Wenn eine Insulinpumpentherapie – etwa aufgrund körperlicher oder kognitiver Einschränkungen im Alter – nicht mehr eigenständig sicher durchgeführt werden kann, sollte überlegt werden, ob eine weitere Anwendung sinnvoll ist. Um herauszufinden, ob eine (weitere) Eignung besteht, hat Dr. med. Bernhard Lippmann-Grob eine Checkliste erstellt.

Eine Insulinpumpentherapie kann Menschen mit Diabetes eine deutliche Verbesserung der Einstellungs- und Lebensqualität bringen. Allerdings erfordert diese Behandlungsform vom Patienten auch gewisse Fähigkeiten, um sie korrekt eigenständig durchführen zu können. Ist dies aufgrund von Einschränkungen im Alter nicht mehr möglich kann die Insulinpumpentherapie sogar zu einer Gefahr werden.

Die Frage, ob es sinnvoll sein kann, eine Insulinpumpenbehandlung wieder aufzugeben, muss also eindeutig mit Ja beantwortet werden, wenn durch die Pumpenbehandlung die grundsätzliche Insulinversorgung nicht mehr sichergestellt ist oder wenn durch nicht sachgerechte Bedienung der Pumpe eine zusätzliche Gefährdung des Pumpenträgers auftreten könnte.

Folgende Checkliste mit Anforderungen an Patienten für eine sichere Umsetzung der Insulinpumpentherapie soll dabei helfen, die Frage nach der Eignung für diese Behandlung zu klären:

Pumpe

  • Kann das Display gelesen werden?
  • Sind die technischen Begriffe der Pumpentherapie allgemein und des spezifischen Pumpenmodells zumindest bekannt? Können sie auch angewendet werden?
  • Ist der Aufbau des Bedienmenüs bekannt; kann das Bedienmenü (zumindest in den Grundzügen) genutzt werden?
  • Können Reservoir und Katheter richtig gefüllt werden?
  • Können Reservoir und Katheter danach unter Sicherheitsaspekten (Füllung? Luftblasen?) beurteilt werden?
  • Ist bei Verwendung von Teflonkanülen der Totraum bekannt und wird er bei der Füllung richtig berücksichtigt?
  • Ist das Legen des Katheters ist – selbständig – möglich?
  • Kann die Pumpe gestartet werden?

Bolus

  • Kann der Bolus aus dem aktuellen Blutzucker, den geplanten Kohlenhydraten und dem Zielwert richtig berechnet werden?
  • Ist die Bolusabgabe selbständig möglich?
  • Wie hoch ist das Risiko einer selbständigen, aber nicht indizierten Bolusabgabe?

Mahlzeiten

  • Können KE adäquat geschätzt werden?
  • Kann an Hand der Art der Mahlzeit über eine Bolusvariante entschieden werden?
  • Kann die beabsichtigte Bolusvariante realisiert werden?

Therapiesteuerung

  • Werden unerwartete Ereignisse (Alarme, Überschreitungen von Zielwerten) vom Pumpenträger wahrgenommen und Konsequenzen daraus gezogen?
  • Sind die Konsequenzen richtig?

Korrekturen

  • Werden die Korrekturregeln (Normalkorrektur, Verschärfte Korrektur, Azidosekorrektur) beherrscht und auch angewendet?
  • Werden bei erhöhten Werten Ketonkörper gemessen?
  • Wird bei überhöhten Werten korrigiert?
  • Wird bei überhöhten Werten aktiv Ursachenforschung mit dem Ziel der Abhilfe betrieben?
  • Wird vorbeugende Dosisanpassung beherrscht und durchgeführt?

Unterzuckerungen

  • Ab wann werden Unterzuckerungen bemerkt?
  • Sind Materialien zur Behandlung von Unterzuckerungen vorhanden?
  • Wird vorbeugende Dosisanpassung beherrscht und durchgeführt?

Bewegung

  • Wird Bewegungsanpassung durchgeführt?
  • Kann die temporäre Basalrate programmiert werden und wird sie genutzt?


von Dr. med. Bernhard Lippmann-Grob
Leitender Oberarzt am Diabetes Zentrum Mergentheim,
Theodor-Klotzbücher-Straße 12, 97980 Bad Mergentheim
E-Mail: lippmann-grob@diabetes-zentrum.de