Die Insulinpumpe auf komfortable und stylische Weise tragen – das ist für die Träger*innen von Ruby Limes-Unterwäsche mit integrierter Pumpentasche kein Problem. Ein Interview mit Ruby Limes-Inhaberin Frida Lüth über ihr Faible für Pantys und Tops, Funktionalität und Design – und wie sich die Pumpentasche zweckentfremden lässt.

Im Interview:


Frida Lüth ist die Gründerin und Inhaberin von Ruby Limes. Sie entwirft und vertreibt Unterwäsche für Menschen, die eine Insulinpumpe tragen. Sie selbst hat keinen Diabetes. Aber Unterwäsche designen und nähen – das macht sie schon seit 15 Jahren mit großer Leidenschaft, zunächst nur für sich selbst, später auch für andere. So wurde auch eine Pumpenträgerin auf ihre Sachen aufmerksam.
Ihre Wünsche – und die Erfahrungen und Wünsche von vielen weiteren Pumpenträgerinnen, von Ärzt*innen und Diabetes-Expert*innen – ist in die Entwicklung der Ruby Limes-Unterwäsche eingeflossen.

Eine gute Lösung für die Insulinpumpentasche zu finden, war gar nicht so einfach … Mittlerweile werden Pantys/Boxershorts, Bustiers,Tops und Armloops angeboten – vieles davon gibt es im Kirchheim-Shop, worauf wir sehr stolz sind ;) In die eingenähten Taschen passen alle gängigen Pumpen, das hat Frida Lüth auf dem T1Day extra noch einmal getestet.

© Ruby Limes Ɩ Von Ruby Limes gibt es funktionale und schicke Unterwäsche für Damen und Herren.

Steckbrief
  • Name: Frida Lüth
  • Alter: 33 Jahre
  • Kommt aus Hamburg, lebt aber schon seit über 10 Jahren in Berlin
  • Ausbildung/Beruf: Studium Journalismus- und Medienkommunikation, viele Jahre in der Filmbranche beschäftigt, dann Gründung von Carida Products mit der Marke Ruby Limes im Jahr 2018
  • Diabetes-Typ: Typ B (B steht für Beruf)

Im Interview erzählt Frida Lüth, was es mit ihrem Faible für Unterwäsche und mit den Ruby Limes-Produkten auf sich hat.


diabetes-online: Frau Lüth, woher kommt eigentlich der schöne Name Ruby Limes?
Frida Lüth:
Der Name ist rein farb- und klangbasiert. Die Farben Rubinrot und Limettengrün standen, bevor es den Namen gab.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Unterwäsche für Pumpenträgerinnen zu entwerfen und anzubieten?
Frida Lüth:
Eigentlich habe ich gerade an einem anderen Geschäftsmodell im Bereich Wäsche gearbeitet, als eine Bekannte auf mich zukam und fragte, ob ich nicht eine schöne Lösung für eine Insulinpumpentasche in der Wäsche habe. Sie trug ihre Insulinpumpe immer ohne Tasche in der Wäsche, was natürlich suboptimal war. So wurde ich das erste Mal auf das Problem aufmerksam.

Unterwäsche von Ruby Limes ...
... finden Sie im Kirchheim-Shop. Angeboten werden Pantys für Damen, ein Damen-Bustier und eine Boxershorts für Herren.

Die gesamte Entwicklungsphase der Pantys hat dann über ein Jahr gedauert. Es gab über 12 Testrunden mit vielen Insulinpumpenträgerinnen und verschiedenen Taschenvarianten. So hat sich nach und nach die erste Variante ergeben.

"Was eine Funktion hat, muss nicht funktional aussehen"

Wie wichtig ist für Sie das Design der Unterwäsche?
Frida Lüth:
An oberster Stelle neben der Funktion steht für mich, dass sich die Wäsche von außen nicht von herkömmlicher Wäsche unterscheiden lässt. Was eine Funktion hat, muss nicht immer gleich funktional aussehen. Es soll immer auch Spaß machen, Ruby Limes-Produkte zu tragen. Und es soll auch Menschen ohne Diabetes Spaß machen, die Sachen anzuziehen.

© Ruby Limes

Haben Sie schon mitbekommen, dass Ruby Limes-Unterwäsche zweckentfremdet wird?
Frida Lüth:
Tatsächlich höre ich immer wieder von Nicht-Diabetikern, die die Tasche umfunktionieren: für den Schlüssel beim Laufen, das Geld beim Tanzen oder im Urlaub. Ich selber trage tatsächlich täglich meist mehr als ein Ruby Limes-Wäschestück mit Tasche. Normalerweise nutze ich die Funktion nicht, außer ich gehe joggen, dann passt gut der Schlüssel rein oder in die Tasche des Tops auch mal der iPod. Aber die Wäsche ist auch so super bequem und hochwertiger als Standardware.

© Ruby Limes Ɩ Innenansicht eines Ruby Limes-Pantys.

Machen Sie vom Design bis zur Entwicklung der Schnittmuster alles selbst?
Frida Lüth:
Ich entwerfe immer den Basisschnitt und probiere den auch selbst aus. Und dann habe ich eine Frau, die vom Fach ist, die das auch studiert hat und den Schnitt auf Papier bringt und die Gradierung macht, den Schnitt also auf die verschiedenen Konfektionsgrößen umrechnet.
Und beim Designen und Nähen von Unterwäsche steckt sowieso noch viel mehr dahinter, als man denkt, zum Beispiel wenn es um die Stoffe, die Eigenschaften der Stoffe und die Kombination von verschiedenen Materialien geht.

Bei Ruby Limes sind faire Arbeitsbedingungen und eine umweltfreundliche Produktion sehr wichtig. Warum?
Frida Lüth:
Ich finde jeder, der etwas produziert, sollte sich dafür verantwortlich fühlen, darauf zu achten, wie produziert wird. Ich möchte guten Gewissens schlafen können und meine Kund*innen sollen das auch. Bei uns kommen sämtliche Materialien von 13 Zulieferern aus insgesamt 8 europäischen Ländern. Jeder einzelne Artikel wird von mir geprüft und durchläuft mehrere Tests, bevor er ins Sortiment kommt.

"Ich schätze es sehr, dass die Diabetes-Community so offen ist"

Jetzt sind sie ja Typ B – das bedeutet, Sie haben beruflich mit Diabetes zu tun. Welchen Eindruck haben Sie von der Diabetes-Community?
Frida Lüth:
Dadurch, dass es so ein Nische ist, gibt es einen sehr engen Kontakt zu meinen Kundinnen und Kunden. Und gerade jetzt, in der Corona-Krise, melden sich manche und fragen, wie es geht. Und auch sonst gibt es viel Kontakt, Kund*innen melden sich mit ihren Wünschen, und ich fühle mich durch die vielen positiven Rückmeldungen sehr unterstützt. Das ist sehr schön!

Die Diabetes-Community ist eine wahnsinnig tolle und unterstützende Community – das merke ich auch als Nicht-Diabetikerin. Man braucht ein bisschen, bis man einen Überblick hat, aber inzwischen schätze ich es sehr, dass das so eine offene und nette Community ist.

Wie läuft es während der Corona-Krise?

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihr Geschäft, auf Ihre Arbeit aus?
Frida Lüth:
Auf die Arbeit eigentlich wenig. Ich arbeite ganz normal weiter, der Versand läuft auch ganz normal weiter, mit Ausnahme in die USA. Ich denke, man muss erst mal ruhig bleiben und abwarten, was passiert.

Sie haben natürlich Zulieferer für das Material und genäht wird ja auch im europäischen Ausland: Gibt es da Probleme oder sehen Sie da Probleme auf sich zukommen?
Frida Lüth:
Das muss man mal abwarten. Ich habe das Glück, dass ich im Februar eine große Produktion in Auftrag gegeben hatte. Erst einmal habe ich also genug Ware da. Außerdem habe ich immer recht viel Reserve an Stoffen und Spitze auf Lager, so dass ich nicht sofort in die Bredouille komme.

Ich muss jetzt natürlich gucken, wie es weitergeht, bei meinen Stoffhändlern, meinen Spitzenhändlern. Insgesamt habe ich 13 Zulieferer aus 8 verschiedenen Ländern. Bis jetzt habe ich aber noch nichts Negatives gehört. Produziert werden die Ruby Limes-Produkte in einem Familienbetrieb in Tschechien. Dem geht es gut, dort werden gerade im staatlichen Auftrag Masken genäht.

Unterwäsche von Ruby Limes ...
... finden Sie im Kirchheim-Shop. Angeboten werden Pantys für Damen, ein Damen-Bustier und eine Boxershorts für Herren.

Interview: Nicole Finkenauer