Eine spannende Reise mit sehr wenig Gepäck hat Familie Larisch nach England unternommen. Was sie alles erlebt haben und wie es mit dem Diabetes von Sohn Laurentius geklappt hat, erzählt Doreen Larisch in ihrem Lebensecht-Erlebnisbericht.

Zu viert im Mini One nach England

Unser Sohn Laurentius (4) hat seit zweieinhalb Jahren Diabetes und ist Pumpenträger. Aber das hält uns nicht davon ab, Urlaub der etwas anderen Art zu machen. Wir hatten im Frühjahr dieses Jahres die grandiose Idee, einen Trip nach England zu machen. Nicht etwa mit dem Flugzeug oder der Bahn – nein, mit unserem Mini One und das Ganze mit nur einem Koffer (mehr passt nicht in den Kofferraum) und zu viert.

Nach einigen Telefonaten und ein paar Vorbereitungen (genügend Teststreifen, Katheter, Insulin, Notfallspritze besorgen) ging es dann im Mai endlich los. Unser älterer Sohn Valentin (8 Jahre, kein Diabetes) konnte auch mit; die Schulfreistellung für ein paar Tage hatte geklappt.

Erst mal nach Holland ... und den Blutzucker im Blick

Unsere Reise ging zuerst nach Holland, wo wir Freunde besuchten. Während der Fahrt haben wir regelmäßig den Blutzucker gemessen, da Laurentius unterdessen schon sehr aufgeregt war. Aber alles in allem waren die Werte besser als erwartet. Als wir dann abends ankamen, gab es noch einen Katheterwechsel – und dann ab ins Bett.

Am nächsten Morgen ging es nach einem holländischen Frühstück (Nährwertangaben sind auch dort fast überall auf den Müslipackungen, Brotaufstrichen etc. drauf) in das nur wenige Kilometer entfernte Belgien zu einem tollen Kinderspielplatz. Es war herrlich schön anzuschauen, wie sich Kinder unterschiedlicher Nationalitäten verstehen. Aufgrund der vielen Bewegung hatten wir vorsorglich die Basalrate heruntergenommen.

Nachmittags ging es dann mit echten Hollandfahrrädern in die Stadt zum Stadtfest. Auch dort konnten wir erstaunlich gut (fast besser als
daheim) die BZ-Werte stabil halten.

In Calais auf die Fähre

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen, und unsere Fahrt ging weiter Richtung Calais, um mit der Fähre nach Großbritannien zu gelangen. Auf diesen Teil der Fahrt war Laurentius am meisten gespannt. Wie groß wird wohl das Schiff sein, wie viele Autos passen hinein, darf man aussteigen, fahren viele Leute mit und, und, und.

Die Überfahrt klappte ganz gut. Man konnte sogar aufs Deck, obwohl es etwas windig war. Nach gut 90 Minuten waren wir dann in England angekommen und wurden mit original englischem Wetter empfangen. Die Kreidefelsen in Dover ließen sich im Nebel und bei leichtem Nieselregen nur erahnen.

Erster Stopp in Christchurch

Die erste Herausforderung stellte sich nach der Ankunft – Fahrt auf der linken Straßenseite mit deutschem Auto. Aber das war nach ein paar Minuten gar kein Problem mehr. Außerdem gibt es etliche Hinweisschilder (DRIVE ON LEFT), sodass man sich fast wieder heimisch fühlte ;-)

Unser erster Stopp in England führte uns an der südlichen Küstenstraße nach Christchurch. Auf dem Weg dorthin – abseits der eigentlichen Hauptstraße nach London – kommt man durch urtypische kleine romantische Dörfer und den „New Forest“-Nationalpark – ein großes Waldgebiet im Süden Englands mit wunderschönen Wanderpfaden und herrlichen Picknickplätzen. Für einen größeren Abstecher dorthin war unsere Zeit zu knapp, dafür haben wir den Strand in Christchurch mit langen Spaziergängen ausführlich erkundet.

Wetter gut, Blutzuckereinstellung super

Das Wetter spielte auch mit und wurde Tag für Tag besser. Nur gut, dass wir auch Sommersachen dabeihatten. Bei Verwandtschaft haben wir zwei wunderschöne Tage verbracht, und obwohl fast ausschließlich Englisch geredet wurde, machte dies unseren Kindern nichts aus. Im Gegenteil, am zweiten Tag konnte Laurentius schon wunderbar „Good Morning – milk please“ und „Thank you“ sagen.

Die Blutzuckereinstellungen waren einfach super. Man konnte fast meinen, dass dem Diabetes das Inselklima sehr gut bekam. Auch die Nährwertangaben („carbohydrates“) sind fast überall erhältlich, sodass die Berechnung keine Schwierigkeit darstellte.

Weiter geht’s nach London!

Unsere Reise führte uns nach großem Abschiednehmen und mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen in Deutschland weiter nach London. Die Fahrt dauert nur ca. zwei Stunden quer durch London, und wir waren mitten im idyllischen Islington. Abseits des großen Hotelrummels in einer ruhigen Seitenstraße lag das familiär geführte Guesthouse. Absolut empfehlenswert, da sehr sauber, sehr nette Familie, frisch zubereitetes Frühstück, viele Insidertipps. Es gibt zwar gemeinsam genutzte Badezimmer, das war jedoch zu keinem Zeitpunkt ein Problem.

Auch in unmittelbarer Umgebung gibt es nette Lokale und einzigartige Shops. Besonders empfehlenswert: ein Trödelladen mit kultigen Sachen – die Preise sind verhandelbar – und ein wunderschönes Kinderrestaurant. Das Essen dort ist frisch und gut und der Service absolut kinderfreundlich und immer zu Scherzen aufgelegt. Abends werden auch Specials angeboten, sodass das Preis-Leistungs-Verhältnis hier echt stimmt.

Mit dem Bus unterwegs zu Londons Sehenswürdigkeiten

Zum Zentrum gelangt man direkt mit einem der 8000 doppelstöckigen Busse. Mit der Oyster Card auch bargeldlos und billiger. Die U-Bahn haben wir nicht so oft genutzt, da die Busse für die Kids aufregender waren und man gleich eine Stadtrundfahrt hatte. Ein paar Sehenswürdigkeiten wie Madame Tussauds und die Wachablösung am königlichen Palast bei strahlendem Sonnenschein waren beeindruckend.

Besonders die Fantasiefiguren in der Wachsfigurenausstellung und ein Kinofilm in 4D hatten es unseren Kids angetan. Auch ein Besuch des London Eye war ein echter Knaller, und noch heute spricht besonders Laurentius mit leuchtenden Augen davon. Die herrlichen Parks laden außerdem zum Picknicken ein und waren wunderbare Entspannungsoasen. Leckere und gesunde Snacks gibt es fast an jeder Straßenecke.

Neben den ganzen Eindrücken durfte auch das Blutzuckermessen nicht fehlen. Da fand sich aber leicht überall ein Plätzchen. Alles in allem eine wunderbare Reise mit vielen tollen Eindrücken – jederzeit gerne wieder!

Vorbereitung der Reise und Versorgung in England

In Vorbereitung auf diese Reise haben wir uns ausreichend Insulin in unterschiedlichen Gepäckstücken mitgenommen. Auch Teststreifen waren in ausreichender Menge vorhanden. Für evtl. Notfälle wäre unsere Anlaufstelle eine Klinik gewesen. Dies sollte bei einigen Englischkenntnissen kein Problem darstellen. Ansonsten kann auch über eine Auslandskrankenversicherung unter Umständen ein Dolmetscher gestellt werden.

Unsere Erfahrungen mit einem Diabeteskind in England waren durchweg positiv. Es war der erste Auslandsaufenthalt seit der Manifestation. Eine ausreichende Mitführung von Medikamenten hat uns beruhigt und somit einen angenehmen Urlaub ermöglicht. Die geringe Zeitverschiebung von einer Stunde hatte keine nennenswerte Auswirkung auf den Körper. Die Umstellung fiel somit sehr leicht.


von Doreen Larisch

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