Falsche Fußpflege führt oft zu kleinen Verletzungen, die sich entzünden – und unter Umständen sehr schwer abheilen. Pflegen Sie deshalb Ihre Füße richtig: Es ist gar nicht so schwer, und es gibt Experten, die Ihnen helfen.

Aus einer harmlosen Wunde kann sich ein Geschwür (Ulkus) entwickeln – und das kann letztlich eine Amputation zur Folge haben. Wie aber lässt sich ein Ulkus und damit auch meist eine Amputation vermeiden?

Ein Geschwür am Fuß entsteht häufig aus einer kleinen Verletzung, verursacht vor allem durch falsche Fußpflege – z. B. wenn Menschen mit diabetischer Neuropathie (Nervenschädigung) einen Hornhauthobel oder eine scharfkantige Feile benutzen – oder auch durch kleine Blasen oder Blutergüsse nach dem Sport. Weil durch die Neuropathie das Schmerzempfinden vermindert ist oder ganz fehlt, wird die Gefahr einer Infektion oft unterschätzt!

Profis helfen bei der Fußpflege

Insbesondere Patienten mit einer bekannten diabetischen Polyneuropathie und ggf. zusätzlich mit einer Durchblutungsstörung brauchen eine fachgerechte Fußpflege, wie sie in der Regel von Podologen (medizinischen Fußpflegern) angeboten wird.

Die große Gefahr bei der Fußpflege ist nämlich, dass durch eine sehr kleine Verletzung ein großer Schaden angerichtet werden kann, weil – besonders wenn auch Durchblutungsstörungen vorliegen – die Wunde nicht mehr heilt. Auch bei Patienten, die ein gerinnungshemmendes Medikament (z. B. Marcumar, Xarelto, Pradaxa) einnehmen, ist bei der Fußpflege besondere Vorsicht geboten.

So beugen Sie selbst vor

Medizinische Fußpflege ist bei Diabetikern mit bekannter Neuropathie kein Luxus! Und auch bei Patienten, die ihre Füße nicht mehr selbst pflegen können, weil sie z. B. sehbehindert sind oder mit ihren Händen Probleme haben (etwa durch Parkinson-Syndrom), ist medizinische Fußpflege eine Sicherheitsmaßnahme. So lassen sich Verletzungen und somit möglicherweise eine Amputation verhindern. Sie selbst können aber auch viel tun, um vorzubeugen:

  • Kontrollieren Sie täglich Ihre Füße auf Hornhautschwielen, kleine Geschwüre, Pilze zwischen den Zehen und auf den Nägeln, auf Blutergüsse, Druckstellen und auf Hühneraugen und Blasen.
  • Absolut verboten bei der Fußpflege sind scharfe Rasierklingen, Hornhauthobel, ätzende Mittel (z. B. Alaunstift) und auch Messer, außerdem Hühneraugenpflaster, denn die enthalten Salicylate, die die Haut abätzen können.
  • Waschen Sie Ihre Füße regelmäßig und trocknen Sie sie gründlich ab – auch zwischen den Zehen. Die Füße beim Baden einzuweichen, ist eher schädlich, da es die Haut empfänglicher macht für Pilze und weitere Erreger.
  • Cremen Sie die Füße regelmäßig mit harnstoffhaltigen Cremes ein: nach dem Duschen und Waschen und auch, nachdem Sie einen Bimsstein benutzt haben.
  • Wechseln Sie die Strümpfe täglich und tragen Sie möglichst atmungsaktive Schuhe, wenn nötig auch Schuhe mit (diabetesadaptierten) Einlagen vom Orthopädieschuhmacher.
  • Vermeiden Sie kalte Füße, denn insbesondere kalte Füße erhöhen die Gefahr für einen Fußpilz (Interdigitalmykose).
  • Vermeiden Sie Heizkissen, Wärmflaschen oder heiße Fußbäder – Sie könnten sich verbrennen oder verbrühen, und das wird bei einer Polyneuropathie häufig nicht bemerkt.

Wann zum Arzt gehen?

Neben der Durchblutungsstörung des Fußes ist die plötzliche Infektion entscheidend für den Verlauf. Außer kleinen, sich langsam entwickelnden Wunden gibt es nämlich auch schwere, sich rasch entwickelnde und lebensbedrohliche Infektionen, die sofort in der Klinik behandelt werden müssen.

Wegen der großen Gefahr einer Amputation sollten Diabetiker eine Wunde, die über mehrere Tage besteht und sich nicht bessert, sofort ihrem Arzt zeigen. Dieser kann mit der Wagner/Armstrong-Klassifikation (s. Abb. 2) sofort das Risiko abschätzen:

  • Besteht nur ein Nervenschaden?
  • Besteht ein Nervenschaden und eine Durchblutungsstörung?
  • Ist die Wunde infiziert?

Wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet werden müssen, besteht akute Gefahr für das Bein und den betroffenen Menschen.

Aber auch ein vermeintlich harmloses Geschwür mit Infektion kann zu einer Amputation führen, denn wie tief es sich in den Fuß ausdehnt, ist auf den ersten Blick oft nicht erkennbar. Und bei Diabetikern mit Neuropathie tut es ja nicht einmal weh! Röntgenuntersuchungen, eventuell aufwendige und teure Untersuchungen wie Computertomographie und Magnetresonanztomographie und Wundabstriche (Welche Bakterien sind am Werk?) helfen, die Diagnose zu sichern, um sofort adäquat behandeln zu können.

Fuß-Experten, die helfen

Um vorzubeugen, ist es auch sinnvoll, mit weiteren Fuß-Experten zusammenzuarbeiten:

Der Podologe (medizinischer Fußpfleger) kann Probleme an den Füßen der Patienten im Rahmen der regelmäßigen Versorgung sehen und behandeln und diese rechtzeitig an einen Arzt weiterleiten. Das ist besonders wichtig bei Patienten z. B. mit Neuropathie und Durchblutungsstörungen, Sehproblemen und Parkinson-Syndrom.

Der Orthopädieschumacher (-Meister) fertigt schon vorbeugend in Kooperation mit dem Arzt geeignete Einlagen an und/oder passt Therapieschuhe etc. an, wenn sich ein Geschwür entwickelt hat.

Beide Expertengruppen sind aus der begleitenden Therapie von Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom nicht mehr wegzudenken.

Schwerpunkt Diabetischer Fuß


Autor:
Dr. Gerhard-W. Schmeisl, Bad Kissingen

Kontakt:
Internist/Angiologe/Diabetologe, Chefarzt Deegenbergklinik, Burgstraße 21, 97688 Bad Kissingen, Tel.: 09 71 / 8 21-0
sowie Chefarzt Diabetologie Klinik Saale (DRV-Bund), Pfaffstraße 10, 97688 Bad Kissingen, Tel.: 09 71 /8 5-01


Erschienen in: Diabetes-Journal, 2012; 61 (9) Seite 28-30