Medizinische Fachgesellschaften äußern sich zum Entwurf des Bundesernährungs­ministeriums für eine Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten: Sie fordern 50 Prozent weniger Zucker in Softdrinks und keine an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Produkte.

Wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften haben den kürzlich bekannt gewordenen Entwurf des Bundesernährungsministeriums für eine Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten kritisiert. Laut Deutscher Diabetes Gesellschaft (DDG) seien zwar einige der darin enthaltenen Punkte durchaus begrüßenswert, gerade an den für Übergewicht besonders relevanten Punkten bleibe die Strategie jedoch hinter dem zurück, was angesichts der hohen Raten von Übergewicht in Deutschland notwendig wäre.

DANK und DDG fordern, dass der Zuckergehalt in Softdrinks halbiert wird

Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), sieht ebenfalls Mängel: „Die Reduktionsstrategie schwächelt ausgerechnet bei den entscheidenden Themen Softdrinks und Kindermarketing. Bei Softdrinks reicht es nicht, wenn Bundesernährungsministerin Julia Klöckner eine ‚deutlich zweistellige Zuckerreduktion‘ fordert – darunter kann die Industrie auch eine verhältnismäßig geringe Reduktion von 15 oder 20 Prozent verstehen. Notwendig ist für herkömmlich süße Cola und Limonade eine Zuckerreduktion um 50 Prozent. Dass sich diese technisch schnell umsetzen lässt, beweist das Beispiel Großbritannien.“

Auch die DDG fordert eine Halbierung des bisherigen Zuckergehalts in Softdrinks: „Angesichts der Tatsache, dass Softdrinks als zusätzliche Kalorienträger einen großen Einfluss bei der Entstehung von Übergewicht haben, appellieren wir dringend an Frau Klöckner bei den konkreten Vereinbarungen mit der Industrie diese Zielmarke zu erreichen“, kommentiert DDG-Präsident Prof. Dr. med. Dirk Müller-Wieland den Entwurf für die Reduktionsstrategie. „Die deutsche Politik ist in diesem Punkt deutlich zu wenig ambitioniert.“

Sollte es zudem nicht bis Ende 2020 zu einer messbaren Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten kommen, seien gesetzliche Schritte notwendig: „Wir erwarten, dass Frau Klöckner dann entsprechend nachbessert“, so Müller-Wieland, vor dem Hintergrund der alarmierenden Daten dürfe damit nicht bis 2025 gewartet werden. „Wir hoffen sehr, dass die Industrie jetzt diese letzte Chance nutzt“, pflichtet Bitzer bei: „Die in DANK zusammengeschlossenen medizinischen Fachgesellschaften werden den Prozess genau verfolgen und Frau Klöckner beim Wort nehmen.“ Die Ministerin hat in Richtung Industrie angekündigt, bei „fehlender Bereitschaft zur Zusammenarbeit regulatorische Maßnahmen zu prüfen“.

Absatzinteressen der Industrie dürfen nicht vor Kinderwohl gestellt werden

Als unzureichend kritisiert DANK auch das Ziel, dass Produkte mit Kinderoptik „keine ungünstigere Nährstoffzusammensetzung aufweisen sollen als solche, die sich nicht speziell an Kinder wenden“: „Es ist kein Fortschritt, wenn Kinderprodukte genauso ungesund wie normale Produkte sind“, sagt Bitzer: „Hier wird ausgerechnet eine besonders vulnerable Gruppe nicht geschützt, vermutlich um Absatzinteressen der Industrie nicht zu beschränken.“

DANK fordert, an Kinder und Jugendliche gerichtetes Marketing ganz zu verbieten, wenn das Produkt nicht nach den Maßstäben der Weltgesundheitsorganisation als gesund eingestuft werden kann (Nutrient Profiling Tool). Müller-Wieland ergänzt:: „Spezielle Kinderlebensmittel sind eigentlich gänzlich unnötig. Wenn überhaupt, sollten sie eine besonders günstige Nährstoffzusammensetzung aufweisen.“ Die DDG ruft die Bundesregierung daher dazu auf, hier der Aufforderung der EU nachzukommen und entsprechende gesetzliche Regelungen zu erlassen, um an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohen Gehalten an Zucker, Fetten und Salz zu unterbinden.

Die vollständige Stellungnahme der DDG, die heute dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft übermittelt wurde, finden Sie auf der Website der Fachgesellschaft.


Quelle: Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) | Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) | Redaktion