Die Hersteller der Patchpumpe Omnipod und des Glukosesensors FreeStyle Libre 2 haben beschlossen, gemeinsam an einem System zur automatischen Insulinabgabe zu arbeiten. Mit dem CGM-Gerätehersteller Dexcom besteht ebenfalls eine Kooperation. Das Ziel in beiden Fällen: ein „Hybrid-Closed-Loop-System“, das ohne Katheter funktioniert. Das wäre neu!

Rund 200 000 Diabetiker weltweit nutzen den Omnipod, eine schlauchlose Insulinpumpe des Unternehmens Insulet, die aufgeklebt wird und von der aus eine Teflon-Kanüle unter die Haut reicht. Alle drei Tage wird dieses Einmalsystem ersetzt, das mit einer Art Fernbedienung („PDM“: „Personal Diabetes Manager“) gesteuert wird.

Aktuell arbeitet Insulet an einer Hybrid-Closed-Loop-Lösung, also an einem System der automatischen Insulinabgabe, das dafür Glukosewerte aus einem Gerät zum kontinuierlichen Glukosemonitoring (CGM) nutzt. Mit dem System MiniMed 670G von Medtronic wurde im vergangenen Jahr bereits die erste Lösung dieser Art zugelassen und in die Regelversorgung aufgenommen.

Nun will Insulet nachlegen und die erste Kombination von Insulinpumpe und CGM-Sensor entwickeln, die ohne Schlauch funktioniert. Bei Hybrid-Closed-Loop-Systemen steuert die Pumpe auf Basis der Glukosewerte selbstständig die Insulinzufuhr – nur für Mahlzeiten und große Glukosekorrekturen muss der Bolus meist noch abgegeben werden.

Für viele ein Traum: Pod + Sensor + Smartphone

Bis es das neue System aus der Kooperation tatsächlich geben wird, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. Der Fahrplan sieht wie folgt aus: Erstmal steht die nächste Generation des Omnipod-PDM – „Omnipod DASH“ genannt – in Deutschland vor der Tür. Das DASH mit integrierter Bluetooth-Technologie wird den bisherigen PDM ersetzen und in Form eines Smartphones auf den Markt kommen, mit dem man ausschließlich den Pod steuert.

Gleichzeitig wird das DASH der Zwischenschritt hin zum Omnipod Horizon sein, das Anfang 2021 in Amerika auf den Markt kommen soll. Das Horizon-System soll dann in der Lage sein, CGM-Werte zu empfangen und ist folglich die Basis für das geplante System mit Abbott und Dexcom.

Zwei (schlauchlose) Geräte am Körper – der Omnipod und ein CGM-Sensor –, die sich im Optimalfall vom eigenen Smartphone aus steuern lassen und die automatisch miteinander kommunizieren: Das wäre der Traum vieler Nutzer. Aktuell laufen Studien dazu in den USA, wo Insulet seinen Hauptsitz und seine Entwicklungsabteilung hat. Die Pläne klingen vielversprechend und könnten die Zahl der Omnipod-Nutzer nach oben treiben …

Schlagwort „Interoperabilität“
In einer immer vernetzteren Welt ist es entscheidend, dass Systeme dieselbe Sprache sprechen. Shacey Petrovic, Präsidentin und CEO des Unternehmens Insulet, machte daher anlässlich der Kooperation von Insulet und Abbott deutlich:

„Wir freuen uns, unsere Partnerschaft mit Abbott zu erweitern, indem wir auf unserer anwenderorientierten Omnipod-­Horizon-Plattform aufbauen, die eine unübertroffene Einfachheit, Präzision und nun auch die Sensor-Option bietet. Das Schlagwort der Interoperabilität wird auch auf dem Gebiet Diabetes immer wichtiger. Unser Ansatz der automatisierten Insulinabgabe wird die Zukunft des Blutzuckermanagements verändern, indem es dem Anwender mehr Wahlmöglichkeiten im Hinblick auf Algorithmen, Sensoren und die gesamte Verwendung bietet. Die Zusammenarbeit mit Abbott unterstreicht unsere gemeinsame Vision: Wir wollen Menschen mit Diabetes dabei unterstützen, ihre Erkrankung mehr in den Hintergrund treten zu lassen, um ein freieres, aktiveres Leben führen zu können.“

von Susanne Löw
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (5) Seite 12-13