Anna Sjöberg hat seit 1998 Typ-1-Diabetes – und sie ist die Gründerin von AnnaPS. Das Unternehmen stellt Kleidung für Menschen mit Diabetes her. Im Diabetes-Journal erzählt sie von ihren Plänen und verrät, welche ihrer AnnaPS-Produkte sie selbst am liebsten trägt.

Dieser Beitrag ist eine Vorabveröffentlichung aus der Juni-Ausgabe des Diabetes-Journals, die am 31. Mai 2019 erscheint.

Das Diabetes-Journal bekommen Sie im Kirchheim-Shop, als ePaper sowie an Kiosken auf Flughäfen und Bahnhöfen.

Kleidungsstücke mit integrierten Taschen, in denen die Pumpe und weiteres Diabetes-Equipment sicher und immer greifbar verstaut sind, ohne z. B. noch eine Extra-Pumpentasche verwenden zu müssen – das suchte Anna Sjöberg, konnte genau solche Kleidung aber nirgendwo finden. Mittlerweile produziert sie sie selbst, und zwar für Frauen, Männer und Kinder (erhältlich z. B. über www.kirchheim-shop.de). Was ist ihr dabei besonders wichtig, und welche Ziele verfolgen sie und ihr Team, zu dem auch ihr Mann Per gehört?


Diabetes-Journal (DJ): Anna, was ist dir bei der Entwicklung von AnnaPS-Produkten wichtig?
Anna Sjöberg:
Ich liebe Kleidung, die gut geschnitten, qualitativ hochwertig und damit langlebig ist und die umweltfreundlich hergestellt wurde – Kleidung, die die Menschen stärkt. Und: Ich will meine Insulinpumpe nicht spüren. Ich möchte zudem sicher sein, dass meine Pumpe nicht herunterfällt oder sich der Schlauch irgendwo verhakt. Die Pumpe sollte auch immer gut erreichbar sein. Und ich möchte Kleidung aller Art tragen können.

Es ist zudem wichtig für mich, immer zu wissen, wo mein Diabetes-Zubehör ist, und es schnell zur Hand zu haben, wenn ich es brauche. Alle diese Punkte habe ich im Kopf, wenn ich Kleidung für AnnaPS entwickle. Ich freue mich, dass sie für viele Menschen mit Dia­betes im Alltag eine große Unterstützung und auch Problemlöser ist. Meine Mission ist es, alles zu tun, was ich kann, um das Leben mit Diabetes zu erleichtern.

DJ: Arbeitest du derzeit an neuen Produkten? Wenn ja, an welchen?
Sjöberg:
Ich denke immer über neue Ideen und Produkte nach. Mein Traum ist es, Tops für Schwangere, Sportbekleidung und außerdem tolle Gürtel herzustellen. Aber es kostet viel Geld, Neues zu entwickeln, also muss ich schrittweise vorgehen. Es wäre wunderbar, einen Investor zu haben und so die Entwicklung beschleunigen zu können. Letztes Jahr haben wir uns sehr bemüht, unsere Tops zu verbessern und auch einige neue Styles hinzugefügt. Wir haben außerdem weitere farbenfrohe Styles in unser Sortiment aufgenommen.

DJ: Welches AnnaPS-Produkt ist bei den Kunden am beliebtesten? Und welche Teile ziehst du am liebsten an?
Sjöberg:
Eigentlich ist es so, dass das, was ich selbst am liebsten trage, auch bei den Kunden am beliebtesten ist. Ich trage sehr oft unser Tanktop und immer unsere Hüftslips. Über dem Tanktop kann jeder seine ganz normale Kleidung tragen und gleichzeitig ganz leicht auf das Diabetes-Equipment zugreifen.

Die Kunden und auch ich selbst lieben den Stoff, eine umweltfreundliche Viskose namens Tencel. Der Stoff ist wirklich weich und bequem. Das Tanktop macht im täglichen Leben und beim Sport alles mit. Und der Hüftslip ist nachts absolut notwendig …

Die Kunden schlafen gerne mit der Pumpe in der Tasche, die in den Slip integriert ist. Sie erzählen mir so viele schöne Geschichten darüber, wie dankbar sie sind, dass sie nachts nicht von der Pumpe gestört werden und nicht einmal an die Pumpe denken müssen, wenn sie aus dem Bett steigen. Diese Rückmeldungen geben mir innerlich ein ganz warmes Gefühl und motivieren mich, dieses Projekt fortzusetzen. Den Menschen zu helfen, besser schlafen zu können, bedeutet so viel!

Im Kirchheim-Shop:

Shirts, Slips und Badekleidung von AnnaPS

Viele Teile aus der Kollektion von AnnaPS können Sie auch im Kirchheim-Shop bestellen. Dort neu im Angebot: eine Bikinihose mit Tasche für die Insulinpumpe. Passend dazu: das Bikinioberteil mit Neckholder.
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DJ: Werden neu entwickelte Kleidungsstücke getestet, bevor sie auf den Markt kommen?
Sjöberg:
Ich teste neue Produkte immer sehr sorgfältig selbst und lasse auch andere Diabetiker auf der ganzen Welt die Produkte testen und kommentieren. Viele der in den Kleidungsstücken integrierten Lösungen kommen von anderen Menschen mit Typ-1-Diabetes, aber auch von Krankenschwestern oder Pumpenherstellern.

Unsere Produkte werden von Pumpenherstellern sehr gründlich auf Funktionalität und Qualität getestet. Ich liebe es, neue Anregungen zu bekommen, und bin dafür sehr dankbar, weil sich dadurch oft eine noch bessere Lösung finden lässt.

DJ: Wo wird die Kleidung von AnnaPS hergestellt?
Sjöberg:
Das meiste wird in Europa hergestellt, und zwar innerhalb einer Entfernung von etwa 500 Kilometern von uns. Der Stoff wird in Schweden produziert und dann nach Estland verschifft, wo er umweltfreundlich gefärbt wird. Genäht werden die Kleidungsstücke in Lettland und kommen dann mit der Fähre zurück zum AnnaPS-Lager in Schweden.

Einige unserer Kleidungsstücke werden auch von einer dänischen Firma in deren Werk in Vietnam hergestellt; sie kommen dann auch per Fähre zu unserem Lager. Wir haben hart daran gearbeitet, für alles Lieferanten zu finden, die ihren Mitarbeitern gute Arbeitsbedingungen bieten und hohe Umweltstandards einhalten.

DJ: Was ist das Besondere an Tencel, also dem Stoff, der für die meisten AnnaPS-Produkte verwendet wird?
Sjöberg:
Tencel ist ein Stoff ähnlich der Viskose und wird umweltfreundlich aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz hergestellt. Alle in der Produktion von Tencel verwendeten Chemikalien sind nach der EU-Umweltverordnung REACH zugelassen und werden in einem geschlossenen System wiederverwendet. Es bleiben keine Chemikalien im Gewebe zurück. Tencel gilt als der Stoff, der am besten für Säuglinge geeignet ist. Tencel glänzt wie Seide, ist weich wie Baumwolle und atmungsaktiv wie Wolle. Ich liebe diesen Stoff. Er ist ein bisschen teurer, aber die Qualität und die Funktionalität sind fantastisch.

Wer Shirt und Slip von AnnaPS trägt, kann sehr viel Diabetes-Equipment unterbringen.

DJ: Wenn AnnaPS-Kleidung so behandelt wird wie auf dem Waschzettel angegeben – wie lange hält sie dann?
Sjöberg:
Als ich die Kleidungsstücke entwickelt habe, wusste ich, dass der Stoff ganz schön was aushalten muss, weil ja z. B. auch Insulinpumpen darin herumgetragen werden. Also habe ich mein Bestes getan, um alle Schwachstellen zu beseitigen. Die Unterwäsche von AnnaPS ist beispielsweise sehr haltbar. Ein großes Unternehmen aus Deutschland, das im Bereich Diabetes aktiv ist, hat unsere Kleidung 1 000 Mal gewaschen. Das Ergebnis: Sie war danach noch in Ordnung.

DJ: Faire Arbeitsbedingungen und eine umweltfreundliche Produktion sind bei AnnaPS sehr wichtig. Warum?
Sjöberg:
Ich interessiere mich allgemein für die Menschen und unseren Planeten. Deshalb bemühe ich mich darum, dass jeder die Möglichkeit hat, gesund zu leben. Das ist mir einfach wichtig.

DJ: Liebe Anna, vielen Dank für das Gespräch.


Video: Anna Sjöberg präsentiert den Gebrauch eines Bikinis aus ihrer Kollektion


Interview: Nicole Finkenauer
Kirchheim-Verlag, Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14, 55130 Mainz,
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (6) Seite 10-11