Dass es in Strömen gießt, kann auch im Juli vorkommen. Wer dann denselben Weg wie man selbst hat und dazu einen großen Regenschirm mit sich trägt, steht hoch im Kurs.

Diabetiker sind meist relativ gut beladen

An einem warmen Julitag ohne Wolke am Himmel nimmt kaum jemand beim Verlassen des Hauses einen Schirm mit. Dabei hatte im letzten Jahr gerade der Juli besonders viele Niederschläge. Das lag an den vielen Wolkenbrüchen, vor denen man auch im Sommer nicht sicher ist.

Nun, wenn man Diabetes hat, hat man beim Verlassen des Hauses ohnehin bestimmte Utensilien dabei: Die Ausrüstung zum Blutzuckermessen, Insulinpen oder -spritze und vor allem Traubenzucker oder andere flott wirkende Kohlenhydrate sollten dabei sein; also ist man schon relativ gut beladen. Und dann noch einen Regenschirm mitnehmen? Schirme sind lästig, gehen oft verloren, und wenn man sie braucht, sind sie sowieso nicht zur Hand. Aber sie haben einen großen Vorteil: Man wird nicht nass.

Drei Kategorien von Regenschirmen

Es gibt drei Kategorien von Regenschirmen und damit verbunden natürlich auch von Regenschirmbenutzern: die kleinen Knirpse, die in fast jede Hand- oder Aktentasche passen, besonders handlich sind, aber, weil sie so klein sind, meist nur einer Person Schutz bieten. Diese Minischirme sind praktisch, unauffällig und für Leute gedacht, die sich nicht weiter beladen wollen. Allerdings haben sie auch den Nachteil eines zu kurzen Griffes und des kleinen Schirmdurchmessers, so dass der Schirm bestenfalls zur erweiterten Kopfbedeckung taugt.

Die zweite Sorte Schirme sind die Stockschirme oder Langschirme, die größer und eleganter sind, aber beim Tragen (vor allem, wenn es nicht regnet) unhandlich und lästig sind. Ihr Vorteil ist, dass man unter ihnen zu zweit Platz hat und den aufgespannten Schirm auch zur Seite neigen kann, ohne Wasser über die eigenen Schultern zu schütten. Der deutlich längere Schirmstock erlaubt es uns Herren, auch hochgewachsenen Damen bei Regenwetter unser Geleit anzubieten, ohne auf Zehenspitzen gehen zu müssen.

Die grelle Version

In die letzte Kategorie fallen Schirme, die nicht auf sich aufmerksam machen durch gute Funktion oder Eleganz, sondern wegen ihrer grellen Farbe oder den bemüht originellen Aufdrucken: "Sauwetter", "Schmuse-Schirm" oder Slogans wie "KapitoPharm". Wie bei der Mode überhaupt, können sich Damen auch bei Schirmen mehr dezente Farbe leisten – wobei die Erfahrung zeigt: je bunter ein Schirm, umso geringer seine Haltbarkeit.

Der hässliche Schirm…

Wenn Sie Wert auf ein gutes Auftreten legen, sollten Sie den Schirm im Auge behalten: Denn nach den Worten des Pariser Schirm-Restaurators Michel Heurtault kann ein hässlicher Regenschirm das verräterische Manko am vermeintlich eleganten Outfit einer Person sein. Wenn Sie ausgehen und einen Schirm mitführen möchten, betrachten Sie ihn nicht als lästiges Übel, sondern als modische Ergänzung. Es gibt Lifestyle-Schirme, die perfekt zu Ihrem Auftreten passen können.

Ein Hersteller benennt seine Regenschirmkollektion nach bekannten europäischen Großstädten: Milano, Paris und natürlich der Regenstadt London. Entsprechend extravagant, elegant oder konservativ fallen die Modelle aus. Um vor sommerlichen Regenschauern geschützt zu sein, empfiehlt es sich, stets einen stabilen und großen Langschirm im Auto zu haben.

Wenn die Sonne scheint, im Radio aber vor Platzregen gewarnt wird, ist ein kleiner, faltbarer Taschenschirm für den Sonntagsspaziergang empfehlenswert. Achten Sie beim Kauf des Schirmes auf den Gleitschutz aus Nylon am Stockende, der das Rutschen und Klappern beim Aufsetzen auf den Boden verhindert.

Der richtige Umgang

Egal welchen Schirm Sie benutzen, wichtig ist der Umgang damit: Vermeiden Sie, Ihren nassen Schirm wie eine Sprinkleranlage schwungvoll und unvermittelt in einer Menschenmenge aufzuspannen. Bieten Sie anderen Schutz unter Ihrem Schirm an, bis eine trockene Stelle erreicht ist. Das ist sehr höflich und kann auch zu netten Bekanntschaften führen. Und wenn Sie draußen vom Regen erwischt werden, sorgt der Schirm dafür, dass Sie beim Testen einen Blutstropfen und keinen Regentropfen auf ihrem Messstreifen haben, was den Messwert verwässern könnte.

Gewarnt sei vor einer sich immer mehr ausbreitenden Variante des Regenschirmes, dem Doppelschirm, Partner- oder Golfschirm: Dieser ist in Fußgängerzonen und engen Gassen das, was Geländewagen im Stadtverkehr sind: nämlich unpraktisch und platzraubend. Da hilft nur rechtzeitiges Ausweichen.


von Dipl.-Psych. Béla Bartus
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Fachpsychologe Diabetes (DDG), Psychodiabetologie Supervisor (BDP), Klinikum Stuttgart, Olgahospital

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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2010; 59 (7) Seite 54-55