Am Weltdiabetestag werden traditionell bekannte Gebäude blau illuminiert. In Deutschland erstrahlte dieses Jahr die Dresdner „Zitronenpresse“ (HS für Bildende Künste). Günter Nuber war vor Ort und berichtet, welche Wünsche die Diabetes-Experten vor Ort formulierten.

Die Vorweihnachtszeit ist die Zeit der Wünsche. Der Weltdiabetestag am 14. November zählt für mich zur Vorvorweihnachtszeit: Am Geburtstag des Insulin-Entdeckers Banting wünschte sich Diabetes-Experte Dr. Jens Kröger (Hamburg), dass man gesundheitspolitisch gesehen „keine unnötigen Hürden schafft“ bei neuen Entwicklungen, die den Menschen ein gesünderes Leben ermöglichen; dass man Strukturen schafft, die es dem Einzelnen ermöglichen, sich fit zu halten. Und dass man bei all den Typ-2-Diabetes-Themen den Typ-1-Diabetes nicht vergisst. Letzteres ist aus meinem Blickwinkel immens wichtig.

Weltweit leuchten Gebäude am 14. November

Kröger ist Vorsitzender der „diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe“, die am 14. November dafür sorgte, dass zu Ehren Sir F. G. Bantings auch in Deutschland ein öffentliches Gebäude in Blau erstrahlt – diesmal in Dresden die Zitronenpresse, sprich die Hochschule für Bildende Künste (gegenüber der Frauenkirche). In vielen Ländern leuchten am 14. November Gebäude in der Farbe der Vereinten Nationen (UN).

„Damit sich etwas bewegt“ für Menschen mit Diabetes war das Motto des anschließenden Empfangs in der Frauenkirche. Zu dem kamen auch der Schauspieler Frank-Willy Wild, der Dresdner Prof. Peter E. H. Schwarz und MdL Oliver Wehner (CDU).

„Wir brauchen ein neues Verständnis für Bewegung“

Den Impulsvortrag hielt Prof. Schwarz und zeigte, wie dringend erforderlich es ist, die Deutschen zu Bewegung im Alltag zu motivieren: 10.000 Schritte am Tag sind das Maß, wären gesund, so Schwarz – „wobei unser Körper auf 36.000 bis 38.000 Schritte ausgelegt ist“. Und wir? „Wir sind faul, wir daddeln, skypen … und werden immer kränker.“ 2.760 Schritte am Tag geht der durchschnittliche Sachse, kaum weniger als der Durchschnittsdeutsche. „Wir sind 23.45 Stunden am Tag inaktiv, für unsere 2.760 Schritte benötigen wir kaum 20 Minuten!“

Motivation für mehr Bewegung erfordere emotionale Prozesse, dadurch sei „der Arzt als Motivator raus! Wir brauchen ein neues Verständnis für Bewegung.“ Und wir sollten modern, sprich digital, auf das moderne Umfeld reagieren: Beste Erfahrungen macht Diabetes-Experte Schwarz mit der App „AnkerSteps“, mit der sich die Nutzer vergleichen mit ihrer Peer Group (Freunde, Familie, Geichgesinnte) – und jeder versucht, täglich die 10.000 zu knacken!

Digitalisierung als Chance, aber aandere Länder sind viel weiter als wir

Auch Jens Kröger sieht Digitalisierung als Chance, als motivierend und „wunderbar einsetzbar in der Diabetologie, aber da sind andere Länder viel viel weiter als wir!“ Seine Werte jederzeit kennen, sofort sehen, wie der Stoffwechsel reagiert – bei diesem Digital-Thema sieht man laut Kröger noch etwas: Mit kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) und Flash Glucose Monitoring (FGM) habe man erst beim Typ-1-Diabetes „einen Riesenschritt gemacht und davon profitieren nun auch Menschen mit Typ-2-Diabetes!“ Ohne unnötige Hürden läuft‘s eben besser ...


von Günter Nuber
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (12) Seite 13