Es ist Urlaubszeit und für viele steht nun die schönste Zeit des Jahres vor der Tür. Diabetesberaterin Katrin Ahrens hat daher für Sie einige Tipps und Hinweise für einen gut geplanten, sicheren und entspannten Urlaub mit Diabetes.

Sommer, Sonne, Gesundheit – Liegestuhl statt Hotelbett. Gesund auf Reisen. Egal ob Sie innerhalb Europas verreisen oder exotischere Reiseziele anstreben – bleiben Sie auch in der Urlaubszeit gesund. Laut dem Urlaubsreport 2015 der Krankenkasse DAK war fast jeder 15. in seinem Sommerurlaub krank oder verletzt. Fast jeder Zweite litt unter einer Erkältung.

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Typische Beschwerden sind Infektanfälligkeit, Erschöpfung, Schmerzen oder Wochenendmigräne. Besonders gestresste, die die Erholung am nötigsten hätten, werden im Urlaub viermal häufiger krank als Nicht-Gestresste.

Je weiter das Urlaubsziel entfernt ist, desto früher sollte man mit den Vorbereitungen beginnen. Das gilt besonders für Reisen in die Tropen. Hier sind häufig bestimmte Reiseimpfungen empfehlenswert oder vorgeschrieben. Um ohne Hektik einen Impfschutz aufbauen zu können, sollten Sie sich spätestens 6 Wochen vor Reisebeginn beraten lassen.

Kochen, schälen oder verzichten: Infektionen vermeiden

Gerade in tropischen Ländern können Sie mit einigen Vorsichtsmaßnahmen Infektionen durch Keime in Lebensmitteln vermeiden. Dazu zählt die goldene Regel:“Kochen, schälen oder verzichten“. Tabu sind auch nicht abgekochtes Wasser, Eiswürfel und Leitungswasser zum putzen der Zähne. Trinken nur aus originalverschlossenen Flaschen!

Viel trinken ist bei unkompliziertem Durchfall die wichtigste Therapiemaßnahme, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Man sollte zwischen Getränken wie mit Zucker oder Traubenzucker gesüßtem Tee und salziger Brühe oder isotonischen Getränken wechseln. Sowohl auf die Gefahr von Hypoglykämien als auch an die Gefahr von Ketoazdosen achten.

Das Basalinsulin vorerst in gleicher Dosis spritzen. Wenn keine oder deutlich weniger KE gegessen oder getrunken werden können muss das Bolus bzw. Mahlzeiteninsulin gekürzt werden.
In tropischen Regionen sollte man grundsätzlich nicht barfuß laufen, da Parasiten auch im Boden lauern. Insektenabwehrende Mittel und lange Kleidung schützen.

Therapieplan, Blutzuckertagebuch, Diabetiker-Ausweis

Selbstverständlich ist die Mitnahme des Therapieplans und des Blutzuckertagebuchs. Zusätzlich empfiehlt sich ein mehrsprachiger Diabetiker-Ausweis für den Notfall – ideal in der Landessprache des Reiselandes. Im Falle einer Unterzuckerung können Mitreisende hier das richtige Vorgehen nachlesen. Sie erhalten Diabetiker-Ausweise kostenfrei in der Apotheke oder in Broschüren der Insulinhersteller.

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Egal ob Sie in China, Norwegen, Ungarn oder irgendwo sonst in der Welt unterwegs sind, der Internationale Notfall-Ausweis sorgt dafür, dass Ihnen bei Unwohlsein oder Notfällen auch im Ausland geholfen werden kann.
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Für Reisen im Inland an die Versichertenkarte denken oder an den Auslandskrankenschein. Versicherte einer gesetzlichen Krankenkasse haben zumindest in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) einen Grundschutz, der als Minimalversorgung angesehen werden kann und nicht für jedes Reiseziel besteht. Die Kosten eines Rücktransports sind davon nicht abgedeckt.

Eine Reisekrankenversicherung kann in der Regel ohne Gesundheitsprüfung und für geringe Beiträge abgeschlossen werden. Diese gilt in der Regel nur für Reisen mit einer Dauer von maximal sechs Wochen. Beim Abschluss einer Reisekrankenversicherung sollte darauf geachtet werden, dass diese auch die diabetische Notfallbehandlung einschließt.

Ausreichenden Vorrat einpacken

Ob Medikamente, Teststreifen oder Insulin, Pen, Nadeln, Lanzetten, wenn eine Reise geplant ist, sollte für ausreichend Vorrat im Reisegepäck gesorgt sein. Als Faustregel gilt: Etwa das Doppelte des tatsächlichen Bedarfs mitnehmen.

Als Faustregel gilt: Nehmen Sie etwa das Doppelte Ihres tatsächlichen Bedarfs an diabetischen Utensilien mit.

Geklärt werden sollte, ob alle Medikamente notfalls im Land erhältlich sind. Ausländische Apotheken akzeptieren in Deutschland ausgefüllte Rezepte in der Regel nicht. Unbedingt Adressen besorgen von Ärzten am Urlaubsort, hilfreich sind Kontakte über das Reisebüro, beim ADAC oder auch im Internet.

Reisende mit Typ-1-Diabetes benötigen zusätzlich Keton-Teststreifen. Bei entgleisten hohen Blutzuckerwerten wird so das Vorhandensein und die Konzentration von Ketonen (Acetessigsäure) im Urin oder Blut überprüft. Einzeln folienverpackte Teststreifen sind zuverlässig vor Luftfeuchtigkeit, Schmutz und Verunreinigungen geschützt.

Gute Reise mit dem Flugzeug

Bei Flugreisen mit Zeitverschiebungen ist die nötige Vorbereitung das Wichtigste. Bei Reisen ins Ausland sollte man ein ärztliches Attest, ein „Medical Certificate“ und den Therapieplan mitnehmen. Das Attest sollte in englischer Sprache oder besser noch in der Landessprache verfasst sein. Erfragt werden sollte das Mahlzeiten-Serviceangebot der Fluggesellschaften, bitte beachten, dass bei Turbulenzen, Flugausfällen und -verzögerungen der Essen-Service entfallen kann.

Bei jeder Flugreise kann Gepäck verloren gehen, deshalb Koffer fotografieren. Wichtiges gehört unbedingt in das Handgepäck. Also Insulin, Blutzucker Messgerät, Teststreifen, Ersatzbatterien*, Stechhilfe, Lanzetten*, Pens und U 40 bzw. U 100 Ersatzspritzen für den Fall, dass der Pen defekt ist, Pen-Nadeln* und Insulin* (* jeweils in Originalverpackung). Bei Flugreisen das Insulin auf mehrere Handgepäckstücke verteilen. Ein ausreichender Traubenzucker und Not KE Vorrat kann in den Koffer gepackt werden.

Behälter dürfen maximal 100 ml einer Flüssigkeit enthalten und müssen in einem verschließbaren durchsichtigen Plastikbeutel von 1 l Volumen vorgelegt werden! Eher leicht erhöhte Blutzuckerwerte durch Zusatz-KE oder Verringerung der Insulindosis anstreben. Dies gilt sowohl am Flugtag als auch an den ersten drei Tagen am Zielort. Korrekturen erst bei Blutzucker von 10-12 mmol/l oder 180 bis 200 mg/dl.

Für die Insulinpumpen-Therapie

Die Insulinpumpe passt sich im Normalfall automatisch an den veränderten Kabinendruck an. Weil die Luftfeuchtigkeit unter 10 % liegt, kann das Blutzucker-Messgerät die Werte niedriger anzeigen, als sie tatsächlich sind.

Zeitverschiebung – die innere Uhr umstellen

Zeitverschiebungen von bis zu zwei Stunden erfordern in der Regel keine Anpassung. Daran denken, die Uhr der Geräte umzustellen.

Bei der Intensivierten Insulintherapie (ICT)

Reise von Ost nach West (Tageszeitverlängerung): Die Tage werden länger, der Medikamentenbedarf steigt. Am Abend des Flugtages die Basalinsulin Dosis um 1/12 pro zusätzlicher Stunde erhöhen. Reise von West nach Ost (Tageszeitverkürzung): Die Tage werden kürzer, der Medikamentenbedarf sinkt. Verkürzt sich bei einer Zeitverschiebung die Nacht von von 12 auf 6 Stunden, werden 6/12 bzw. die Hälfte der Dosis gespritzt.

Allein die Zeitumstellung bei Auslandsreisen kann Menschen mit Diabetes aus dem Rhythmus bringen.

Die größte Hypoglykämie-Gefahr besteht während der ersten Nächte nach der Zeitverschiebung. Häufigere Blutzucker-Messungen sind nötig, um die höheren Schwankungen des Blutzuckers überwachen zu können.

Insulin sicher verwahren

Da Insulin, Glukagon, als auch GLP- 1-Rezeptor-Agonisten sehr empfindliche Hormone sind, sei daran erinnert, das diese möglichst bei gleicher Temperatur aufbewahrt werden müssen. Schützen Sie das Insulin vor direkter Sonneneinstrahlung. Praktisch sind zur Aufbewahrung Kühltaschen, die nur Wasser zum aktivieren benötigen. Insulin, aber auch Glukagon können bei extremen Temperaturen über 40° Celcius an Wirkung verlieren. Die Geräte sollten vor Hitze, direkter Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit geschützt werden.

Im Winter sollte der Pen mit Insulin möglichst nah am Körper getragen werden, bei Frost wird Insulin unbrauchbar. Teststreifen vor Hitze, Feuchtigkeit und Kälte schützen.

Autoreisen

Bitte vor Fahrtantritt den Blutzucker messen und sicherstellen, dass keine Gefahr einer Unterzuckerung besteht. Kleine Zwischenmahlzeiten nicht vergessen und ausreichend trinken. Bei den ersten Anzeichen einer Unterzuckerung sofort anhalten. Sofort schnelle Kohlenhydrates essen oder trinken. Spätestens nach zwei Stunden Fahrt pausieren, den Blutzucker messen und sich bewegen. Keinen Alkohol am Reisetag, selbst bei Alkohol am Vorabend ist die Hypogefahr am nächsten Tag erhöht. Im Auto eignen sich auch Styropor-Kästen zur kühlen Lagerung.

Essen und Trinken

Insulin zum Essen erst spritzen, wenn die KE vor Ihnen stehen, also das Essen gebracht worden ist. Vor Reiseantritt Informationen über landestypische Gerichte und Zubereitungen besorgen. Besuchen Sie Spezialitäten-Restaurants und Supermärkte in Deutschland, kochen Sie typische Rezepturen nach. Uns steht ein vielfältiges Kochbuch-Angebot zur Verfügung.

Meiden Sie die Sonne, wenn sie vom Himmel brennt

Zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung überall am stärksten, man sollte der Haut in dieser Zeit eine Sonnenpause gönnen. Auch im Schatten trifft immer noch fast die Hälfte des direkten Sonnenlichts auf die Haut. Je stärker die UV-Belastung, desto kürzer ist die Eigenschutzzeit der Haut. Wasser und Sand reflektieren die Strahlen und können die UV-Belastung um bis zu 90 % verstärken.

Auch im Schatten trifft immer noch fast die Hälfte des direkten Sonnenlichts auf die Haut, deshalb auch hier eincremen.

Passende Kopfbedeckung nicht vergessen. Sonnenbrille schützt die Augen vor bleibenden Schäden an Hornhaut und Netzhaut. Gut schützende Sonnenbrillen sind mit Angaben wie „UV-400“, „100 Prozent UV“ oder dem „CE“ Zeichen gekennzeichnet. Da UV-Strahlung als Hauptverursacher von Hautkrebs gilt, ist Sonnenschutz angebracht, vor allem bei Kindern.

Rechtzeitig Sonnencreme verwenden

Unbedeckte Hautpartien sollten rechtzeitig mit Sonnenschutzmitteln eingecremt werden. Der Lichtschutzfaktor (LFS) gibt an, wie gut eine Sonnencreme oder -milch vor UV-B-Strahlung schützt. Ein hoher LFS steht für eine hohe Schutzwirkung. Bei empfindlichen, zu Sonnenbrand neigenden Hauttypen ist hoher Schutz erste Wahl (>LFS 30). Für dunkle Hauttypen ist die mittlere Schutzklasse (etwa LFS 20) ausreichend. Bitte auch daran denken, rechtzeitig nachzucremen.


von Katrin Ahrens
Diabetesberaterin im Diabeteszentrum Bad Lauterberg,
Kirchberg 21, 37431 Bad Lauterberg im Harz