Was das Tragen von Mund-Nasen-Maske angeht, erlebt unser Kolumnisten Dr. Hans Langer immer wieder kuriose Szenen mt Menschen, die es damit entweder viel zu lasch nehmen oder ziemlich übertreiben. Interessant findet er aber, wie die sich zum Modeartikel entwickelt – nach dem Motto „Zeig mir, welche Maske du trägst, und ich sage dir, wer du bist.“

Es ist schon interessant, was Corona so aus uns Menschen macht. Während die einen die Krise auf die leichte Schulter nehmen und so tun, als ob es sich bei der Corona-Pandemie um ein bisschen Schnupfen und Husten handelt, übertreiben es andere. Noch immer erlebe ich, wenn ich mit meinem Fahrrad durch die Stadt zur Arbeit fahre, dass für manche Menschen das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, offenbar nicht existent ist.

So stehen die Leute scharenweise vor der Eisdiele oder es ist Highlife vor dem Baumarkt oder am Recycling-Hof. Von einer Mund-­Nasen-­Maske ist nichts zu sehen. Manchmal komme ich mir schon dumm vor, wenn ich konsequent beim Betreten von Geschäften eine Alltagsmaske anlege, auch unabhängig, ob da Distanzstriche am Boden sind oder Spuckschutzwände aus Plexiglas aufgebaut wurden.

Natürlich habe ich beim Fahrradfahren keine Alltagsmaske auf, obwohl mir heute wieder scharenweise Leute in voller Vermummung auf dem Radweg entgegenkamen. Nochmal zum Erinnern: Das Corona-Virus fliegt nicht durch die Luft, sondern wird von einem infizierten Menschen ausgeatmet oder ausgespuckt und kann mich erreichen, wenn ich ihm gegenüberstehe.

Interessant ist, wie die Mund-­Nasen-­Maske sich nun zum Modeartikel entwickelt – nach dem Motto „Zeig mir, welche Mund-­Nasen-­Maske du trägst, und ich sage dir, wer du bist.“ Da gibt es den Typ Profi: Dieser trägt rund um die Uhr eine FFP2-Maske, die eigentlich medizinischem Personal vorbehalten bleiben sollte. Am besten hat die Maske auch noch ein Ventil (wodurch Viren ausgeatmet werden). Sieht cool aus und signalisiert: „Schaut her, ich kann’s mir leisten, hab’ ich schließlich für 20 € aus China importiert.“

Der Typ Lässige trägt gar keinen Mund-Nasen-Schutz, sondern wickelt sich einen Schal oder ein Kopftuch geschickt ums Gesicht. Sieht zwar seltsam aus, ist aber einfach und praktikabel. Der Typ Witzbold hat sich Alltagsmasken selbst genäht und dazu lustige Stoffe besorgt, z. B. mit Tiermotiven oder Cartoons.

Bei uns in der Diabetesklinik herrscht aus Sicherheitsgründen absolute Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. Unsere Patienten tragen eine von uns gestellte Alltagsmaske, die unsere fleißigen Kolleginnen von der Hauswirtschaft aus Tischdecken genäht haben. Wir Behandelnde tragen die typischen Masken, die man aus dem OP kennt – außer natürlich unser Chef­arzt: Herr Professor trägt eine Maske aus handgenähter Krawattenseide. Damit hebt er sich zwar von allen anderen Kolleginnen und Kollegen ab, aber er ist ja auch sonst ein besonderer Typ.


von Dr. Hans Langer

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (6) Seite 86