Das Echt essen-Gasthaus im September: Das Gasthaus bei Nürnberg verbindet Tradition und Moderne. Eigenes Gemüse und eigene Wurst kreieren eine raffinierte Hausmacherküche.

Die Gastfreundschaft hat einen Namen: „Annette“. So heißt die sympathische Bedienung, die uns den Aufenthalt im „Landgasthof Meier“ im oberpfälzischen Hilzhofen zum unvergesslichen Erlebnis macht. Im schmucken Dirndl zeigt sie uns die alten Stuben mit Hirschgeweih und Kruzfix, aber auch die modernen Gasträume; erlaubt uns einen Blick in die ungemein großzügige und helle Küche mit ihrer großen Fensterfront und dem gemütlichen „Kuchatisch“ am Küchenrand, den bis zu einem Dutzend Gäste reservieren können; führt uns in den lauschigen Biergarten; begleitet uns in die individuell gestalteten Zimmer mit viel heimischem Holz. Es ist eine Architektur, die geschickt Tradition, Moderne und Kunst verbindet – so wie ich es bislang eben so gelungen in der „Krone“ in Hittisau im Bregenzerwald gesehen habe.

Der Geheimtipp der Oberpfalz: „Landgasthof Meier“

Entdeckt habe ich das Juwel im „Genussführer“ von Slow Food, der immer wieder mit Geheimtipps verblüfft. Besonders angezogen hat mich die Beschreibung der eigenen Gemüsebeete. So etwas wird ja gerne behauptet, aber beim Meier habe ich mit eigenen Augen die langen Felder gesehen, habe die großen Kräuterbeete, die essbaren Blumen bewundert. Alles wird in hochwertiger demeter-Qualität von eigenen Gärtnern angebaut. Überhaupt wird hier größter Wert auf heimische, möglichst ökologische Lieferanten gelegt. Etwa 15 Produzenten in einem Umkreis von rund 30 Kilometern sind aufgeführt – und ich bekomme große Lust, einige davon zu besuchen, etwa das Kloster Plankstetten mit seinen Ökoschweinen oder den Hühnerhof Pilhofer mit eigenem Futteranbau.

Vom eigenen Acker frisch auf den Tisch: Mangold

Natürlich hätte es mich gereizt, in einem der alten Wirtsräume zu sitzen – vor allem, weil da noch ein Stammtisch steht, an dem die Einheimischen ihr Bier trinken. So etwas finde ich ganz wichtig, damit es wirklich eine „Wirtschaft“ ist und im kleinen Dorf verwurzelt bleibt – wobei viele der Gäste aus dem nahen Neumarkt, dem weiteren Nürnberg und Regensburg kommen. Selten gelingt dieser Spagat aus „alt“ und „modern“ – aber hier scheint es zu funktionieren. Ganz stark liegt das wohl auch an der klugen Architektur. So ist die elegante Hüzhof-Stube, wo wir essen, mit ihren markanten Fenstern raffiniert wie in der Großstadt – und hebt sich dank dezenter Schlichtheit doch nicht zu stark von den hergebrachten Stuben ab.

© Landgasthof Meier
Behagliches Holz, prächtige Aussichten: Hüzhof-Stube

Leicht verwirrend ist auf den ersten Blick die Speisekarte, weil sie viele Gerichte, wie etwa die Bratwurst, in immer neuen Kombinationen anbietet. Aber das ist alles kein Problem, es gibt ja die Annette. Sie verwöhnt uns erst einmal mit einem glänzend gezapften, saisonalen Craftbier vom Neumarkter Lammsbräu. Eine Brauerei, die in Deutschland das ökologische Bier durchgesetzt hat – und in Hilzhofen schon seit 120 Jahren ausgeschenkt wird. Dann bestellen wir auf ihren Rat die hausgemachte Bratwurst aus der eigenen Wurstküche, die so perfekt gewürzt ist, dass wir am liebsten noch eine verputzen würden. Genial dazu das lauwarme Gemüse aus dem eigenen Garten, wo in einem leicht säuerlichen Sud etwa Gurke, Möhre, Sellerie, rote und gelbe Tomaten knackig gegart sind – gekrönt von topfrischem Salat. Ein Gericht, das seine 10,60 Euro mehr als rechtfertigt.

Bratwurst, wie herrlich kannst du schmecken!

Keine zwei Kilometer vom Landgasthof liegt die Fischzucht am Habsberg, wo im kalten Quellwasser auch unser Bachsaibling geschwommen ist. Die Küche brät ihn, wie es traditionell gemacht wird und ordentlich schmeckt. Wir können uns aber auch vorstellen, dass dieser zarte Fisch konfiert (also niedertemperaturig gegart) noch besser munden würde. Aber das ist eine zu diskutierende Geschmacksache. Keinerlei Diskussionen gibt es über die herausragende Qualität des bissfesten Schwarzkohls aus dem eigenen Garten, der auch auf den eleganten Namen Italienischer Kohl hört. Als kleine Portion kostet das Gericht 19 Euro.

Einen Silvaner trinken wir natürlich in Franken – und einen der besten: Einen trocken-saftigen 2015er vom Paradeweingut Sauer für 28 Euro.

Thront auf knackig-frischem Schwarzkohl: Bachsaibling

In Sorgenfalten liegt das Gesicht von Annette als sie aus der Küche kommt – und uns verkündet: „700 Gramm ist die kleinste Menge für zwei vom Porterhouse-Steak“. Eine gewaltige Menge Fleisch, aber wir geben uns einen Ruck, denken: Ist ja mit Knochen und ordern. Gottseidank ohne Kartoffeln, dafür aber mit wunderbaren Pilzen aus den umgebenden Wäldern, wie etwa Pfifferlinge, Maronen, Parasol und Steinpilze – ein Gedicht.

Ein noch größeres Poem ist das absolut perfekt auf den Medium-Punkt gebratene Fleisch. Es stammt vom gegenüberliegenden Bauern Alois Bircha, der seine Angus- und Galloway-Rinder artgerecht auf der Wiese hält, mit natürlichem Futter großzieht. Vier Wochen ist das dem T-Bone-ähnliche Steak bei den Meiers am Knochen gereift, wie mir hinterher einer der kundigen Köche erklärt. Wenn Fleisch, dann Bestes – ist seit langem meine Devise. Das hier ist Allerbestes – und wir wundern uns, mit welcher Lust wir das rosa Fleisch mit dem schlotzigen Fett genießen, lediglich sparsam nappiert mit intensivem Bratensaft. Sogar die von mir sonst verschmähte Kräuterbutter mundet mit den eigenen Blüten hervorragend.

58 Euro (plus 24 Euro für die Pilze) kostet das Vergnügen für zwei. Diese „Vergnügungssteuer“ haben wir mit großer Freude entrichtet!

Ein verlässlicher Begleiter ist der 2014er Zweigelt vom österreichischen Traditionsgut Bründelmayer für 32 Euro.

Wenn Fleisch, dann Bestes: Porterhouse-Steak

Ein wenig traurig war ich, als ich erfuhr, dass das Wirtepaar mit seinen beiden Kindern in den Ferien ist. Aber natürlich wusste Annette auch hier einen Rat – und arrangierte ein Gespräch mit dem Senior. Ein freundlicher Mann, mit hellwachen Augen, der mehrmals am Abend seine Runde durchs Lokal macht – und sonst am Stammtisch sitzt, wo seine kräftige Stimme gut zu hören ist.

Verführerin in Rot-Weiß: Holzskulptur

Voller Leidenschaft erzählt mir der 84-jährige von den Anfängen als Bierwirtschaft Kotzbauer um 1860. Im Jahre 1919 kamen dann die Meiers in das Anwesen mit sehr bescheidenen Anfängen: „Vier Tagwerk, eine Kuh und eine kleine Hütten“. Mein Gesprächspartner Michael Meier II, ein gelernter Metzger, übernahm mit seiner Frau Irmgard 1961 das Ganze und baute es zum heutigen Landgasthof um. Sein Sohn Michael Meier III stieg 1998 mit seiner Frau Claudia ein, verwandelte den Stall zum „Stodl“ für die so gefragten Hochzeiten – und entwickelte vor drei Jahren in der gesamten Wirtschaft die anheimelnde Melange aus Tradition und Moderne.

Alt schätzt jung Oft ist es ja so, dass die vorige Generation misstrauisch verfolgt, was die Jungen machen. Nicht so bei den Meiers. Begeistert schildert mir der Senior, wie gelungen er das Umbauwerk des Juniors auch im Detail findet: „Da ist jedes Brett anders, da ist alles individuell“. Es scheint, dass die Meiers mit sich und der Welt im Reinen sind. Der Altwirt verabschiedet sich, geht wieder zum Stammtisch, Annette freut sich lächelnd, dass unser Treffen beiden Spaß gemacht hat. Wir freuen uns, dass es so eine wunderbare Wirtschaft wie den Meier gibt.

Stolz auf das Geschaffene: Seniorwirt Michael Meier

Fazit: Heimische Ökoprodukte in einem äußerst angenehmen Ambiente kreativ inszeniert. Ein Glücksfall, der eine Reise wert ist!

Landgasthof Meier

Adresse: Hilzhofen 18, 92367 Pilsach

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag ab 10 Uhr offen. Rustikal: Mittwochs gibt's Schlachtschüssel, samstags Ripperl, sonntags Schäuferl und Braten

Kontakt: Tel. 09186/237 www.landgasthof-meier.de


Echt essen heißt die Serie, in der ich seit rund zehn Jahren jeden Monat Gasthäuser vorstelle. Möglichst solche, die selbst etwas anbauen, Vieh halten oder Vieles aus der Umgebung beziehen – und ökologisch wirtschaften. Beim Meier gelingt das exemplarisch!



von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de


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