Zwei aktuelle Studien haben eine neue Variante des 1996 eingeführten Insulin lispro bzw. eine besonders schnelle Form von Insulin aspart getestet – mit positiven Ergebnissen sowohl aus therapeutischer als auch aus finanzieller Sicht.

Panta rhei – alles fließt! Dieser Wahlspruch gilt auch für die Insulintherapie, denn deren Geschichte war von der ersten Stunde an von Entdeckungen und Neuerungen geprägt – und ist es bis heute geblieben. Vor allem moderne Insulinanaloga (also Insuline mit leicht veränderter Struktur) ermöglichen eine Behandlung nach dem Basis-Bolus-Prinzip, was natürliche Vorgänge nachempfindet. Je nach Wirkdauer unterscheidet man lang wirkende und kurz wirkende Insulinanaloga. Zu letzteren gehört das bereits 1996 eingeführte Insulin lispro.

„Insulin lispro“-Biosimilar: sicher, effektiv und kostengünstig

Eine aktuelle Arbeit in Diabetes Technology & Therapeutics untersuchte nun ein sogenanntes Biosimilar von Insulin lispro hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit im Vergleich zur aktuellen Variante. Biosimilars sind günstigere Nachbildungen eines biologischen Arzneimittels nach abgelaufenem Patentschutz.

Im Rahmen der SORELLA-1 Phase III-Studie (gesponsert durch den entsprechenden Hersteller) untersuchten die (teilweise firmeneigenen) Wissenschaftler Patienten mit Typ-1-Diabetes, die bereits seit 26 Wochen mit dem langwirksamen Insulin-Glargin sowie entweder dem neuen oder dem alten lispro behandelt wurden. Die 507 Probanden verlängerten diese Behandlung für weitere 26 Wochen, um Langzeit-Effekte zu studieren. Die Untersuchung erfolgte zwar zufallsverteilt aber open label, das bedeutet, die Probanden wussten, welches Medikament sie bekamen.

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Die Rolle des Insulins

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Nach Angaben der Forscher ergaben sich zu den Beobachtungspunkten nach 26 beziehungsweise 52 Wochen keine nennenswerten Unterschiede hinsichtlich des Langzeitblutzuckers (gemessen als HbA1c). Zudem seien keine Unterschiede festzustellen hinsichtlich Unterzuckerungen, behandlungsbedingter Komplikationen oder Reaktionen des Immunsystems (Anti-Insulin-Antikörper).

Vor allem für die Behandlungskosten sei das neue Insulinanalogon ein Gewinn, so die Autoren in einer Mitteilung. Bereits im Mai dieses Jahres hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) eine positive Stellungnahme zur Marktzulassung des Produktes abgegeben.

„Faster-acting Insulin aspart“: noch schneller als das Original

Ebenfalls zu den kurz wirkenden Insulinanaloga gehört Insulin aspart. Nun zeigt eine aktuelle Studie, dass die weiterentwickelte Formulierung Fiasp (Faster-acting Insulin aspart) die Wirkzeit des Originals noch übertrifft. Dafür werteten Forscher sechs pharmakologische Studien im randomisierten Crossover-Design bei erwachsenen Menschen mit Typ-1-Diabetes aus. Das Ergebnis: das neue Produkt tritt rund fünf Minuten früher im Blutstrom auf und führt zu einer etwa doppelt so hohen Insulinexposition während der ersten 30 Minuten.

Weitere Untersuchungen aus drei der sechs Studien ergaben, dass die Insulinwirkung knapp fünf Minuten früher eintrat und in den ersten 30 Minuten den Blutzucker signifikant besser senkte. Dementsprechend war der Glukoseanstieg, gemessen eine Stunde nach einer standardisierten Mahlzeit, durch die subkutane Injektion von Fiasp um durchschnittlich 22,3 mg/dl (1,24 mmol/l) und die Plasmaglukosekonzentrationen in den ersten 2 Stunden um durchschnittlich 26 Prozent geringer als beim klassischen Insulin aspart.

Die Verträglichkeit der neuen Formulierung sei nach den vorläufigen Daten vergleichbar zum Original, ebenso die Kompatibilität in der Pumpenanwendung, berichten die Wissenschaftler.

Fazit

Die beiden Studien zeigen, dass sich neben den neuen technischen Möglichkeiten auch innerhalb der bewährten Therapiemethoden nach wie vor Verbesserungen für die Patienten erzielen lassen.


Quelle: Diabetesinformationsdienst München