Leben mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes, das Diabetes-Drama, Wirkstoffe verstehen: Diese und weitere aktuelle Themen standen im Fokus des „Exclusive Press Visit 2018“ in Bagsværd nahe Kopenhagen, dem Hauptsitz des Insulinherstellers Novo Nordisk. Bei der Veranstaltung wurde deutlich: Gutes Diabetes-Management bedeutet täglich harte Arbeit.

Das Härteste am Diabetes ist die Selbstmotivation, die jeden Tag neu starten muss“, sagte Bastian Hauck (siehe Bild oben), Gründer der Diabetes-Community #dedoc°. Vor Journalisten aus der ganzen Welt berichtete er über sein Leben mit Typ-1-Diabetes.

20 Jahre Typ-1-Diabetes: rund 12 Liter Blut, über 33 Liter Insulin

In über 20 Diabetes-Jahren pikste sich Bastian Hauck etwa 50 000-mal in den Finger, um seinen Blutzucker zu messen, gab dabei rund 12 Liter Blut ab und musste sich über 33 Liter Insulin spritzen.

Eva Deigaard Lepri aus Kopenhagen trat mit ihren Erfahrungen als Typ-2-Diabetikerin ans Mikrofon. 2005 stellte ihr Arzt bei einer Kontrolluntersuchung Typ-2-Diabetes fest. Über viele Monate, wenn nicht Jahre, hatten sich bei ihr im Vorfeld die typischen Symptome einer Diabetes-Erkrankung gezeigt: extreme Müdigkeit, plötzlicher Gewichtsverlust, häufiges Wasserlassen, starker Durst.

Eva Deigaard Lepri hat seit 13 Jahren Typ-2-Diabetes.

All diesen Beschwerden schenkte die Journalistin jedoch keine Beachtung. Dabei war ihr der Diabetes nicht unbekannt: Eltern und Großeltern hatten Typ-2-Diabetes, ihr Ehemann ist Typ-1-Diabetiker. Der Diabetes hat ihr gesundheitlich inzwischen weiter zugesetzt: Sie kämpft mit einer schweren Nervenerkrankung (diabetische Neuropathie) an den Füßen, die oft Missempfindungen wie Kribbeln und Schmerzen verursacht. Hohe Cholesterinwerte und Herzprobleme müssen zusätzlich mit Medikamenten behandelt werden.

„Ich bemühe mich immer noch, der perfekte Patient zu werden und mich gut um meine chronische Erkrankung zu kümmern“, sagt die 56-jährige Autorin, Dozentin und Designerin, die sich vom Diabetes nicht unterkriegen lässt und ein aktives Leben führt.

Neue Behandlung bei Typ-2-Diabetes

Bei dem Presse-Event wurden zudem neue Aspekte in der Diabetestherapie diskutiert wie die medikamentöse Gabe von GLP-1-Analoga bei Typ-2-Diabetes: Diese Arzneimittel steuern die Insulin- und Glukagonausschüttung aus der Bauchspeicheldrüse (wir berichteten mehrfach).

In den Fokus rücken heute auch immer mehr Komplikationen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, die wesentlich zu einem schwereren Krankheitsverlauf und zu einer höheren Sterblichkeit von Menschen mit Diabetes beitragen. Diabetesmedikamente, die auch einen kardiovaskulären Schutz bieten (sprich Herz und Kreislauf schützen), sind deshalb besonders gefragt.

Der erste zugelassene Vertreter seiner Substanzklasse, der das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse bei Typ-2-Diabetes nachweislich senken kann, ist das GLP-1-Analogon Liraglutid (Präparat: Victoza).

In der Prävention und der Behandlung des Typ-2-Diabetes wird die Adipositas-Forschung (gegen krankhafte Fettleibigkeit) bedeutsamer: „Adipositas ist der Haupttreiber des Typ-2-Diabetes“, sagte Mads Krogsgaard Thomsen von Novo Nordisk. „Stark übergewichtige Menschen haben ein fünffach erhöhtes Risiko, an Typ-2-Dia­betes zu erkranken.“ Das Unternehmen setzt daher verstärkt auf die Erforschung der Mechanismen der Fettleibigkeit. Das Ziel: maximaler Gewichtsverlust der adipösen Patienten.

Neu in Europa: Semaglutid

Für die Diabetestherapie gibt es seit kurzem einen neuen Wirkstoff, der – wie für GLP-1-Analoga typisch – beides kann: Blutzucker und Gewicht senken. Im Februar hat Semaglutid (Präparat: Ozempic) die EU-weite Zulassung erhalten. Bei Typ-2-Diabetikern mit Metformin-Unverträglichkeit ist das Medikament auch als Monotherapie einsetzbar. Nach Angaben von Novo Nordisk kann Semaglutid zudem kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren, wie eine Untersuchung an über 8 000 Patienten mit Typ-2-Diabetes zeigte.

Ein weiterer Vorteil: Semaglutid muss der Patient nicht täglich injizieren wie etwa Liraglutid, sondern nur einmal pro Woche. Derzeit arbeitet Novo Nordisk auch an einer oralen Version dieses Wirkstoffs und berichtet über positive Phase-III-Daten. Für Thomsen scheint eines heute schon sicher: „Semaglutid wird die Schlüsselsubstanz in der Entwicklung neuer Medizin gegen Adipositas sein.“


von Angela Monecke
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Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (8) Seite 14-15