Gestern wurde die Heimspielwochen-Folge der Show „Ewige Helden“ (immer dienstags um 20.15 Uhr auf Vox) von Gewichtheber und Typ-1-Diabetiker Matthias Steiner gesendet. Konnte der „stärkste Mann der Welt“ seinen Vorteil nutzen? Was erzählte er über seine Diabetes? Und: Was was macht eigentlich einen Helden aus?

Heimspielwoche! Das bedeutet, dass Matthias Steiner einen sportlichen Wettkampf auswählen durfte, der etwas mit seiner Sportart zu tun hat und bei dem er vermutlich seine Stärken besonders gut ausspielen kann. „Ich habe schon darauf geachtet, dass wir beiden gut wegkommen“, sagte er zu Anfang der Sendung zu Bobsportler Kevin Kuske, mit 119 Kilogramm Körpergewicht noch etwas schwerer als er selbst.

© TVNOW/Markus Hertrich | Die "Ewigen Helden" (von links): Skispringer Sven Hannawald, Gewichtheber Matthias Steiner, Bobsportler Kevin Kuske, Eishockeyspieler Christian Ehrhoff, Biathletin Andrea Burke, Handballerin Nadine Krause, Boxerin Susi Kentikian, Degenfechterin Britta Heidemann.

Ehrlich, berührend: Matthias Steiners Rückblick auf sein Leben, seine Sportkarriere

Aber natürlich war nicht nur das Heimspiel war Gegenstand der Folge der "Ewigen Helden", in der Matthias Steiner im Mittelpunkt stand - auch seine Karriere, und sein Privatleben nehmen viel Raum ein.

Ein wichtiges Thema ist natürlich der Tod seiner ersten Frau Susann durch einen Autounfall im Jahr 2007 und der Weg zur olympischen Goldmedaille im Jahr darauf. Darüber konnte man über die Jahre schon viel erfahren, und die meisten haben wohl auch noch das Bild im Kopf, wie Matthias Steiner die Goldmedaille mit einem Bild seiner verstorbenen Frau in der Hand entgegennimmt.


»Ich war mal ein kleiner Junge, der große Träume hatte. (...) Das Schicksal hat mich ein paar Mal gnadenlos und ungefragt getroffen. Heute bin ich ein glücklicher Mensch.«


© Vox; Screenshot: Kirchheim-Verlag | Matthias Steiner mit 10 Jahren bei seinem ersten Wettkampf.

Und der Diabetes?

Zu den Ereignissen, die sein Leben bis heute bestimmen, gehört auch die Diabetes-Diagnose, die Matthias Steiner an seinem 18. Geburtstag bekommen hat. Seinen Freunden war schon in den Wochen zuvor aufgefallen, dass er sehr viel trank - 8 Liter waren es am Tag.

Dann bekam er kurz vor der Führerscheinprüfung Probleme mit den Augen, konnte nur noch schlecht sehen. Er landete schließlich in der Augenambulanz, wo man gar nicht seine Augen anschaute, sondern seinen Blutzucker testete. Der Wert: 412 mg/dl. Die Diagnose: "Herr Steiner, Sie sind jetzt Diabetiker Typ 1."

Es geht weiter - mit und trotz Diabetes

"Sie sind krank", sagten ihm die Ärzte. Und auch: Er dürfe jetzt keinen Sport mehr machen. Auch dass er normal arbeiten kann, wurde wohl angezweifelt. Mit seinem Vater saß er tränenüberströmt da, wusste nicht, wie es weitergehen soll und spürte eine große Machtlosigkeit.

Nach einer Woche aber merkte er: "Meinem Körper geht es jetzt nicht so schlecht." Er wollte wieder Sport machen. "Das dürfen Sie nicht", sagte man ihm. Aber genau das wollte Matthias Steiner nicht akzeptieren. Er setzte sich - auf eigene Verantwortung, was auch schriftlich festgehalten wurde - auf den Hometrainer und merkte: "Das geht doch ganz gut!" Und er dachte auch: "Jetzt erst recht!" Es erfasste ihne eine große Wut, und er wollte zeigen, dass es auch so geht, mit und trotz Diabetes.


»Er hat sofort dem Diabetes den Kampf angesagt und wollte beweisen, dass man Leistungssport auch so betreiben kann. Er ist natürlich ein Vorbild und ein super Beispiel, dass es auch so gehen kann. «
Eishockey-Spieler Christian Ehrhoff


Mehr über die "Ewigen Helden", Matthias Steiner und seinen Umgang mit dem Diabetes

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Gewichtheben auf hohem Niveau - das geht auch mit Diabetes

Ein Jahr nach der Diagnose startete Matthias Steiner bei der Jugend-Europameisterschaft in Schweden und holte zweimal Bronze; ein Jahr später ging es zur Junioren-Weltmeisterschaft nach Tchechien. Dort lief mit dem Diabetes nicht alles rund, und die Konkurrenz war stark. Trotzdem war eine Medaille zum Greifen nah.

"Das war so ein heißer Kampf", sagt Matthias Steiner im Rückblick mit glänzenden Augen. Er holte dreimal Bronze und sagt heute: "Ich hab's geschafft trotzt Krankheit, und das war ein Wahnsinnsgefühl, das war überwältigend. Aber es war dann auch die Gier nach Mehr da, wo ich gewusst habe: Es geht mehr und ich will auch mehr."


»Ich hab's geschafft trotzt Krankheit, und das war ein Wahnsinnsgefühl, das war überwältigend. Aber es war dann auch die Gier nach Mehr da, wo ich gewusst habe: Es geht mehr und ich will auch mehr.«
Matthias Steiner


Mehr? Ja, klar!

Es kam dann ja auch noch viel mehr - bis heute. Und für alle, die noch etwas mehr über Matthias Steiner erfahren möchten, lohnt es sich sehr, die Steiner-Folge anzuschauen, mit ihm durch sein Leben zu gehen, die Bilder und Filme anzuschauen, die er mitgebracht hat.

Der liebevolle Blick auf seinen Vater, auf seinen früh verstorbenen ersten Trainer, die Initialzündung, die ihn zum Gewichtheben gebracht hat (ein Mädchen war schuld!) und natürlich Bilder von seinem Olympiasieg 2008 - all das hat auch die anderen Athleten sehr berührt. Nach seiner Sportkarriere hat Matthias Steiner 45 Kilogramm abgenommen, entwickelte das Fitness- und Ernährungsprogramm „Steiner Prinzip“, hält Vorträge und engagiert sich auch in der Aufklärung zum Thema Diabetes.

Die Kapitel 2 und 3 seiner Folge bei den "Ewigen Helden" gibt einen guten Einblick. Wer sich die Sendung anschauen möchte, kann dies auf dem Internetportal TVNOW kostenlos tun hier geht's direkt zu Kapitel 3 .

Wie geht Matthias Steiner bei den "Ewigen Helden mit dem Diabetes um?

Wie sich der Athlet Steiner mit seinem Diabetes auf die Wettkämpfe bei den "Ewigen Helden" einstellt, wird in der Sendung selbst nicht erklärt. Gut sichtbar ist aber oft der Sensor seines CGM-Systems, den er am Oberarm trägt. Wer mehr über die Wettkampfvorbereitungen mit Diabetes wissen möchte, wird fündig auf Steiners eigener Homepage. Dort beschreibt er im Detail, wie er damit umgeht, dass er im Grunde nie weiß, welche Art von Belastung als nächstes auf ihn zukommt – und warum er froh ist, alle Diabetes-Utensilien während des Fluges im Handgepäck gehabt zu haben.

© TVNOW/Markus Hertrich | Bei einem Wettkampf aus Folge 2 ist Matthias Steiners CGM-Sensor gut zu sehen.

Und wie haben die anderen auf den Diabetes reagiert? Auch dazu äußert er sich ausführlich auf seiner eigenen Seite; hier mal ein Zitat aus dem Erfahrungsbericht:


»Das Verständnis für meinen Diabetes Typ 1 war da, aber ich glaube so recht verstanden haben es die Wenigsten. Und das meine ich durchaus nicht böse, denn wenn ich als Betroffener schon 1-2 Jahre brauche, um nach der Diagnose alles zu verstehen, wie soll ein Gesunder damit umgehen, wenn es noch nicht mal sein privates Umfeld betrifft.«


Was ist ein Held? Sind die Athleten aus „Ewige Helden“ wirklich Helden?
Was ist ein Held? Diese Frage beschäftigt einige Menschen stark, die sich auf Facebook zu den bisher erschienenen Artikeln zur Show „Ewige Helden“ äußern. Was könnten die Kriterien für Heldentum sein? Das grundlegende Kriterium ist wohl: Helden haben eine nicht alltägliche Leistung vollbracht.

Wer zum Helden wird, hängt dabei immer von den geltenden gesellschaftlichen Idealen ab. Und natürlich kann auch jeder für sich selbst definieren, was ein Held ist – oder für sich feststellen, dass es gar keine Helden gibt.

Bei den „Ewigen Helden“ im Fernsehen ist es doch so: Den Titel der Show haben die teilnehmenden Sportler nicht selbst gewählt. Keiner der Athleten aus dieser oder auch aus vorhergehenden Staffeln bezeichnet sich wohl selbst in vollem Ernst als „ewigen Helden“ – wenn überhaupt. Hier sollten die Zuschauer trennen zwischen dem werbewirksamen Show-Titel und den Sportlern, die an der Show teilnehmen.

Spürbar wird für die Zuschauer allerdings der Stolz der Athleten auf die eigenen Leistungen während der Sportkarriere und auch die Bewunderung der Wettbewerber für die Leistungen der anderen. Und das darf auch sein, genauso wie jeder von uns auf Leistungen im eigenen Leben stolz sein darf.

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"Schwergewicht": ein faires Spiel

Aber zurück zum Wettkampf: Gewinnen konnte Matthias Steiner seinen Wettkampf "Schwergewicht“ während der „Dicken-Woche“ (Kuske) nicht. Bei "Schwergewicht" musste jeder Athlet 10 Sandsäcke mit jeweils einem Zwanzigstel des eigenen Körpergewichts auf einen schmalen Balken oberhalb der eigenen Körpergröße heben. Wer das geschafft hat, läuft zur Fahne. Der Ausscheidungswettkampf ging über mehrere Runden - bis ein Sieger ermittelt war.

Steiner hätte selbst am liebsten das Gewicht über die Runden immer weiter gesteigert – das wäre ihm entgegengekommen. Aber die Verletzungsgefahr für die anderen war zu hoch: „Das möchte ich nicht.“ Außerdem sagt er: „Ich fände es ein bisschen langweilig, wenn ich jetzt so einen Durchmarsch mache und alle in Grund und Boden hebe, und deshalb ist es so modifiziert, dass jeder eine Chance hat.“

Nach einer kleinen Demonstration zum richtigen Gewichtheben und einer kurzen Gelegenheit, die Sackhebe-Technik auszuprobieren, ging’s dann los. Gefragt waren: ein gespannter Rücken und Kraft aus den Beinen, außerdem Schnellkraft und Präzision.

Aus in der vierten Runde

In der ersten Runde scheidet Bobsportler Kevin Kuske aus, Steiner schlägt die Fahne als Fünfter an. Vorne mit dabei: Biathletin Andrea Henkel, die leichteste der Gruppe. Über die Runden zeichnet sich ab, dass einige besser mit dem „Schwergewicht“-Spiel zurechtkommen als Gewichtheber Steiner selbst. Im dritten Durchgang ist er eigentlich Letzter – es rettet ihn, dass ein Sandsack von Eishockey-Spieler Christian Ehrhoff heruntergefallen ist. Im vierten Durchgang ist das Spiel für Matthias Steiner dann zu Ende: Zu viele Säcke fallen ihm herunter, und Handballerin Nadine Krause ist vor ihm an der Fahne.

© TVNOW/Markus Hertrich | Handballerin Nadine Krause beim Spiel "Schwergewicht".

Die Leichteste gewinnt das „Schwergewicht“

Und wer hat gewonnen? Ganz knapp Andrea Henkel vor Boxerin Susi Kentikian, Matthias Steiners Favoritin. Matthias Steiner ist die Enttäuschung über seinen fünften Platz im eigenen Heimspiel anzusehen: "Meine Woche ist vorbei. Ich bin nicht unzufrieden, aber dafür, dass es meine Woche war, hätte es noch ein bisschen besser laufen können. Aber er bleibt zuversichtlich – und hofft auf die Wochen, die noch kommen."

Nächste Woche hat Degenfechterin Britta Heidemann ihr Heimspiel. Im Fernsehen läuft die Sendung am Dienstag, 12. März, um 20.15 Uhr auf Vox. Den Trailer zur Sendung können Sie sich jetzt schon anschauen; zudem gibt es hier ein Porträt der Europameisterin, Weltmeisterin und Olympiasiegerin.


von Nicole Finkenauer
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