. B. den Sensor oder das Pflaster über längere Zeit – oft Monate -, gut, bis die ersten Symptome auftreten. Wer jedoch erst einmal sensibilisiert ist, wird bei erneutem Kontakt immer wieder reagieren. Die Symptome sind sehr stark und beginnen binnen 24 bis 48 Stunden mit Juckreiz, starker Rötung, manchmal auch mit Bläschen und Nässen (s. Abb. 1).

Unterschiede zwischen irritativer und allergischer Kontaktdermatitis

Eine irritative Kontaktdermatitis (Irritationsdermatitis, Irritation) kommt im Vergleich zur allergischen Kontaktdermatitis häufig vor. Fast jeder Patient, der oft Pflaster nehmen muss, hat Erfahrung mit gelegentlich irritierter Haut, 50 bis 70 % der Kinder, die in ihrer Diabetestherapie entsprechende Geräte nutzen, leiden immer wieder an Hautproblemen.

Eine Irritation ist nicht gleichzusetzen mit einer Kontaktallergie und tritt nicht bei jedem Bekleben und nicht in gleicher Intensität bzw. in ansteigender Intensität auf. Unter dem Pflaster ist ebenfalls eine Rötung und etwas schuppige, rissige Haut zu sehen (s. Abb.2), meist weniger ausgeprägt als bei einer echten Kontaktallergie. Symptome einer Irritation können auch erst wenige Sekunden oder Minuten nach dem Pflasterabriss auftreten.

Abb 1.: Bläschen, wie sie durch eine allergische Kontaktdermatitis entstehen. Abb. 2.: Irritative Kontaktdermatitis (auch: Irritationsdermatitis, Irritation).

Ursache für eine Irritation ist vor allem eine lange Klebezeit. Unter dem Pflaster bilden sich Wärme und Feuchtigkeit, folglich wird die Hautbarriere geschädigt. Haut, die vor dem Bekleben bereits empfindlich ist, sollte nicht beklebt werden. Zwar darf mit den Sensoren ins Wasser gegangen werden, die Erfahrung zeigt aber, dass die Haut mehr gereizt wird, wenn ein feuchtes Pflaster auf ihr klebt.

Es ist nicht immer einfach, eine reine Irritation von einer echten, folgenschwereren Kontaktallergie zu unterscheiden. Es empfiehlt sich, nach erstmaligem Auftreten einer Reaktion das System noch mehrmals zu versuchen (solange es die Symptome zulassen), um Aufschluss darüber zu bekommen, ob es sich eher um eine irritative Reaktion handelt oder ob tatsächlich eine Allergie vorliegen könnte.

Wie kann eine Kontaktallergie nachgewiesen werden?

Eine Kontaktallergie kann grundsätzlich durch einen Epikutantest beim Hautarzt nachgewiesen werden. Dabei werden verdächtige Stoffe für zwei Tage auf den Rücken geklebt; die Reaktion wird am zweiten und dritten Tag abgelesen, manchmal auch noch später. Zur Testung empfiehlt es sich, sich an die Allergieabteilung einer Uni-Klinik zu wenden und vorab zu klären, ob die Substanzen wie Acrylate, insbesondere IBOA, vorhanden sind.

Gute Hautpflege ist wichtig

Insgesamt ist es wichtig, die Hautbarriere zu stärken, denn eine intakte Hautbarriere toleriert eine längere Okklusion durch Pflaster besser. Nach dem Abnehmen eines Sensors oder Pumpenpflasters sollte die Haut eingecremt werden, z. B. mit Wund- und Heilsalben oder mit Pflegecremes, die auch bei Neurodermitis geeignet sind.

Natürlich müssen die Klebestellen immer gewechselt werden, und vor dem Anbringen des Sensors/der Pumpe muss die Haut darunter trocken sein. Ist die Haut stärker gerötet und juckt – wie bei einer stärkeren Irritation oder auch Kontaktallergie – sollte nach der Entfernung des Pflasters über ein paar Tage je nach Befund zweimal täglich eine kortisonhaltige Creme aufgetragen werden.

Patienten, die sehr empfindlich auf das Abreißen eines Pflasters reagieren, sollten Pflasterlöser anwenden. Das gilt insbesondere für die stark klebenden, durchsichtigen Duschpflaster. Diese Pflaster müssen spätestens am Abend abgenommen werden, weil sonst darunter ein sehr starkes okklusives Milieu entsteht.

Manche Patienten kleben ihre Sensoren vor dem Baden/Duschen mit Kinesiotapes ab, aber auch die enthalten oft Acrylate und sind deshalb nicht geeignet für Patienten mit eine Neigung zu Kontaktallergien. Tatsächlich macht es aber trotzdem Sinn, Geräte mit größeren Klebeflächen vor dem Duschen/Baden abzukleben, denn Duschgelreste und Feuchtigkeit im Pflaster schüren eine Irritation.

Regelmäßig werden Hautschutzsprays wie Cavilon Spray empfohlen. Häufig sind diese Schutzsprays aber auch auf Acrylatbasis hergestellt und können irritativ wirken. Insgesamt raten wir allergologisch gesehen eher davon ab. Eine Allergie kann es nicht abhalten, die Stärkung der Hautbarriere kann außerdem maximal für bis zu 72 Stunden erfolgen.

Werden diese Empfehlungen konsequent beachtet, kann eine Irritation meist verhindert bzw. verbessert werden.

Unterschutzpflaster zwischen Sensor und Haut

Besteht eine echte Kontaktallergie oder sehr starke Irritationen, helfen die genannten Maßnahmen nicht mehr viel. Hier kommt es natürlich auch darauf an, welches System man benutzt bzw. ob der Stoff eher aus dem Pflaster kommt oder aus dem Gehäuse (Patchpumpe, FreeStyle Libre). Patienten mit einer Schlauchpumpe können auf andere, kompatiblere Katheter wechseln, die evtl. mit einem anderen Pflaster befestigt sind.

Außerdem kann das Pflaster vorsichtig abgezogen werden und die Katheternadel dann z. B. stattdessen mit einem hautfreundlichen Silikonpflaster befestigt werden. Jedoch halten diese Maßnahmen oft nicht so gut.

Derzeit gibt es begrenzte Möglichkeiten, Sensoren oder die Pumpe trotz Allergie weiter zu nutzen, und zwar mittels eines Unterpflasters oder Schutzpflasters, das zwischen Gerät und Haut appliziert wird. Das Pflaster sollte verschiedene Anforderungen erfüllen: Es darf nicht durchlässig und muss frei von Acrylat sein.

Bewährt haben sich bei einigen Patienten Schutzpflaster auf Hydrokolloidbasis und/oder Silikonbasis, z. B. Hansaplast Blasenpflaster (s. Abb. 3), BSN Cutimed Hydro B oder Stomapflaster (z. B. Stomahesive). Je nach Größe des Sensors oder der Pumpe ist es notwendig, die Pflaster überlappend einzusetzen wie beim Hansaplast Blasenpflaster. Mittels eines Gürtellochers wird ein Loch gestanzt, durch das der Messfühler des Sensors „durchgeschossen“ wird.

Abb. 3.: Für den Messfühler wird in das Unterschutzpflaster ein Loch gestanzt.

Diese Konstruktionen ermöglichen es, den Freestyle Libre und/oder die Patchpumpe Omnipod auch bei einer ausgeprägten Allergie weiter zu nutzen.

Hierbei handelt es sich um Notlösungen, denn leichtere Reaktionen insbesondere an der Katheterstelle können bei manchen Patienten trotzdem auftreten, außerdem halten die Konstruktionen mit dem Schutzpflaster nicht immer so fest. Manche Patienten behelfen sich mit den Pflastern von Eversense, denn diese sind auf Silikonbasis und sehr dünn. Ob sie jedoch eine Allergie über bis zu 14 Tage abhalten können, ist fraglich.

Natürlich kann mit der Zeit auch eine Kontaktallergie auf andere Inhaltsstoffe bzw. Acrylate entstehen, wenn die Geräte über Jahre getragen werden. Um Irritationen und Kontaktallergien so gut wie möglich zu verhindern, wäre ein Verzicht auf IBOA und Acrylatkleber in den Pflastern und Gehäusen von Sensoren und Pumpen durch die Hersteller wichtig.

Die Zusammenarbeit von uns allen – Allergologen, Betroffenen, Diabetesberatern, Diabetologen und Herstellern – trägt dazu bei, mögliche potente Kontaktallergene zu erkennen. Reaktionen auf die Pflaster müssen grundsätzlich immer bei den Herstellern und bestenfalls auch durch den Arzt bei der Arzneimittelbehörde gemeldet werden.


von Dr. Stefanie Kamann
Hautärztin und Allergologin,
Privatpraxis für Dermatologie,
Seewiesstraße 1, 82340 Feldafing,
E-Mail: info@dermatologie-feldafing.de


Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2019; 11 (4) Seite 10-12