Nicht nur Zahnseide sollte zur täglichen Pflegeroutine Ihrer Zähne gehören. Im zweiten Teil des Diabetes-journal-Interviews erklärt Ihnen Dentalhygienikerin Sabine Reif-Bankmann vom Mund+Werk aus Tuttlingen, worauf es beim Zahnarztbesuch ankommt. Sie gibt Antworten, ob Mundspülungen, elektrische Zwischenraumreiniger oder Zahnbürsten wirklich sinnvoll sind.

DJ: Welche Beschwerden im Mundraum sind bei Diabetikern typisch?

Reif-Bankmann: Oft zeigt sich unangenehme Mundtrockenheit und das damit verbundene, erhöhte Risiko von Karies. Mundwinkelrisse (Rhagaden) sind typisch bei hohen Blutzuckerwerten, die auch das Risiko für Parodontitis erhöhen. Sind die Werte überwiegend in Balance, macht sich das auch an gesünderem Zahnfleisch und gesünderen Zähnen bemerkbar. Im Umkehrschluss hat eine unbehandelte Parodontitis ungünstige Wirkungen: Sie verstärkt die Insulinresistenz, verschlechtert Blutzuckerwerte oder vermindert die Insulinwirkung.

DJ: Was können Betroffene tun?

Reif-Bankmann: Ganz wichtig ist ein optimal eingestellter Diabetes. Ferner eine Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Internist. Dabei sollten Patienten zwischen zwei- und viermal jährlich zahnmedizinisch untersucht und prophylaktisch behandelt werden. Dazu gehört die Taschenkontrolle, ein Plaque- und Blutungsstatus. Selbst sollte der Patient täglich zweimal seine Zahnzwischenräume und Zähne putzen.

DJ: Apropos Zähneputzen – manuell oder elektrisch: Was ist sinnvoller?

Reif-Bankmann: Inzwischen sind elektrische oder Schall-Zahnbürsten gegenüber Handzahnbürsten im Vorteil. Die Putzdauer ist nachgewiesen deutlich länger, und bei richtiger Anwendung sind auch die Putzergebnisse sichtlich besser.

DJ: Wie sieht es aus mit Mundspülungen und elektrischen Zahnzwischenraumreinigern – braucht man sie unbedingt?

Reif-Bankmann: Hier sollte immer aufgrund des individuellen Risikos eine Zusammenstellung der geeigneten Zusatzhilfsmittel vom Zahnarzt und/oder dem Prophylaxe-Team erfolgen.

DJ: Ihre ultimativen Tipps für gesunde Zähne bei Diabetes?

Reif-Bankmann: Tägliche, intensive und trotzdem sanfte Pflege von Zähnen und Zahnfleisch. Am besten mit weichen Bürsten. Vor dem abendlichen Putzen softe Zahnzwischenraumbürsten oder Zahnband anwenden. Empfehlenswert sind fluoridhaltige Zahnpasten. Je nach Risikoeinstufung empfiehlt sich ein- oder mehrmals wöchentlich zusätzlich die Anwendung eines fluorid- und chlorhexidinhaltigen Gels aus der Apotheke.

Im Akutfall, bei entzündetem Zahnfleisch, eine Kur mit fluoridhaltiger und chlorhexidinhaltiger Zahncreme und Mundspülung. Dazu regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, in Kombination mit optimal durchgeführter professioneller Zahnreinigung. Ferner gesundes, zuckerarmes und ballaststoffreiches Essen, was für Menschen mit Diabetes ohnehin empfohlen wird. Zusätzlich auf kauaktive Ernährung, zur Stimulation der Speicheldrüsen, Durchblutung des Zahnhalteapparates und Training der Kaumuskulatur achten.

DJ: Wir danken für diese Tipps.


von Kirsten Metternich
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (11) Seite 76-77