Am Montag wurde das bundesweit einmalige Pilotprojekt „Umgang mit chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in Kindergärten und Schulen am Beispiel des Diabetes mellitus Typ 1“ vorgestellt.

Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes

Die rheinland-pfälzische Sozial- und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler stellte heute gemeinsam mit Familienministerin Irene Alt, Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann und Marlies Neese, der Vorsitzenden des Vereins „Hilfe für Kinder und Jugendliche bei Diabetes mellitus e.V.“, das Pilotprojekt „Umgang mit chronisch kranken Kindern und Jugendlichen in Kindergärten und Schulen am Beispiel des Diabetes mellitus Typ 1“ vor.

Das Projekt dient der Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes in Kindertagesstätten und Schulen. Ziel ist es, pädagogischen Fach- und Lehrkräften durch ehrenamtlich tätige, kompetente Diabetesteams fit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Diabetes zu machen und in alltagsgebräuchliche technische Hilfsmittel einzuweisen.

Das Umfeld soll unterstützend zur Seite stehen

„Ich freue mich, dass wir bei diesem deutschlandweit einmaligen und wichtigen Projekt alle an einem Strang ziehen. Es ist ein dringendes Anliegen der Landesregierung die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention zu unterstützen und dazu zählt auch die Inklusion chronisch kranker Menschen. Jedes Jahr erkranken in Rheinland-Pfalz circa 150 bis 180 Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ 1. Es ist wichtig, dass wir ihnen und ihrem Umfeld unterstützend zur Seite stehen“, so Ministerin Bätzing-Lichtenthäler.

"Für kompetent geschulte Fachkräfte ist die Erkrankung Diabetes mellitus Typ 1 gut handhabbar"

Kinder- und Jugendministerin Irene Alt betonte, dass Information im Umgang mit Kindern mit Diabetes in einer Einrichtung das A und O sei, da sie offene Fragen klärt, beruhigt und vermittelt, dass die Betreuung eines diabetischen Kindes gut zu schaffen ist. „Das beweisen all die Kita-Teams, die diabetische Kinder schon heute engagiert betreuen: Für kompetent geschulte Fachkräfte ist die Erkrankung Diabetes mellitus Typ 1 gut handhabbar und die Kinder mit Diabetes können genauso unbekümmert die Kita besuchen wie alle anderen. Das flächendeckende Angebot von Schulungen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, von dem die Kita-Teams, sowie die betroffenen Kinder und ihre Familien profitieren werden.“

Lehrkräfte brauchen fachlich fundierte Kenntnisse der Krankheit

Bildungsstaatssekretär Hans Beckmann betonte: „Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus benötigen eine besondere Rücksichtnahme, Unterstützung und Förderung in der Schule. Dies setzt voraus, dass Lehrkräfte über fachlich fundierte Kenntnisse der Krankheit verfügen. Ich bin den Initiatoren und den Kooperationspartnern des Projektes sehr dankbar, dass wir den Lehrkräften landesweit Schulungen durch diabetesspezifisches Fachpersonal anbieten können.“

Ausgrenzungen können vermieden werden

Die Initiative für das Pilotprojekt kommt vom Hilfeverein ‚Hilfe für Kinder und Jugendliche bei Diabetes mellitus e.V.‘, der auch die Trägerschaft übernommen hat. „Wir kämpfen seit Langem dafür, dass Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus Typ 1 in Kindertagesstätten und Schulen ins Alltagsleben integriert werden“, so die Vorsitzende Marlies Neese. „Eine Inklusion dieser Kinder in den Kita- oder Schulalltag durch mehr Sicherheit bei den pädagogischen Fach- und Lehrkräften ist möglich. Ausgrenzungen können damit vermieden werden“, so Marlies Neese weiter.

Seminare durch Diabetesteams

Ende Mai 2015 haben die Schulungen für pädagogische Fach- und Lehrkräfte begonnen. „Die Seminare werden von zertifizierten Diabetesteams durchgeführt, die aus Ärztinnen und Ärzten mit Weiterbildung in der Diabetologie sowie Diabetesberaterinnen und -beratern bestehen, und in ‚Train the Trainer‘-Seminaren eigens auf das Projekt vorbereitet wurden“, berichtete Dr. Dorothea Reichert für die Internistinnen und Internisten mit der Zulassung zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes.

Privatdozent Dr. Merz vom Qualitätszirkel der pädiatrischen Diabetologen Rheinland-Pfalz ergänzte: „Die Seminare erfolgen nach einem einheitlichen Curriculum und werden im Projektzeitraum bis April 2017 flächendeckend in Rheinland-Pfalz angeboten“. Die AOK-Rheinland-Pfalz stellt dafür einige der benötigten Räumlichkeiten zur Verfügung.

Unterstützung durch Bayer, Medtronic, Roche und Nintamed

Auf Basis von Handlungsempfehlungen des Bildungs- sowie des Kinder- und Jugendministeriums erfolgt ein umfassendes Einweisen in den Umgang mit Kindern mit Diabetes mellitus Typ 1. Pädagogische Fach- und Lehrkräfte erhalten zudem standardisierte Pläne für sehr selten auftretende Notfälle. Das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie unterstützt das Projekt im Rahmen der Ehrenamtsförderung mit rund 30.000 Euro für den Projektzeitraum von zwei Jahren.

Dem Verein ist es darüber hinaus gelungen, mit den Firmen Bayer, Medtronic, Roche und Nintamed vier Hersteller beziehungsweise Vertreiber technischer Hilfsmittel als Kooperationspartner des Pilotprojektes an einen Tisch zu holen. „Ich freue mich, dass wir die Firmen trotz des untereinander bestehenden Wettbewerbsverhältnisses von einer gemeinsamen Unterstützung des Pilotprojekts zum Wohle der betroffenen Kinder und Jugendlichen mit Diabetes gewinnen konnten“, so Marlies Neese. Die Firmen übernehmen die Einweisung in die diabetesspezifischen technischen Hilfsmittel und beteiligen sich finanziell an den Kosten der Seminare.

Mehr Sicherheit und Inklusion durch mehr Wissen?

Das Pilotprojekt wird durch die Universität Koblenz-Landau wissenschaftlich evaluiert. Im Fokus stehen, neben den Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1, die pädagogischen Fachkräfte als Zielgruppe. Die Evaluation soll Aussagen dazu treffen, inwiefern fachspezifisch vermitteltes Wissen dem Umfeld der Betroffenen mehr Sicherheit bringt und zu einer verbesserten Inklusion in Kindergärten und Schulen beiträgt. Von Interesse ist zudem, ob das Projekt als Vorbild für den Umgang und die Integration von Kindern und Jugendlichen mit anderen chronischen Krankheitsbildern dienen kann.


Quelle: Pressemeldung Staatskanzlei Rheinland-Pfalz