Ein kluger Werbeslogan bringt die Stimmung des Landes genial auf den Punkt: Wollen, ohne wirklich zu wollen.

In ihren besten Momenten gelingt es der Werbung, ein in der Luft liegendes Gefühl in einen packenden Slogan zu gießen. Etwa im Jahr 1958 mit dem Satz: „Der Duft der großen weiten Welt: Peter Stuyvesant“. Damit griff die Zigarettenmarke aus dem Hause Reemstma die Sehnsucht der Deutschen nach dem Krieg auf, wieder die Welt zu erobern – diesmal allerdings auf friedlichem Weg als Touristen. So war dieser Slogan einer der Wegbereiter für den Aufstieg der Deutschen zum Reiseweltmeister.

Ähnlich wirkungsmächtig könnte der Slogan „Aufhören ohne aufzuhören!“ werden. Wiederum stammt er aus der Zigarettenindustrie, inzwischen in der modernen Variante als E-Zigarette. Vermittelt werden soll den Rauchern der Marke „Blu“, dass sie mit Laster aufhören können, ohne wirklich aufhören zu müssen. Ob das in der Praxis funktioniert, darf bezweifelt werden, denn auch die E-Variante hat deutliche Nebenwirkungen. Aber darum geht es nicht wirklich. Sondern es geht um ein Gefühl, das viele Menschen auch fern des Rauchens umtreibt:

Nämlich, dass es so nicht weitergehen kann mit unserer Art zu leben; dass das immer mehr, immer weiter, immer schneller an ein Ende stößt, etwa durch die Veränderung des Klimas. Das wissen die Leute, aber sie wissen auch: Wirklich etwas zu ändern, das kostet Kraft, weshalb es sich die meisten einrichten in der Behaglichkeit von „Aufhören ohne aufzuhören“. Dieses Wollen, ohne wirklich zu wollen, lässt sich an drei Beispielen gut illustrieren:

Es lebe die Illusion: Werbeversprechen

Übergewicht. Zu viele Pfunde sind eine der Haupursachen für die gravierende Ausbreitung des Typ-2-Diabetes. Doch bei den populären Ratschlägen fürs Abnehmen fallen immer wieder dieselben Begriffe: „Ein bisschen, ein Stückchen“. Ein bisschen sündigen geht, ein Stückchen Kuchen geht auch noch – und am Ende des Jahres haben wir wieder ein paar Hunderttausend neue Diabetiker. Aufhören ohne aufzuhören wird hier abgewandelt in das Karnevalsmotto „Allen wohl und niemand weh“.

Natur. Die Vielfalt der Arten, die Zahl der Bienen und Vögel schwinden rapide. Eine wesentliche Ursache dafür ist die heutige industrialisierte Landwirtschaft, die der kreativen Natur keine Räume mehr lässt. Ein Aufhören wäre dringend geboten. Doch die Bauern denken nicht daran, demonstrieren sogar gegen schärfere Düngerregeln, welche die Verseuchung des Grundwassers eindämmen sollen. Die Politik unterstützt das sogar noch und flüchtet sich in Scheinmaßnahmen wie andere Messmethoden, die aber nur eines bewirken: Rasenden Stillstand.

Angela Merkel. Seit Jahren fordern viele den Rückzug der ewigen Kanzlerin. Doch nun da sie ernst macht und nicht mehr antreten wird, ist es auch wieder nicht recht. Denn plötzlich fällt den Kritikern auf, dass ja jemand die unangenehme Arbeit machen muss. Vielleicht ginge „Aufhören ohne aufzuhören“, hoffen viele heimlich. Aber nicht mit Angela Merkel. Sie wird aufhören. Schließlich muss doch endlich einmal jemand anfangen mit dem Aufhören. Dem endgültigen.


von Hans Lauber
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