Stressige Zeiten – die kennen Sie bestimmt auch. Zeiten, in denen man im Kopf alle Tätigkeiten, die anstehen, so lange hin- und herschiebt, bis zeitlich soweit alles passt. Und dann kommt es doch ganz anders, weiß Kolumnistin Alex Adabei zu berichten …

Eigentlich müsste man gerade in stressigen Zeiten besonders darauf achten, welche Richtung der eigene innere Kompass vorgibt – und an das Parkinsonsche Gesetz denken (das sich eigentlich auf den Bereich Bürokratie bezieht): „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ Das bedeutet, dass es gar nicht um die Komplexität der Aufgabe geht. Hat man nur eine halbe Stunde Zeit, ist eine Aufgabe auch in dieser halben Stunde erledigt.

Hat C. Northcote Parkinson, ein britischer Soziologe, damit recht? Für meinen Alltag würde ich sagen: Ja, es stimmt, oft geht es schneller, wenn es schneller gehen muss; oft geht es langsamer voran, wenn ich mehr Zeit habe. Und das ist auch gut so, denn immer nur „schnell, schnell“ ist doch nicht gesund.

Oft ist es aber auch so: Wenn eine Aufgabe hinzukommt, fällt dafür etwas anderes weg, im Idealfall etwas, was vielleicht gerade nicht so wichtig ist. Was wäre z. B., wenn ich heute die Diagnose Diabetes bekäme? Ich müsste, wenn irgend möglich, anderes hintenanstellen und mir Zeit nehmen für das, was ja nicht ohne Grund „Diabetesmanagement“ heißt. Im Moment kann ich mir gar nicht vorstellen, wie das gehen könnte – aber es würde eben doch gehen, weil es einfach gehen müsste.

Was ist wichtig, was nicht? Wahrscheinlich sind die Antworten auf diese Fragen mit die bedeutendsten in unserem Leben. Und dann kommt es natürlich auch noch darauf an, was wir aus den Antworten für unser Leben, unser Handeln ableiten. Ich finde, es ist gar nicht so einfach, da die Balance zu finden. Mein Kompass dabei ist derzeit das Wohl meiner Familie. Vielleicht kann auch der Diabetes ein Kompass sein? Das lese ich manchmal heraus, wenn Menschen aus ihrem Leben mit Diabetes erzählen.

Was ist Ihr Kompass? Was in Ihrem Leben gibt Ihnen die Richtung Ihres Handelns vor und hilft Ihnen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und sich Ihre Zeit entsprechend einzuteilen? Vielleicht schreiben Sie mir dazu ein paar Zeilen an redaktion@diabetes-journal.de – darüber würde ich mich sehr freuen!


von Alex Adabei

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.



Erschienen in: Diabetes-Journal, 2021; 70 (11) Seite 82