Forscherinnen und Forscher am Helmholtz Zentrum München haben eine Methode entwickelt, die es erlaubt, aus wenigen Zellen detaillierte Protein-Daten zu gewinnen. Deren Leistungsfähigkeit demonstrierten sie nun an Blutproben von Kindern mit Typ-1-Diabetes und fanden heraus: Die angeborene Immunantwort spielt bei der Krankheit eine größere Rolle als gedacht. Die Arbeit entstand im Rahmen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und wurde im ‚Journal of Proteome Research‘ publiziert.

Bei Typ-1-Diabetes greift das eigene Immunsystem die Insulin produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an. Wie es genau dazu kommt, ist bislang nicht vollends verstanden. Klar ist jedoch, dass die sogenannten T-Zellen eine entscheidende Rolle dabei spielen. Die Autoren der aktuellen Studie konzentrierten sich nun auf das Proteom* einer Untergruppe, der CD4+ T-Zellen (T-Helferzellen). Angeführt wurde das Team von Dr. Stefanie Hauck, Leiterin der Abteilung Proteinanalytik und der Core Facility Proteomics, und Prof. Dr. Anette-G. Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München.

Neues Verfahren erlaubt Analysen mit deutlich weniger Zellen

Bisher lag die Schwierigkeit bei solchen Analysen vor allem darin, dass die Anzahl dieser Zellen relativ gering ist. Entsprechend große Probenmengen waren daher für eine Analyse nötig. „Aber gerade bei Kindern möchten wir größere Blutabnahmen natürlich vermeiden. Daher konnten wir solche Untersuchungen bisher nicht durchführen“, erklärt die Fachärztin für Endokrinologie und Diabetes Anette-G. Ziegler.

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Ein neues Verfahren erlaubte es den Wissenschaftlern allerdings nun die Analysen mit deutlich weniger Zellen durchzuführen. „Durch den Einsatz hochauflösender Massenspektrometrie konnten wir die benötigte Menge erheblich reduzieren“, berichtet Marlen Lepper, Erstautorin der Studie. „Aus nur 250.000 Zellen konnten wir etwa 6.000 Proteine des T-Helferzell-Proteoms beschreiben.“ Für die Untersuchung zogen die Forscher Proben von 30 Kindern und Jugendlichen heran, bei denen kurz zuvor ein Typ-1-Diabetes diagnostiziert worden war. Diese Daten verglichen sie mit denen aus Proben von 30 gesunden Kindern.

Unerwartete Ergebnisse: Vor allem Proteine aus der angeborenen Immunantwort gefunden

Bei der Auswertung stießen die Forscher dann auf unerwartete Ergebnisse: „Entgegen der Annahme, dass vor allem die adaptive Immunantwort den Typ-1-Diabetes verursacht, fanden wir vor allem Proteine aus der angeborenen Immunantwort**“, erklärt Studienleiterin Stefanie Hauck. „Das weist darauf hin, dass fehlgeleitete Neutrophile beziehungsweise myeloide Blutzellen die Entstehung der Krankheit prägen.“

Diesen Zusammenhang wollen die Forscher künftig weiter unter die Lupe nehmen. Zudem lasse sich die neue Methode auf vielfältige weitere Fragestellungen von klinischer Relevanz übertragen. „Unsere Studie zeigt eindrucksvoll das analytische Potential hochauflösender Massenspektrometrie bei der Phänotypisierung geringer Mengen an Patientenmaterial aus Biobankproben. Darüber hinaus stellen wir der wissenschaftlichen Gemeinde die bislang umfassendste Referenz-Datenbank für die Analyse humaner Proteine zu Verfügung“, so Hauck.


* Als Proteom bezeichnet man die Gesamtheit aller Proteine innerhalb eines definierten Bereiches (beispielsweise Lebewesen, Gewebe, Zelle oder Zellkompartiment).

** Bei der angeborenen Immunantwort ist die Struktur der beteiligten Proteine im Genom festgelegt und somit vorgegeben. Im Gegensatz dazu steht die adaptive Immunantwort, bei der sich der Körper auf den jeweiligen Erreger oder das Antigen einstellt (etwa durch Bildung von Antikörpern).


Quelle: Pressemitteilung des Helmholtz Zentrum München (HZM)