Innerhalb des ersten Jahres nach Diagnose und dann regelmäßig alle zwei Jahre sollten bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes die Blutfettwerte kontrolliert werden. Warum ist das so wichtig? Und was kann bei zu hohen Werten passieren?

Regelmäßig fordert der Diabetologe zu diversen Vorsorgeuntersuchungen auf. Dann sollen nicht nur die Augen und der Urin untersucht werden, auch eine Blutuntersuchung findet statt. Und wichtiges Augenmerk legt der Arzt dann auf die Werte von Cholesterin und Triglyzeriden. Aber was bedeuten diese Werte?

Was sind Blutfette – und was sind ihre Aufgaben?

Ebenso wie Zucker (Kohlenhydrate), Eiweiß (Protein) und Wasser sind auch die Fette (Lipide) ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Körpers. Sie bilden nicht nur die Energiereserve des Körpers, sie sind auch Baustein jeder einzelnen Zelle. Sie sind nötig zum Transport von lebenswichtigen Vitaminen, und aus ihnen werden wichtige Hormone hergestellt.

Der Mensch nimmt das Fett mit der Nahrung auf, kann aber vor allem Triglyzeride und Cholesterin auch selbst bilden. Die Regulierung der Blutfette erfolgt durch Gene und Hormone. Und hier kann es zu Erkrankungen kommen, zu sogenannten Fettstoffwechselstörungen.

Bei der Vorsorgeuntersuchung werden in der Regel die Triglyzeride und das Gesamt-Cholesterin bestimmt. Im Labor besteht die Möglichkeit, das Cholesterin weiter einzuordnen: Da die Fette nicht wasserlöslich sind, kann ein Transport im Blut nur erfolgen, wenn sie an wasserlösliche Proteine gebunden werden. Die so entstehenden Komplexe heißen Lipoproteine.

Unterteilung der Lipoproteine nach unterschiedlicher Dichte

Lipoproteine weisen durch unterschiedliche Zusammensetzung eine unterschiedliche Dichte auf. So können die Lipoproteine weiter unterteilt werden. Es gibt sehr leichte Lipoproteine (englisch: Very Low Density Lipoprotein, abgekürzt: VLDL), die vor allem Triglyzeride enthalten.

Diejenigen Lipoproteine, die vor allem Cholesterin enthalten, haben eine geringere Dichte (im Englischen: Low Density Lipoprotein, abgekürzt: LDL). Dieses LDL-Cholesterin ist in der Lage, das enthaltene Cholesterin an die Körperzellen abzugeben.

Die Lipoproteine mit hoher Dichte (englisch: High Density Lipoprotein) werden HDL-Cholesterin genannt. Sie können unter anderem Cholesterin aus sogenannten Fresszellen aufnehmen und zur Leber transportieren. In der Leber wird das Cholesterin weiter verwertet oder ausgeschieden.

Welche Werte sind normal?

In der Regel werden die Triglyzeride und das Gesamt-Cholesterin bei Vorsorgeuntersuchungen bestimmt. Die Normalwerte sind nicht nur abhängig vom Alter des Untersuchten und eventuell der Tageszeit der Blutabnahme, sondern auch von der Untersuchungsmethode, die das Labor anwendet. Deswegen gelten die in diesem Artikel genannten Werte nur als Orientierung, Sie sollten die Untersuchungsergebnisse immer mit dem Arzt Ihres Kindes besprechen.

Triglyzeride liegen bei Jugendlichen idealerweise unter 120mg/dl (1,36 mmol/l). Beim Cholesterin ist ein Wert kleiner als 175 mg/dl (4,5 mmol/l) normal, liegt der Wert zwischen 175 und 200 mg/dl (4,5-5,2 mmol/l), ist eine Kontrolle empfohlen, und bei Werten über 200 mg/dl (5,2 mmol/l) sollte der Arzt zusätzlich das gute HDL- und das ungünstige LDL-Cholesterin bestimmen.

Warum ist eine Fettstoffwechselstörung gefährlich?

Wenn das Gleichgewicht der Aufnahme von Fetten mit der Nahrung, der Eigenproduktion, Aufnahme in die Körperzellen und der Ausscheidung über die Galle gestört ist, kann es zu einer Erhöhung der Blutfettwerte kommen (Hyperlipidämie) oder zu einem Missverhältnis zwischen den einzelnen Lipiden (Dyslipidämie).

Durch ein zu hohes LDL-Cholesterin oder ein zu niedriges HDL-Cholesterin kommt es zu einer Ablagerung von überschüssigem Cholesterin in den Wänden der Blutgefäße. Diese verlieren dadurch auf Dauer an Elastizität und werden enger, es entsteht Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Das kann zu einer Verschlechterung der Nährstoffversorgung für die Organe führen, die hinter der Verengung liegen. So können diese Organe geschwächt werden.

Geschieht dies an den kleinen, feinen Herzkranzgefäßen, kann eine Verengung, die bis dahin zu keinen Anzeichen geführt hat, irgendwann zu einem kompletten Verschluss des Blutgefäßes führen und einen Herzinfarkt verursachen.

Was hat das mit dem Diabetes zu tun?

Auch Insulin ist ein Hormon, das den Fettstoffwechsel beeinflusst. Insulin hemmt die Freisetzung von Fettsäuren aus den Fettzellen. Fehlt Insulin (beim Typ-1-Diabetes) oder ist seine Wirkung abgeschwächt (beim Typ-2-Diabetes), fehlt seine Hemmung der Fettzelle und es werden vermehrt Fettsäuren freigesetzt, aus denen Triglyzeride gebildet werden. Damit erhöht ein Diabetes das Risiko für Fettstoffwechselstörungen.

Fettstoffwechselstörungen wiederum bergen ein großes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, also Krankheiten, die als Folge von Arteriosklerose entstehen. Das bedeutet, dass es im Vergleich zu gesunden Menschen bei Menschen mit einer Fettstoffwechselstörung bereits im mittleren Erwachsenenalter zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall kommen kann. Auch ein Diabetes mellitus ist ein sogenannter kardiovaskulärer Risikofaktor. Kommen beide Erkrankungen zusammen vor, potenziert sich das Risiko.

Als weitere Risikofaktoren, die möglichst vermieden werden sollten, sind Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen zu nennen.

Wie kann bei Kindern vorgebeugt werden?

Man weiß, dass Veränderungen an den Blutgefäßen bereits im Kindesalter entstehen können, ohne dass dies zu spürbaren Beeinträchtigungen führt. Daher ist es wichtig, bereits in diesem Alter die Blutfette zu untersuchen, vor allem dann, wenn es in der Familie bereits Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall gab. Denn wenn man eine Cholesterinerhöhung rechtzeitig entdeckt, kann man sie auch gut behandeln.

Welche Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern und Jugendlichen nötig sind, können Sie z. B. in der Praxisleitlinie auf www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de nachlesen.

Wichtigste Therapiemaßnahmen sind eine abwechslungsreiche, gesunde Ernährung und viel Bewegung. Da sollten Sie als Eltern mit gutem Beispiel vorangehen. Ebenso wichtig ist die Verbesserung der Insulintherapie. Bei der Ernährung sollte auf magere, fettarme Produkte geachtet werden, pflanzliche Fette sollten bevorzugt und es sollte ballaststoffreich gegessen werden. Außerdem hat Bewegung – nicht nur in Form von regelmäßigem Sport, sondern auch im Alltag, zum Beispiel durch Vermeiden von Rolltreppen – einen sehr guten Einfluss auf den Fettstoffwechsel.

Wenn eine Fettstoffwechselstörung rechtzeitig erkannt wird und durch eine gesunde Lebensweise und gegebenenfalls später mit Medikamenten behandelt wird, können mit großer Wahrscheinlichkeit Folgeerkrankungen vermieden werden.

Fazit

Fette (Lipide) übernehmen im Körper wichtige Aufgaben (z. B. Transport von Vitaminen). Ist aber der Fettstoffwechsel gestört, kann dies das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Das Hormon Insulin ist am Fettstoffwechsel beteiligt – es hemmt die Freisetzung von Fettsäuren aus den Fettzellen. Fehlt Insulin – wie bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes – werden deshalb vermehrt Fettsäuren freigesetzt und das Risiko für Fettstoffwechselstörungen und damit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall werden erhöht.

Deshalb ist es schon bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes wichtig, regelmäßig die Blutfette zu überprüfen. Zum ersten Mal soll das innerhalb eines Jahres nach der Diagnose geschehen, danach all zwei Jahre.


von Dr. med. Kerstin Kapitzke
Oberärztin Pädiatrie III, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin "Auf der Bult",
Janusz-Korczak-Allee 12, 30173 Hannover30173 Hannover
Telefon: 0511 / 8115 - 0 (Zentrale), Telefax: 0511 / 8115 - 1060
E-Mail: kapitzke@hka.de


Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2016; 9 (4) Seite 8-10