Einem Grafen oder gar dem Papst begegnen die meisten eher selten. Aber wie wird ein Arzt mit Doktor- oder gar Professorentitel korrekt und mit Respekt angesprochen? Auch dafür gibt es Regeln.

„Hey Doc ... “?

"Hey Doc, wie ist mein HbA1c?" So eine lockere Ansprache des Arztes weist entweder auf ein langes, vertrautes Verhältnis zwischen Arzt und Patient hin oder aber auf eine ausgesprochen gesellige Frohnatur des Patienten.

Der Umgang mit Titeln wird im 21. Jahrhundert nach wie vor von gesellschaftlichen Normen geprägt und von festgelegten Vorgaben geregelt. Dabei werden Namenstitel in zwei Gruppen aufgeteilt: in Adelstitel (z. B. Graf, Herzogin) und in akademische Titel (z. B. Doktor, Professor). Böse Zungen behaupten, es gäbe noch eine dritte Gruppe, nämlich die der erkauften Titel, auf die wir aber hier nicht eingehen werden.

Adelstitel und die dazugehörige Anrede

Für Adelstitel und die dazugehörige Anrede gilt seit der Weimarer Verfassung von 1919, dass sie Bestandteil des Familiennamens sind und wir Normalsterbliche zum Hochadel nicht mehr "Königliche Hoheit" sagen müssen. Aber "Herr König" zu einem richtigen König zu sagen, klingt auch nicht wirklich originell. Korrekt wäre es, in diesem Fall den Monarchen mit "Majestät" zu begrüßen.

Natürlich können wir als Bürger einer Republik auch alle Hochwohlgeborenen einfach mit Herr oder Frau begrüßen. Aber wenn man zu einer Feier oder zu einem Empfang eingeladen ist und man weiß, dass auch Adlige anwesend sind, ist es ein Ausdruck der Höflichkeit, die korrekte Ansprache parat zu haben.

Ist also ein "Dietrich Graf von Prahlenberg" auf der Gästeliste, würde man ihn korrekterweise entweder "Herr von Prahlenberg" oder einfach "Graf Prahlenberg" nennen. Und wird Ihnen z. B. eine Carola Baronin von Blaublut vorgestellt, wird sie mit "Frau von Blaublut" oder "Baronin Blaublut" angesprochen.

Kirchliche Würdenträger

Wenn Sie in diesem Jahr eine Audienz beim Papst haben, wäre die richtige Begrüßung "Heiliger Vater" oder "Eure Heiligkeit". Reicht es nicht für eine Audienz in Rom und Sie möchten schreiben, dann wählen Sie die Formulierung "Sehr geehrter Heiliger Vater". In der evangelischen Kirche ist es üblich, "Frau Bischöfin" oder "Herr Präses" zu sagen. Gemeindepfarrer spricht man mit dem Nachnamen oder "Herr Pfarrer" an.

Bei Ärzten zählt der akademische Titel

Nun zurück in die weltliche Sprechstunde: Ärzte sollte man mit ihrem akademischen Titel ansprechen. Ob Sie nun "Guten Tag, Herr Doktor" sagen oder den Namen hinzufügen ("Guten Tag, Herr Doktor Faustus"), kann nach einer Verlautbarung der Bundesärztekammer jeder Patient selbst entscheiden: "Hauptsache, beide Seiten gehen respektvoll miteinander um." Ist der Doktor auch ein Professor, wird immer der höchste Abschluss als Anrede genommen – in diesem Fall also der Professor, der Doktor fällt weg.

Den Doktortitel bei der Ansprache unaufgefordert wegzulassen, ist ein Privileg unter Kollegen und sollte von anderen vermieden werden. Schließlich drückt die Nennung des Titels auch den Respekt vor der wissenschaftlichen Leistung aus. Im Krankenhaus ist es nicht nötig, "Herr Oberarzt" zu sagen, es reicht, wenn der akademische Titel genannt wird. Das Gleiche gilt natürlich für den Chefarzt, wenn Sie ihn je zu sehen bekommen.

Und wenn der Arzt kein Doktor ist?

Nun gibt es auch Ärzte, die auf dem Praxisschild kein "Dr. med." stehen haben oder die als "Dipl.-Med." ausgewiesen sind. Sie können dann als Patient bei seinem Nachnamen bleiben und streng nach der Etikette den "Doktor" weglassen.

Aber kein anderer Beruf ist so eng mit dem akademischen Titel verknüpft wie der des Arztes oder der Ärztin. Daher werden auch nichtpromovierte Ärzte aus Gewohnheit oft mit "Frau Doktor" oder "Herr Doktor" angesprochen. Und wenn das in einer Praxis am Tag 50-mal passiert und der Arzt das jedes Mal korrigieren würde, würde die Wartezeit in der Sprechstunde erheblich ansteigen – und das wäre auch nicht gerade ein Ausdruck von Höflichkeit.


von Dipl.-Psych. Béla Bartus
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Fachpsychologe Diabetes (DDG), Psychodiabetologie Supervisor (BDP), Klinikum Stuttgart, Olgahospital

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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2011; 60 (1) Seite 56-57