Wird beim Arzt der HbA1c-Wert gemessen, sorgt das nicht selten für Aufregung – nämlich dann, wenn er zu hoch ist. Warum eigentlich? Was bedeutet die merkwürdige Abkürzung genau? Und was beeinflusst den Blutzucker-Langzeitwert?

In der Praxis oder in der Klinik geht alles ganz schnell – ein Fingerpiks und schon bald kennt man den aktuellen HbA1c-Wert. Diese Routine entscheidet nicht selten über den Gemütszustand und Seelenfrieden eines Menschen mit Diabetes. Aber was genau bezeichnet die kryptische Abkürzung eigentlich? Und was sagt der Wert im Einzelnen aus?

In der Newsletter-Serie "Basiswissen Diabetes" werden in loser Folge wichtige Begriffe aus dem Bereich Diabetes erklärt. Übrigens: Die wichtigsten Diabetes-Begriffe werden auch im Lexikon auf www.diabetes-online.de erklärt.

Zucker klebt am Hämoglobin

Seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ist bekannt: Das Ausmaß, in dem Moleküle (hier genauer Hämoglobin (Hb), der rote Blutfarbstoff der Blutkörperchen) mit Zucker beladen werden, hängt ab von der Menge des Zuckers im Blut. Da der Zucker am Hämoglobin kleben bleibt und sich nicht mehr löst, wurde mit dem HbA1c-Wert ein untrüglicher Hinweis auf die Stoffwechselqualität bei Menschen mit Diabetes gefunden.

Schwankungen irrelevant

Aber der Blutzucker schwankt doch immer wieder? Diese Schwankungen – ob nach oben oder unten – wirken sich aber nicht auf die Höhe des HbA1c-Wertes aus (Ausnahme: häufige Unterzuckerungen). Der HbA1c-Wert liefert verlässlich einen Blutzuckermittelwert, und zwar für die letzten zwei bis drei Monaten. Er wird in Prozent angegeben, weil er zeigt, welcher Prozentanteil des Hämoglobins mit Glukose (Traubenzucker) verbunden ist. Inzwischen gibt es aber auch eine neue Einheit, um den HbA1c-Wert anzuzeigen – dazu später mehr.

HbA1c weist auf Risiko hin

Mittlerweile weiß man, dass auch andere Eiweißbestandteile unterschiedlicher Gewebetypen im Körper mit Zucker reagieren (Fachbegriff: „glykiert werden“).
Der Zucker gelangt natürlich mit dem Blut in alle Körperteile – je höher der Blutzuckerwert ist, desto mehr Zucker gelangt auch in die Organe. Diese Zucker-Eiweiß-Verbindungen sind dann zum Teil die Ausgangssubstanzen für die Entstehung der Gefäßschäden an den kleinen Blutgefäßen (diabetische Mikroangiopathie).

Für das Entstehen von Gefäßschäden spielt aber nicht nur die Höhe des HbA1c-Wertes eine Rolle, sondern auch genetische Faktoren haben hierauf Einfluss, so dass das Risiko, dass die Gefäße geschädigt werden, individuell sehr verschieden ist. Und: Zwar ist heute allgemein anerkannt, dass der HbA1c-Wert einen zentralen Hinweis auf die Stoffwechselgüte liefert – aber immer mehr Daten weisen darauf hin, dass auch „Ausreißer“ nach oben nach den Mahlzeiten die Entstehung von Folgekrankheiten fördern könnten.

Angestrebt: Vergleichbarkeit der HbA1c-Werte

Das HbA1 macht mit etwa 96 bis 98 Prozent den größten Anteil am roten Blutfarbstoff Hämoglobin aus und ist deshalb auch der wichtigste Wert, um etwas über die Stoffwechselqualität auszusagen.
Wie viel Hämoglobin im Blut glykiert ist, sich also mit Glukose verbunden hat, kann man durch viele unterschiedliche laborchemische Methoden bestimmen. Deshalb konnte man bis vor wenigen Jahren auch nur HbA1c-Werte miteinander vergleichen, die im selben Labor gemessen wurden, denn sonst konnten die Werte durch verschiedene Bestimmungsmethoden zu stark voneinander abweichen. 2009 hat sich die Deutsche Diabetes-Gesellschaft internationalen Empfehlungen angeschlossen, die die HbA1c-Messung standardisieren. Dafür wird eine neue, verbesserte Nachweismethode genutzt.

Etablierung einer Referenzmethode

Als Referenzmethode, an deren Ergebnissen alle anderen Methoden gemessen werden, hat sich für den HbA1c-Wert auf Anregung der amerikanischen Diabetesgesellschaft (ADA) die HPLC-Kationenaustauschchromatographie etabliert, die in den großen anerkannten Diabetesstudien DCCT und UKPDS eingesetzt und zertifiziert wurde.
Um die Werte zu vereinheitlichen und dann auch vergleichen zu können, wurde, gesponsert von der ADA, das „National Glycohemoglobin Standardization Program (NGSP)“ aufgelegt. Danach müssen die Bestimmungsmethoden für das HbA1c Ergebnisse liefern, die der Referenzmethode entsprechen, um klinisch und wissenschaftlich anerkannt zu werden. Und nach dieser Referenzmethode ist der HbA1c-Wert eines Stoffwechselgesunden zwischen 4 und 6 Prozent anzusiedeln.

Verunreinigtes HbA1c

Messtechnische Fortschritte in der Analysetechnik des HbA1c ergaben, dass der im Rahmen des NGSP ermittelte Kalibrierungsstandard ungenau ist. Bei der Kalibrierung wird festgestellt, wie weit die Werte eines Messgerätes von einem Referenzwert abweichen.
Das bislang vermeintlich bereits hochgereinigt gemessene HbA1c war letztendlich doch durch Miterfassung anderer glykierter Hämoglobinteile verunreinigt, deren Menge nicht unmittelbar mit der Qualität des Blutzuckerstoffwechsels zusammenhängt. Deshalb wurden ganz aktuell Neuerungen notwendig: Nach der „International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine” (IFCC) gibt es nun einen reineren HbA1c-Standard, der sich tatsächlich ausschließlich auf die Menge des HbA1c bezieht.
Dadurch, dass diese anderen glykierten Hämoglobinteile nun nicht mehr mitgemessen werden, hätte man den gewohnten „Normalwert“ um etwa 2,15 Prozent nach unten korrigieren müssen – und alle bislang geltenden Therapierichtlinien hätten nicht mehr gegolten. Würde man nun den alten und den neuen Standard parallel verwenden und zudem für die beiden Werte mit unterschiedlicher Grundlage dieselben Maßeinheiten nehmen, wären Unübersichtlichkeit und Verwirrung vorprogrammiert.

Die Lösung: eine neue HbA1c-Maßeinheit

Deshalb gibt es nun einen internationalen Konsensus, nach dem die Ergebnisse nach der „neuen“ Methode in einer anderen Maßeinheit angegeben werden, nämlich in mmol HbA1c pro mol Hämoglobin. Dem alten Normbereich für Stoffwechselgesunde von 4 bis 6 Prozent entspricht dabei der neue Referenzbereich von 20 bis 44 mmol/mol.
Diese neue Maßeinheit ist für die Laboratorien bereits verbindlich. Gleichzeitig wird für Patienten die alte Maßeinheit zunächst beibehalten. Um den Patienten die Umgewöhnung zu erleichtern, wird angestrebt, künftig beide Messergebnisse parallel anzugeben; eine Umrechnung erfolgt hierbei gemäß folgender Formel:
HbA1c nach IFCC (mmol/mol) = (HbA1c nach NGSP-2,15 %) / 0,0915

Umrechnung im Internet

Wenn Sie bisher nur Ihren HbA1c-Wert in Prozent kennen, können Sie ihn hier im mmol/mol umrechnen.

Externe Einflüsse auf die Höhe des HbA1c-Wertes

  • Hat ein Patient eine Bluterkrankung, bei der die roten Blutkörperchen nicht so lange leben wie normal, kann man den HbA1c-Wert als Routineparameter für die Einstellung des Blutzuckers nicht verwenden: Die Werte werden dann falsch zu niedrig gemessen. Dies ist auch der Fall, wenn jemand zu hohe Dosen Vitamin C und E zu sich nimmt.
  • Die Messergebnisse sind auch dann falsch, wenn der Körper durch bestimmte Erkrankungen fehlerhaftes Hämoglobin produziert – denn das kann man durch die Messverfahren nicht aufspüren.
  • Auch bei Medikamenten- oder Alkoholmissbrauch und bei Nierenversagen wird aufgrund technischer Probleme der HbA1c-Wert falsch bestimmt und kann keine Orientierung in der Diabetesbehandlung bieten.

Fazit

Mit dem HbA1c-Wert erhält man einen Blutzucker-Mittelwert der letzten zwei bis drei Monate. Er gibt an, welcher Prozentanteil des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff) mit Glukose (Traubenzucker) verbunden ist.
Bevor eine Referenzmethode festgelegt wurde, konnte man HbA1c-Werte verschiedener Labore nicht miteinander vergleichen.
Es wurde festgestellt, dass das HbA1c bei der Messung noch nicht gründlich genug gereinigt war, um akkurate Werte zu liefern. Jetzt wurde dieses Problem behoben, dadurch liegen die Werte nun um etwa 2,15 Prozent niedriger als bisher gewohnt.
Um Verwirrung zu vermeiden, wurde eine neue Maßeinheit für den HbA1c-Wert eingeführt (mmol HbA1c pro mol Hämoglobin). Derzeit wird in Deutschland noch die Prozentangabe beibehalten, künftig soll der Wert den Patienten sowohl in Prozent als auch in der neuen Maßeinheit mmol/mol angegeben werden, um die Umstellung zu erleichtern.

Quelle: Diabetes-Eltern-Journal