Wie kann das Diabetesteam zu einem guten Schulstart beitragen? Diabetesberaterin Ulrike Blank gibt einen Einblick in die Arbeit mit Familien und Lehrern.

Wir in der Diabetesberatung möchten, dass der Übertritt des Kindes in den Schulalltag so reibungslos und stressfrei wie möglich bewältigt werden kann. Ein Kind mit Diabetes soll ja kein Außenseiter sein, sondern soll möglichst den genau gleichen Start haben wie alle anderen. Natürlich müssen die Eltern dafür viel mehr vorbereiten, das steht außer Frage, und das wollen wir den Eltern gegenüber auch nicht beschönigen.

Über die Jahre hat sich aber vieles im Umgang mit der Einschulung verbessert, denn wir bereiten Eltern und Kinder gut vor und bieten Lehrern und Betreuern Schulungen und Fortbildungen an. Im Mittelpunkt unseres Tuns steht dabei immer das einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen.

Vorbereitung der Eltern und Kinder

Aus unserer Erfahrung ist es von großem Vorteil, wenn die Eltern rechtzeitig klar definiert bekommen, was ein Lehrer darf, was er machen muss und was er machen kann. Bevor das Kind in die Schule kommt, besprechen wir in der Diabetessprechstunde, was das Kind am Ende der Kindergartenzeit können sollte und wie es das ohne Stress und spielerisch lernen kann. Meist sind die Kinder in diesem Alter auch reif, diese Aufgaben zu übernehmen.

Wichtig ist aus unserer Sicht, dass
  • Kinder bei Eintritt in die Schule mit ihrem Blutzuckermessgerät und/oder Glukosesensor umgehen können.
  • sie durch Üben gelernt haben, was ein Alarm bedeuten kann und wissen, dass sie dem Lehrer von Alarmen erzählen müssen. Sie müssen auch wissen, wie sie sich im Unterricht bemerkbar machen können, wenn sie sich nicht gut fühlen und evtl. eine Unterzuckerung haben.
  • ihnen klar ist, dass sie etwas essen müssen, wenn Insulin gegeben wurde.
  • sie immer ein Täschchen mit z. B. Blutzuckermessgerät/Sensorlesegerät und Traubenzucker dabeihaben.

Wir versuchen außerdem, die Kinder sensibel für ihre Hypo-Anzeichen zu machen und ihnen beizubringen, dass sie bei niedrigen (zweistelligen) Werten etwas essen müssen. Manche Kinder können schon unter Aufsicht die Pumpe bedienen.

In unserer Ambulanz legen wir gemeinsam mit den Eltern fest (sehr individuell und immer die Fähigkeiten des Kindes im Fokus), wie das Kind bis zur Einschulung unterstützt wird, bedingt Verantwortung zu übernehmen. Auch bieten wir seit einigen Jahren kurz vor der Einschulung einen Eltern-Kind-Nachmittag für die Erstklässler-Familien an.

Unser Grundgedanke dabei ist, dass Eltern von Kindern im gleichen Alter und mit den gleichen Voraussetzungen („unser Kind kommt in die Schule“) sich austauschen und Christine Jung aus unserer Klinikschule und ich aus der Diabetesberatung mit den Eltern gemeinsam den Schulstart besprechen und darauf aufmerksam machen, was die Pflichten der Einzelnen sind. Auch das Thema „Integrationskraft“ wird an diesem Nachmittag angesprochen.

Eine Fortbildung für die Lehrer

Schon seit vielen Jahren bieten wir im Olgahospital eine Lehrerfortbildung an. Hier wird in erster Linie medizinisches Wissen vermittelt, auch stellen wir neue Therapieformen vor. Wir versuchen, mit den Lehrern die wichtigen, für den Schulalltag relevanten Abläufe des Diabetes durchzugehen und geben ihnen unsere ausgearbeiteten Erfahrungen weiter, z. B. zum Umgang mit Unterzuckerungen, zur Hypo-Box, zum Umgang mit hohen Werten (Wann sollten die Eltern informiert werden?) und mit Glukosesensoren (CGM, FGM, siehe dazu Info-Blatt auf Seite 17). Auch der Umgang mit Alarmen ist ein Thema, als positiv heben wir hier hervor, dass eine Unterzuckerung damit frühzeitig erkannt werden kann.

Ein wichtiger Aspekt ist das Verhalten beim Sport, im Schwimmunterricht und bei Ausflügen und auch Geburtstagen. Ein großes Thema: Wie können Lehrer helfen zu verhindern, dass ein Kind mit Diabetes ausgegrenzt wird? Wir heben auch hervor, dass ein fester Austausch zwischen Lehrern und Eltern sehr wünschenswert ist: Gibt es noch Sorgen und Ängste der Lehrer oder der Eltern? Wie hat sich das Kind generell eingefunden? Wie läuft es mit dem Diabetes?

Umgang mit sensorunterstützter Therapie im Schulalltag

Durch die Pumpe und CGM/FGM ist vieles besser und einfacher geworden. Trotzdem gibt es natürlich einige Kriterien. Wir informieren die Lehrer während der Fortbildung über neue Therapieformen und Messmethoden. Sie lernen, was die Unterschiede zwischen Blut- und Gewebezucker sind und welche Möglichkeiten es gibt, den Wert abzulesen. Wir sagen auch, dass wir es sehr positiv finden, wenn die Kinder selbst ein Handy haben – so können sie im Notfall mit den Eltern Kontakt aufnehmen und/oder die Glukosewerte des Sensors ablesen. Aber manchmal sind Handys im Klassenzimmer verboten – dann kommt es darauf an, wie der einzelne Lehrer damit umgeht.

Lehrer sehen schnell die Vorteile

Da es Alarme für hohe und niedrige Sensorwerte gibt und diese auch im Klassenzimmer hörbar sein können, versuchen wir herauszuarbeiten, wie unterstützend diese Alarme für den einzelnen Lehrer sein können. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Lehrer gerade die Alarme im niedrigen Bereich sehr unterstützend finden und ihnen diese Funktion mehr Sicherheit gibt. Wenn das Kind dann noch eine Pumpe mit Hypo-Abschaltung nutzt, sind viele Lehrer beruhigt.

Nutzt ein Kind FGM (FreeStyle Libre), sehen die Lehrer schnell den Vorteil, zwischendurch ohne Aufwand den Sensorwert ablesen zu können. Allerdings müssen sie auch wissen, dass es manchmal noch nötig ist, blutig zu messen. Unsere Empfehlung: bei Sensorwerten unter 80 und über 300 mg/dl (unter 4,4 und über 16,7 mmol/l). Wir sagen aber immer dazu, dass das unsere Empfehlung ist, die von den Empfehlungen der Eltern abweichen kann.

Wir sagen parallel auch den Eltern, dass wir diese Informationen an den Lehrer rausgegeben haben. Das ist eine Gratwanderung, denn wir können den Familien natürlich nichts vorschreiben. Wir machen nach allen Seiten transparent, wer welche Informationen von uns bekommen hat.

Schwerpunkt „CGM in der Schule“

von Ulrike Blank
Diabetesberaterin am Diabeteszentrum am Olgahospital Stuttgart


Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2018; 10 (4) Seite 14-15