Bestimmte Lungenerkrankungen und der Diabetes stehen in einer Wechselbeziehung. Was sind die Symptome für Asthma und für COPD? Und welche Möglichkeiten gibt es, den Zustand der Lunge zu verbessern – auch durch die Diabetesbehandlung?

Der Fall

Marianne M., 72 Jahre alt und Typ-2-Diabetikerin, hatte in diesem Winter schon mehrfach Husten mit Auswurf und leichtem Fieber. Sie raucht nicht und eine Lungenerkrankung war bisher auch nicht bekannt. Ihr Diabetes „spinnt“, wie sie sagt – Blutzuckerwerte um 200 mg/dl (11,1 mmol/l) sind Alltag. Wie sich beim Hausarzt herausstellt, braucht sie vorübergehend Insulin, da sie sich eine akute Bronchitis eingefangen hat.

Vier Wochen später – nach Gabe von Antibiotika und dem Spritzen eines Basalinsulins, zusätzlich zu ihren Tabletten – geht es ihr wieder einigermaßen. Der Blutzucker ist auch wieder im Normbereich, auch ohne Insulin. Eine chronische Lungenerkrankung hat sie glücklicherweise nicht.

Weltweit sind etwa 500 Millionen Menschen an Asthma oder COPD erkrankt. Seit langem weiß man, dass Patienten mit Diabetes und schlecht eingestelltem Blutzucker häufiger an diesen beiden Lungenerkrankungen leiden. Darüber hinaus konnte in einer Studie der Universität von Kalifornien in Berkeley an über 120.000 Patienten festgestellt werden, dass Diabetes das Risiko für eine chronische Raucherbronchitis, COPD, Asthma, Lungenentzündungen und auch Lungenfibrose erhöht.

Schnell erklärt
Asthma: Erkrankung der Atemwege. Bei Asthmaanfällen verkrampft die Muskulatur der Bronchien.

COPD: Chronic obstructive pulmonary disease/chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Bei COPD sind die unteren Atemwege dauerhaft verengt.

So haben Diabetiker, die zu hohe Blutzuckerwerte aufweisen, ein doppelt so hohes Risiko, an einer Lungenentzündung zu erkranken, wie Nichtdiabetiker. Das Risiko von Diabetikern für eine COPD ist um 20 Prozent erhöht.

Umgekehrt ist mittlerweile bekannt, dass Menschen mit einer COPD überdurchschnittlich häufig an Diabetes erkranken – in einer Studie mit 6.000 COPD-Patienten war jeder siebte (14,3 Prozent) auch Diabetiker. Darüber hinaus wissen wir, dass eine Stoffwechselentgleisung mit hohen Blutzuckerwerten den Verlauf einer COPD (insbesondere das Risiko für Infektionen) deutlich steigert. Diabetes geht zudem mit einer Schwächung der Muskulatur und einer eingeschränkten Lungenfunktion einher. Beides kann die Beschwerden bei COPD dramatisch verschlechtern.

Wie stellt man sich die Entstehung vor?

Nach aktuellen Daten ist das Risiko, eine Lungenfibrose (Versteifung des Lungengewebes) zu entwickeln, bei Menschen mit Diabetes ähnlich groß wie bei Rauchern. Ursache könnte oxidativer Stress (zu viele schädigende freie Radikale in den Körperzellen) sein, welcher sowohl bei Patienten mit COPD als auch bei Menschen mit Diabetes verstärkt auftritt.

Dieser oxidative Stress kommt z. B. häufig bei Typ-2-Diabetikern mit zu hohen Blutzuckerwerten und gestörtem Fettstoffwechsel und Insulinresistenz vor, und zwar dadurch, dass sich vermehrt schädigende Sauerstoffradikale/freie Radikale bilden.

Es gibt auch Hinweise, dass Lungen- und Nierenerkrankungen (Nephropathie) gemeinsame Ursachen haben. Verstärkte Atemnot, restriktive Lungenerkrankungen (bei denen die Entfaltung der Lunge behindert ist) und interstitielle Lungenanomalien (mit der Entzündung des Raumes zwischen den Lungenbläschen) sowie Diabetes gehören also zusammen?

Letztlich bleibt die Frage offen, ob manche Lungenerkrankung eine späte Folge von Typ-2-Diabetes ist. Unter all diesen Aspekten ist eine Optimierung der Blutzuckereinstellung sowohl beim Typ-1- als auch beim Typ-2-Diabetes unabhängig von allen anderen Risikofaktoren unbedingt sinnvoll und notwendig.

Lungenerkrankungen im Alltag erkennen – wie?

Lungenerkrankungen sind meist durch allgemeine Beschwerden, aber auch durch spezielle Symptome gekennzeichnet.

Allgemeinsymptome sind:
  • Gewichtsverlust, oft im Zusammenhang mit Appetitlosigkeit
  • Fieber bzw. erhöhte Temperatur
  • Nachtschweiß

Spezielle Zeichen sind:
  • Husten mit oder ohne Auswurf/Bluthusten
  • Luftnot (Dyspnoe), Erstickungsgefühl
  • Brustschmerz besonders beim Husten/Enge in der Brust

Von chronischem Husten spricht man meist erst, wenn die Beschwerden länger als zwei Monate anhalten.

Chronischer Husten kann aber auch verursacht sein durch:
  • krankhafte Veränderungen im Nasen-Rachen-Raum (HNO-Arzt aufsuchen!),
  • Husten/Hüsteln, verursacht durch Medikamente wie ACE-Hemmer (z. B. das Blutdruckmittel Ramipril),
  • Husten nach oder im Rahmen einer akuten Infektion,
  • Herzinsuffizienz (Symptome z. B.: Wasser in den Beinen, Luftnot beim Gehen, Schlafen nur noch im Sitzen möglich),
  • Fremdkörper im Bronchial-/Lungensystem durch Inhalation (auch aus Versehen verursacht!),
  • Lungenkrebs (Karzinom).

COPD und Asthma unterscheiden – wie?

Leitsymptom beim Asthma ist die anfallsweise auftretende Atemnot aufgrund einer Übererregbarkeit der Atemwege, mit einer krampfartigen Enge in den Atemwegen, manchmal sogar mit Vernichtungsangst. Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) dagegen ist durch Husten und Auswurf über einen längeren Zeitraum charakterisiert. Die chronische Luftnot ist schließlich Ausdruck einer im Krankheitsverlauf zunehmenden und nur teilweise rückbildungsfähigen Verengung der Atemwege (Atemwegsobstruktion).

Offensichtliche Unterschiede zwischen Asthma und COPD:
Asthma
  • anfallsweise Atemnot
  • eher trockener Husten
  • Verengung der Atemwege (kann mit Hilfe von Medikamenten rückgängig gemacht werden)
  • Beginn in der Kindheit
  • Ursache sind häufig auch Allergien

COPD
  • Atemnot bei Belastung oder dauerhaft
  • meist Husten mit Auswurf – besonders morgens
  • eine Rückbildung der Verengung der Atemwege ist nicht mehr vollständig möglich
  • Beginn meist bei über 40-Jährigen
  • Ursache ist häufig das Rauchen

(copd-aktuell.de)

Beschwerden wie Atemnot, Husten, aber auch Giemen und Brummen kennzeichnen sowohl das Asthma als auch die COPD. Eine Lungenfunktionsprüfung beim Hausarzt oder Lungenfacharzt bestätigt in der Regel die Diagnose.

Medikamente, die helfen:

  • bronchienerweiternde Medikamente (z. B. Fenoterol, Salbutamol, Reproterol, Salmeterol und/oder Ipratropium/Tiotropium, Terbutalin)
  • theophyllinhaltige Medikamente
  • Kortison als Inhalation (stark entzündungshemmend; nicht im akuten Anfall, da es erst nach einigen Tagen wirkt!)
  • evtl. schleimlösende Medikamente (z. B. Ambroxol, N-Acetylcystein, Myrtol) und reichlich Flüssigkeit!
  • nur nachts z. B. hustendämpfende Medikamente (z. B. Paracodin-Tropfen) – bei Reizhusten

Das ist wichtig

Nach aktuellen Erkenntnissen besteht eindeutig ein Zusammenhang zwischen Lungenerkrankungen und Diabetes. Diabetes fördert das Auftreten von bestimmten Lungenerkrankungen, umgekehrt haben Patienten mit einer chronischen Lungenerkrankung häufiger Diabetes, weshalb es sehr wichtig ist, beide Erkrankungen rechtzeitig zu diagnostizieren.

Außerdem ist es wichtig, den Blutzucker sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes optimal einzustellen, das Rauchen einzustellen und eine medikamentöse Basistherapie des Asthmas oder der COPD evtl. in Zusammenarbeit mit einem Lungenfacharzt einzuleiten. Vermeiden Sie möglichst Infektionen der Atemwege (z. B. indem Sie größere Menschenansammlungen und Händeschütteln meiden, indem Sie regelmäßig lüften und an die frische Luft gehen etc.).

Da es sich in beiden Fällen um chronische Erkrankungen handelt, ist die Zusammenarbeit mit einem versierten Hausarzt, Diabetologen und Pulmonologen sicher sinnvoll und kann insbesondere bei Entgleisungen helfen.


Autor:
Dr. Gerhard-W. Schmeisl
Internist, Angiologe, Diabetologe und Sozialmediziner
Lehrbeauftragter der Universität Würzburg
Chefarzt Deegenbergklinik
Burgstraße 21, 97688 Bad Kissingen


Erschienen in: Diabetes-Journal, 2019; 68 (2) Seite 28-31