Man freut sich ja meist über eine Einladung – zumindest im ersten Augenblick. Je näher der Termin rückt, je müder man ist, umso eher möchte man einfach absagen. Was tun?

Absagen gehören zu den unangenehmen Dingen

Jedem ist es schon ein- oder mehrmals im Leben passiert, und trotzdem gehört das Absagen von Terminen und Verabredungen zu den eher unangenehmen Dingen des Alltags. Das trifft auf private Einladungen wie auf offizielle Termine zu.

Bei privaten Anlässen ist der Grund der Einladung das entscheidende Kriterium für den Umgang mit der Absage: Hat man seine Zusage für eine Einladung gegeben, die in dieser Form nicht wiederholbar ist – denken Sie an etwas Einzigartiges wie eine Hochzeit, eine Taufe oder eine Kommunion/Konfirmation –, dann ist eine Absage vom Standpunkt der gesellschaftlichen Etikette aus gesehen eine Katastrophe.

Nur triftige Gründe wie ein Todesfall (der eigene oder der von Angehörigen), ein Unfall oder eine schwere Krankheit rechtfertigen in solchen Fällen ein Fernbleiben.

"Keine Lust" taugt nicht!

"Andere wichtige Termine …" sind indes nur Ausreden, aber keine wirkliche Entschuldigung. Am wenigsten als Grund für eine diesbezügliche Absage taugt, "keine Lust" zu haben. Ist es doch passiert, muss man unbedingt die Absage nachbereiten, indem man anruft oder eine Karte schickt. Früher hat man den Gastgeber, den man versetzt hat, als eine Form der Entschuldigung dafür zu einem Essen eingeladen.

Das ist aus der Mode gekommen, denn würde man sich nach Absagen gegenseitig als Wiedergutmachung einladen, wären wir heute nur noch damit beschäftigt. Das liegt daran, dass sich in der Gesellschaft ein zunehmend unverbindlicher Umgangsstil mit Terminen und Verabredungen verbreitet hat.

" … muss leider canceln!"

Einladungen sind wie Aktien: Man sagt zu, wenn sie zu haben sind, und stößt sie ab, wenn einem etwas Besseres angeboten wird. Auch unser Sprachgebrauch hat sich darauf eingestellt, indem wir den eingedeutschten englischen Ausdruck Canceln benutzen. Dabei steht Canceln für das Absagen etwa einer Verabredung: "Leider muss ich unser Date heute Abend canceln" bedeutet, dass "ich mich nicht wie ausgemacht mit Ihnen treffen kann".

So gesehen beginnt die Verantwortung für einen Termin oder eine Verabredung schon bei der Zusage, die man sich gut überlegen sollte. Das müsste eigentlich ebenso für öffentliche Anlässe gelten, aber auch dort haben sich die Umgangsformen leider verändert. Und so weiß man, wenn ein Minister als Gastredner oder Schirmherr zugesagt hat, dass oft doch nur der Staatssekretär kommen wird oder statt des berühmten Wissenschaftlers unerwartet sein Assistent erscheint.

Absagen von Arztterminen

Zu den wichtigen, wenn auch teils unangenehmen Verabredungen zählen die Arztbesuche. Umfragen der Krankenkassen zeigen, dass in Deutschland die Zahl der Arztbesuche in der Bevölkerung von durchschnittlich 16 in den letzten Jahren auf nun 18 angestiegen ist. Über 50 Prozent der Patienten waren im Jahr bei mehr als vier Ärzten. Als Patient mit Diabetes hat man durch die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und das Aufsuchen weiterer Spezialisten noch mehr Termine.

Je mehr Arztbesuche man hat, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der eine oder andere verschoben oder abgesagt werden muss. Für Absagen von Arztterminen gilt, dass sie mindestens 24 Stunden (eher 48 Stunden) vorher erfolgen sollten. Besser ist es, sofort abzusagen, wenn einem klar wird, dass man den Termin nicht wahrnehmen kann. Das ist über die Höflichkeit hinaus eine große Erleichterung für das Praxis- oder Ambulanzpersonal.

In Bestellpraxen können Ersatzforderungen drohen

Allein die Koordination von Absagen und Terminverschiebungen sind sehr zeitaufwendig. In Bestellpraxen muss man bei kurzfristigen Absagen sogar mit Ersatzforderungen für Honorarausfälle rechnen. Eine Absage wird umso unangenehmer – für beide Seiten –, je länger man sie hinausschiebt. Und mit dem Zögern wächst der Widerstand abzusagen. Man verschiebt es immer weiter, bis die Psyche eingreift und den Termin einfach verdrängt. Das ist dann der schlimmste Fall, wenn einem die Einladung oder der Zeitpunkt der Verabredung einfällt … und man ist nicht dort!

Um nach Absagen glaubwürdig zu bleiben, helfen nur Ehrlichkeit und ein offenes Wort, also im direkten Kontakt mit dem Einladenden die Lage nennen und sich auf jeden Fall betroffen zeigen. Anders ist der Fall, wenn man auf weitere Einladungen sowieso keinen Wert legt. Dann kann man getrost die kalte Schulter zeigen und hoffen, keine weiteren Einladungen mehr zu bekommen.


von Dipl.-Psych. Béla Bartus
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Fachpsychologe Diabetes (DDG), Psychodiabetologie Supervisor (BDP), Klinikum Stuttgart, Olgahospital

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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2010; 59 (9) Seite 50-51