Wer schwimmen will, hat schlechte Karten, schreibt Bestsellerautor Hans Lauber in seiner aktuellen Kolumne. Denn immer mehr Bäder werden geschlossen.

Sich regen, bringt Segen, weiß der Volksmund – und er hat recht! Bewegung ist die preiswerteste „Medizin“ für ein langes Leben. Sie kostet wenig und hat nur wenige Nebenwirkungen. All das ist bekannt. Aber all das spielt im Leben der meisten Menschen keine wirkliche Rolle.

Das hat gerade wieder eine aktuelle Studie der Sporthochschule Köln im Auftrag der Krankenkasse DKV ergeben. Danach wurde ermittelt, dass nur 43 Prozent der Befragten das Mindestmaß an körperlicher Aktivität erreichen – und dieser Wert ist im Vergleich zu 2010 um fast 20 Prozent zurückgegangen. „Ein trauriges Ergebnis“, nennt das der Studienleiter Prof. Ingo Froböse, denn damit werde der Weg für zivilisatorische Krankheiten, wie Bluthochdruck, Diabetes und Übergewicht geebnet.

Wie kommt so etwas, frage ich mich? Bewegung ist doch ganz einfach: Turnschuhe an – und loslaufen. Aufs Fahrrad steigen – und losradeln. Nun, ich gebe zu, dass bei der derzeitigen Mörderhitze es sogar mir manchmal schwer fällt, rauszugehen. Da würde ich gerne Schwimmen – und nicht nur ich, denn vielen fällt das Laufen schwer, ist gerade bei zu vielen Pfunden auf den Rippen oft kontraproduktiv. Da ist Schwimmen ideal, weil es den Bewegungsapparat entlastet.

Nur, das Schwimmen wird immer schwieriger: So hat die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen festgestellt, dass seit dem Jahr 2000 in Deutschland jedes zehnte Schwimmbad geschlossen wurde – und der Abwärtstrend in unserem scheinbar so reichen Land geht unvermindert weiter. Das führt dazu, dass nur noch 60 Prozent aller Schüler eines Jahrgangs als sichere Schwimmer gelten. Eine Folge dieser unheilvollen Entwicklung: Immer mehr jugendliche Typ-2-Diabetiker – eine Stoffwechselstörung, die vor Zeiten einmal Altersdiabetes hieß.

Marode und veraltet In vielen Städten geht die Besucherzahl deutlich zurück, weil viele Bäder veraltet und marode sind und manche teilweise erst am Nachmittag öffnen. So hat die Badewesen-Gesellschaft einen Investitionsstau von fast fünf Milliarden Euro errechnet. Immer wieder wird gerade auch bei Diabetes-Kongressen mehr Prävention gefordert – und dann passiert in der Praxis: Nichts. Wann geht es endlich in die Köpfe der Verantwortlichen, dass sich Investitionen in Prävention „rechnen“.

Aber allein mit dem Bau und der Reparatur von Bädern wird es nicht getan sein. Wir brauchen auch einen anderen Umgang in den Bädern. Wenn ich etwa in Köln versuche, zu schwimmen, dann habe ich kaum eine Chance. Weil wir eine so tolle, regelfreie Gesellschaft sind, darf in den Bädern jeder reinspringen, querschwimmen – sodass es wenig Freude macht, einmal 500 Meter am Stück zu schwimmen. Sicher Spaß darf sein, aber nur mit Spaß hört der Spaß auch irgendwann auch auf.

Auf ins „Waldbad“!

Aber es gibt lohnenswerte Ausnahmen: Eine ist das „Waldbad“ in Köln Dünnwald. Wörtlich zu nehmen ist der Name, denn das von engagierten Bürgern privat betriebene Schwimmbad ist von Bäumen umgeben – und bietet gerade im heißen Sommer eine willkommene Erfrischung. Auch ist es dort in einem großen Becken (es gibt noch zwei Nichtschwimmerbereiche) möglich, längere Strecken zu schaffen – und so bin neulich endlich wieder einmal tausend Meter geschwommen.

Das macht hungrig – und da lohnt sich das direkt neben dem Bad liegende Gasthaus „Wildwechsel“, das zu zivilen Preisen in der Gaststube und im schönen Biergarten eine ordentliche Küche bietet.


von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Website: www.lauber-methode.de