Das Echt essen-Gasthaus im August: Ein Großteil der Produkte im Bräustüberl in Tegernsee kommt von kleinen Produzenten aus der Umgebung. Nicht nur deshalb schätze es Hans Lauber seit Jahrzehnten.

Es gibt sie noch die Gasthäuser, wo jeder willkommen ist; wo die urigen Bauern in der kurzen Lederhose, sich so wohl fühlen wie die Familien mit ihren quirligen Kindern; wo die rüstigen Rentnerinnen aus dem Kaiserstuhl sich neben durch geschwitzten Wanderern an ihrer Maß vergnügen – und nebenan die durchgeknallte Schickseria á la Düsseldorf und München ihr neckisches Balzritual zum Besten gibt.

Bayerische Dreifaltigkeit: Himmel, Kirche, „Bräustüberl“

Wobei das Wort „Stüberl“ für das „Herzogliche Bräustüberl Tegernsee“ eine schlitzohrige bayerische Untertreibung ist. Denn es gibt das „Große Bräustüberl“ mit 500 Plätzen, dazu noch zwei kleinere Stuben – und im Sommer eine überdachte Terrasse, wo noch einmal knapp 500 fröhliche Zecher Platz finden. An guten Tagen, und die sind im „Stüberl“ fast immer, kehren hier fast 2 000 Gäste ein. Alles sitzt eng gedrängt – und dass sich trotzdem alle wohl fühlen, liegt sicher an den Gewölbedecken, welche die lauten Gespräche noch lauter werden lassen – und an den freundlich (meistens)-flinken Frauen im Service.

Gehört zur Gemütlichkeit: Gewölbedecke

Eine geschickt getarnte Großgaststätte als „Echt Essen“? Ja! Natürlich favorisiere ich lauschige kleine Gasthöfe, aber als Diabetes-Experte gehe ich auch gerne dahin, wo auch die Menschen gern hingehen – und das sind nun mal Gasthäuser wie das „Bräustüberl“, das ich seit Jahrzehnten schätze. Außerdem erfüllt dieses Wirtshaus eine wichtige „Echt-Essen“-Voraussetzung: Ein Großteil der Produkte kommt von kleinen Produzenten aus der Umgebung. So wird auf der Karte fein säuberlich notiert, von welchen Metzgern die ausgezeichneten Würste kommen. Sicher, ich kann nicht nachprüfen, ob das stimmt, aber ich finde es wichtig, dass gerade solche Leuchttürme der Gasthaus-Kultur sich das gute Heimische so demonstrativ auf die Fahnen schreiben. Vier kleine Gerichte habe ich für Sie ausgewählt.

Basis der Pfannkuchensuppe ist eine kräftige Brühe. In feinste Streifen wird der dünne Pfannkuchen geschnitten, so dass das Gericht nicht so mächtig daherkommt, obwohl die Portion natürlich ordentlich groß ist. Dafür ist der Preis mit 2,20 Euro ordentlich klein. Erfreulich, nicht selbstverständlich: Frisch geschnitten ist der Schnittlauch. Wäre die Suppe jetzt noch ein Spur heißer, wäre das Gästeglück vollkommen.

Große Portion, kleiner Preis: „Bräustüberl“-Prinzip

Aus der benachbarten Herzoglichen Fischerei stammt der geräucherte Saibling. Blitzsauber ist der dicht besiedelte, bis zu 70 Meter tiefe See, sodass die Fische prächtig gedeihen. Den Saibling esse ich hier immer, mit einem Hauch Zitrone gewürzt, schmeckt der Fisch saftig und gut. Auf den blank polierten Tisch kommt ein halber Saibling, sodass die 9,50 Euro in Ordnung gehen. Schade nur, dass es als Beilage deplatziertes Toastbrot und ein bloß dekoratives Salatblatt plus ein halbes Ei gibt.

Durch überflüssige Beilagen verdeckt: Saftiger Saibling

Warm ist der Leberkäse aus der Metzgerei „Schwaiger“ in Tegernsee. Selten esse ich Wurstiges, aber wenn sie so hervorragend schmeckt wie diese, lohnt jeder Bissen. Ausgezeichnet auch der Kartoffel-Gurken-Salat mit einem Hauch Senf. Gerade so scheinbar „einfache“ Gerichte wie Kartoffel- oder Wurstsalat zeigen, ob´s ein Gasthaus „drauf“ hat. 9,50 Euro kostet die dicke Scheibe – und natürlich reicht das Ganze, wie auch der Fisch, für zwei. Also, möglichst zuerst immer nur eine Portion bestellen, wenn´s nicht reicht, steht schnell Nachschub bereit.

Leberkäs, Kartoffelsalat, Brezn, Bier – Himmel der Bayern


von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de , Internet: www.lauber-methode.de


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