Na, wie sieht es aus bei Ihnen: Haben Sie schon viele Neujahrsgrüße zugesendet bekommen? Oder selbst schon viele geschrieben an Verwandte, Freunde, Kollegen? Die Nachzügler lassen sich oft besonders viel einfallen.

Wie zu jedem Jahreswechsel gibt es wieder die besondere Gelegenheit, andere und sich selbst mit „Prost Neujahr!“ zu beglückwünschen. Damit die Neujahrsgrüße ihre Wirkung nicht verfehlen, sollten sie möglichst pünktlich die Empfänger erreichen. Um ganz sicherzugehen, werden viele Neujahrskarten rechtzeitig im alten Jahr versendet.

Aber es passiert immer wieder, dass Freunde, Verwandte oder Bekannte vergessen werden oder dass man einfach nicht früh genug daran gedacht hat, den netten Kollegen oder die neue Urlaubsbekanntschaft mit einer Karte zu überraschen. So gibt es regelmäßig drei aufein­anderfolgende Glückwunschwellen, die uns vor und nach Silvester erreichen.

Die frühen „Frühgrüße“

Die erste davon bringt die Frühgrüße, die uns vor oder spätestens zusammen mit der Weihnachtskarte erreichen oder gerade noch zwischen den Feiertagen eintreffen. Absender sind liebe Menschen, die ganz sichergehen wollen, dass ihre Wünsche bei uns wirklich ankommen, bevor der neue Kalender aufgeschlagen wird.

Wenn solche Karten, die immer schon vor Silvester im Briefkasten gelandet sind, ausnahmsweise nicht zum gewohnten Zeitpunkt ankommen, kann das nur an der Post liegen, oder es ist etwas Außergewöhnliches vorgefallen. Wenn das sehr gute Freunde oder nahestehende Personen sind, kann man schon mal anrufen und besorgt nachfragen, wo denn die Karte bleibt?

Zweite Welle nach Neujahr

Die zweite Welle von Neujahrswünschen kommt meist an den ersten Werktagen nach Neujahr an, schafft es aber noch, vor den Heiligen Drei Königen einzutreffen. Ein Teil dieser Karten war als pünktliche Sendung gedacht, hat es aber auf Grund der knappen Zeit und der Überlastung der Briefträger doch nicht geschafft. Der andere Teil davon wurde tatsächlich erst am Silvester- oder Neujahrstag aufgegeben – in der Hoffnung, durch wunderliches Geschehen doch noch irgendwie rechtzeitig anzukommen.

Diese nicht minder herzlichen Grüße zum neuen Jahr fallen in die Gruppe der Fast-in-time-Grüße und haben ihren Platz auf der Kommode verdient. An der dritten Gruppe der Neujahrsgrüße, die uns die Post bringt, scheiden sich die Geister: Wenn sie noch im Januar ankommen, kann man sich darüber freuen; danach wundert man sich und weiß nicht, ob sie noch für das vergangene oder schon für das kommende Jahr gedacht sind.

„Past-minute-Grüße“? Passiert!

Diese Past-minute-Grüße enthalten meist umso originellere Glückwünsche, je später sie ankommen. Man merkt den Karten richtig an, wie sehr sich die Absender wünschen, ihre Vergesslichkeit durch witzige oder um Nachsicht bittende Formulierungen wieder gutmachen zu können. Und so sollte es auch sein. Ein verspäteter Glückwunsch bleibt trotzdem ein Glückwunsch. Also sollten wir uns auch hier eher freuen als ärgern oder allzu enttäuscht sein. Höflich ist das allemal.

Und es kann uns auch einmal passieren, nicht an jemanden rechtzeitig gedacht zu haben. Statt langer Entschuldigungsfloskeln sollte man seine Grüße dem Umstand entsprechend zu Papier bringen – und wenn man richtig (zu) spät dran ist, von einer typischen Neujahrskarte absehen und ein allgemeineres Motiv wählen. Man kann die Spätgrüße auch mit einer Einladung oder einer kleinen Aufmerksamkeit versehen. Die Empfänger freuen sich darüber.

Gute Vorsätze!

Neben Neujahrsgrüßen hat der Jahreswechsel noch etwas anderes, Bedeutendes zu bieten: dass man sich selbst auch etwas besonderes für das neue Jahr wünscht und vornimmt; auch wenn manches davon erfahrungsgemäß im Verlauf des Jahres auf der Strecke bleibt. Trotzdem ist die psychologische Wirkung von Vorsätzen fürs neue Jahr nicht zu unterschätzen: Denn das Jahr ist noch planbar und markiert den Beginn möglicher Veränderungen.

Ein Vorsatz könnte sein, sich mehr Zeit für den Diabetes zu nehmen, mehr (körperliche) Bewegung in das neue Jahr zu bringen und einfach gesünder zu leben. Alles Floskeln? Nein, denn je konkreter und realistischer Sie solche Ziele für das neue Jahr formulieren, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch erreicht werden. Der Jahreswechsel ist ein idealer Zeitpunkt dafür.

Und da die Diabetesbehandlung stark vom Lebensstil abhängt, bietet ein beginnendes Jahr die beste Gelegenheit damit loszulegen.


von Dipl.-Psych. Béla Bartus
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Fachpsychologe Diabetes (DDG), Psychodiabetologie Supervisor (BDP), Klinikum Stuttgart, Olgahospital

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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2010; 59 (1) Seite 52-53