Das Insulinpumpenkolloquium am Diabetes-­Zentrum Mergentheim ist eine Veranstaltung für Pumpenträger und Menschen mit Diabetes mellitus, die ein System zur kontinuierlichen Glukosemessung tragen. Das Kolloquium 2017 stand unter dem Motto „Pumpen und Sensoren – Qual der Wahl“. Rund 230 Betroffene nahmen daran teil.

Beim Pumpenkolloquium stand im Zentrum die Vorstellung verschiedener technischer Möglichkeiten, mit denen kontinuierliche Glukosemessung und Insulinpumpentherapie heute realisiert werden können. Die Runde wurde eröffnet durch das Referat „Fortschritt, der unter die Haut geht: das erste Langzeit-CGM in Deutschland“.

Eversense: Sensor unter der Haut

Es ging um den Eversense-Sensor, der von Roche Diabetes Care Deutschland vertrieben wird: Es handelt sich dabei um einen unter die Haut gelegten Sensor, der für 90 Tage dort bleibt und über den zugehörigen Transmitter die Daten auf den Monitor überträgt (Watch, Smartphone). Der Sensor ist stäbchenförmig und wird ambulant in den Oberarm implantiert. Die Einführungswunde wird nach Eingriff mit einem Klammerpflaster verschlossen; darüber kann nach den ersten 24 Stunden der externe Transmitter angebracht werden.

Die Besonderheit des Systems: Der externe Transmitter versorgt den subkutan implantierten Sensor auch mit Energie. Der Sensor im Unterhautfettgewebe misst auf optischem Weg die Glukose (Fluoreszenz-Phänomen); der Wert wird in den Transmitter gesendet und danach dort in einen Glukosewert umgerechnet. Der Transmitter schickt den errechneten Wert z. B. an das Smartphone des Nutzers, das die empfangenen Werte mit einer App sichtbar machen kann. Die Alarmfunktion wird über den Transmitter gewährleistet, der den Träger optisch, akustisch und auch haptisch warnt.

Das bedeutet, dass auch ohne die momentane Nutzung eines Smartphones die Übertragung des Alarms an den Träger des Systems gewährleistet ist. Die App ist jedoch erforderlich, um die vom Transmitter übertragenen Daten in einen Zusammenhang zu bringen und optisch darzustellen. Sie gewährleistet auch die Tagebuchfunktion mit ergänzender Eingabemöglichkeit der Insulindosierung und der gegessenen Kohlenhydrate. Eine Übertragung auf ein modernes Device im Sinne einer Armbanduhr ist möglich.

Daten für weitere Personen zugänglich

Die zweite Präsentation beschäftigte sich mit der Frage: „CGM – was kann der Dexcom-Sensor?“ Hier wurde der neue Dexcom-Sensor vorgestellt. Interessant ist die Möglichkeit, die Daten aus dem System nicht nur persönlich zu nutzen, sondern sie über eine spezielle App weiteren Personen mitzuteilen, so dass auch im Fall der Versorgung von Kindern (Schule etc.) ein Überprüfen oder Beurteilen der Stoffwechsellage durch die Eltern möglich ist. Das System könnte gerade bei Kindern gewährleisten, dass die Eltern zusätzliche Sicherheit (Unterstützung der Dosisfindung) auch bei Abwesenheit des Kindes bekommen.

Im dritten Vortrag stellte Dr. Andreas Thomas (Medtronic GmbH) die Grundzüge der nächsten Pumpengeneration vor. Er erläuterte die Zukunftsperspektive hinausgehend über die bereits vorhandenen technischen Möglichkeiten der Hypoglykämie- und der vorbeugenden Hypoglykämie-Abschaltung: Das Kennzeichen des Hybrid-Closed-Loop-Systems sei, dass die Pumpe selbst aufgrund der Sensordaten die Zuckerkonzentration über die Basalrate steuert, ebenso ggf. auch über ergänzende Boli oder Anpassung der Basalrate. Hingegen muss der Pumpenträger noch aktiv in das System eingreifen bei Mahlzeitenboli sowie zur Anpassung bei geplanter körperlicher Aktivität.

Closed Loop braucht noch schnellere ­Insuline

Ein Closed-Loop-System ist auch dadurch gekennzeichnet, dass sogar die Mahlzeitenboli nicht mehr vom Betroffenen persönlich in die Pumpe einprogrammiert werden müssen und dadurch der Bolus ausgelöst wird. Vielmehr wird die entsprechende Insulingabe für die Mahlzeit getriggert durch den Blutzuckeranstieg. Die Teilnehmer waren sich in der Diskussion nicht sicher, ob dieses System wirklich erfolgreich arbeiten kann.

Womöglich handele es sich dabei nicht nur um eine Frage der Pumpen- bzw. der Sensortechnik, sondern auch um die Frage der Verfügbarkeit noch schneller wirksamerer Insuline: Sie müssten auch bei subkutaner Gabe noch so rechtzeitig und intensiv wirken, dass nach dem Essen überschießende Spitzen des Gewebezuckers vermieden werden können. Vielleicht könne es auch auf ein System hinauslaufen, das zwar den Closed Loop beherrscht, im Alltagsleben aber doch mahlzeitenabhängig zusätzlich vom Nutzer gesteuert wird.

Die aktive Steuerung des Systems durch den Nutzer wird wohl erforderlich bleiben gerade bei der vorbeugenden Dosisanpassung für körperliche Bewegung – wenn es bis dahin nicht besonders kurz wirksame Insuline geben wird.

Intuitive Pumpensteuerung, Flash Glucose Monitoring

Danach wurde die mylife YpsoPump mit ihren speziellen Möglichkeiten vorgestellt: Es faszinierte besonders die Steuerung der Pumpe über ein System von Icons, das völlig ohne eine Sprachführung auskommt. So wurde eindrucksvoll direkt im Hörsaal per Videokamera vorgeführt, wie rasch bei dieser Pumpe z. B. ein Reservoir-Wechsel möglich ist und wie einfach über die Icon-Tasten eine Bolusabgabe (sogar mit Variante) ausgelöst werden kann.

Das Symposium wurde abgerundet durch eine Präsentation von Abbott Diabetes Care: Die Nutzer wurden informiert über die aktuelle Weiterentwicklung der Kostenübernahme und die derzeit vorhandenen Möglichkeiten des Auslesens des Systems mit einer App. Außerdem wurden Daten aus der Alltagsversorgung von Menschen mit Diabetes vorgestellt.

Dabei ließ sich zeigen, dass es bei Nutzern zu einer Absenkung des rechnerischen HbA1c-Wertes kommt – und auch, dass sich die Rate an Hypoglykämien senken lässt. Ließe sich das nicht nur in Studien zeigen, sondern auch in der Alltagsversorgung der Patienten, so wäre einer der gefährlichsten Punkte einer besseren Einstellung – die Unterzuckerungen – aktiv angegangen!

Am Ende des Pumpenkolloquiums waren sich alle Beteiligten einig, dass dieser Tag eine Menge neuer und interessanter Informationen brachte – und auch, dass er Einblick gab in aktuelle Entwicklungen der Diabetologie.


von Dr. med. Bernhard Lippmann-Grob
Leitender Oberarzt, Diabetes-Klinik Bad Mergentheim,
Theodor-Klotzbücher-Straße 12, 97980 Bad Mergentheim,
E-Mail: lippmann-grob@diabetes-zentrum.de


Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (1) Seite 16