Wer kontinuierlich seine Glukosewerte misst, hat möglicherweise bei seinem Arzt schon einmal die Abkürzung „AGP“ gehört. AGP steht für „Ambulantes Glukoseprofil“. Dieses hilft, die vielen Daten, die beim kontinuierlichen Messen entstehen, zu verstehen und in Therapieempfehlungen umzusetzen. Das gilt für Ärzte, Diabetesberaterinnen und Diabetiker. Der Hamburger ­Diabetologe Dr. Jens Kröger erklärt im Interview das AGP und sagt, welchen Sinn und Nutzen die neue „AGP-Fibel“ hat.

Dieser Beitrag ist eine Vorabveröffentlichung aus der Juni-Ausgabe des Diabetes-Journals, die am 25. Mai 2018 erscheint. Was Sie darin sonst noch erwartet, erfahren Sie hier.

Das Diabetes-Journal bekommen Sie im Kirchheim-Shop, als ePaper sowie an Kiosken auf Flughäfen und Bahnhöfen.

Diabetes-Journal (DJ): Neu herausgekommen ist die „AGP-Fibel“. Was ist das AGP?

Dr. med Jens Kröger: Ursprünglich wurde vor 30 Jahren das AGP von Dr. Mazze und Kollegen in Minneapolis entwickelt, um die von den Menschen mit Dia­betes selbst gemessenen Blutzuckerwerte darzustellen. Mit dem Aufkommen der kontinuierlichen Glukosemessung (rtCGM und FGM/­iscCGM) wurde die Methode angepasst, sodass sich mit Glukosewerten von mindestens 14 Tagen eine relevante Aussage zu Mustern der Glukoseverläufe treffen lässt. Das hilft den Ärzten, Diabetesteams, aber auch den Menschen mit Diabetes, sich schnell und umfassend ein Bild hinsichtlich ihres Diabetesmanagements zu machen.

Im Kirchheim-Shop:

AGP-Fibel

Mit dem Ambulanten ­Glukoseprofil (AGP) können Glukosedaten von ­Menschen mit Diabetes strukturiert ­ausgewertet werden. In dieser Fibel ­werden Ihnen 5 Schritte zum strukturierten Auswerten eines AGPs vorgestellt.
Jens Kröger et al. ; 1. Auflage 2018; 5,00 €
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DJ: Was steht in der AGP-Fibel und was ist ihr Ziel?

Kröger: In der AGP-Fibel stellen wir die Grundlagen der Interpretation des AGPs dar und erläutern, welche schrittweise Analyse sinnvoll ist. Wichtig war uns dabei, ein Arbeitsbuch zu erstellen, in dem man auch Fälle selbst bearbeiten kann. Wir stellen insgesamt 19 Menschen mit Diabetes mellitus vor, die mit kontinuierlicher Glukosemessung gearbeitet haben. Wie sahen die ersten Verläufe aus, was hat sich dann durch eine Therapieanpassung verändert und wie waren die Ergebnisse? Da es bisher eine so umfassende Darstellung nicht gab, hoffen wir, dass diese Fibel dazu beiträgt, dass jeder Leser neue Einblicke ins AGP bekommt und viele gute Therapieentscheidungen trifft.

DJ: Für wen ist die AGP-Fibel gedacht?

Kröger:In erster Linie ist sie für Ärzte und Diabetesteams gedacht. Es gibt aber auch Menschen mit Diabetes die Möglichkeit, ohne viel medizinisches „Fachchinesisch“ ihre Glukoseverläufe zurückblickend zu analysieren, zu verstehen und dann Rückschlüsse hinsichtlich ihres Dia­betesmanagements zu ziehen.

DJ: Wie arbeitet man am besten mit der ­AGP-Fibel?

Kröger:Der erste Teil der Fibel ist als Lehrbuch zu verstehen. Wir erklären hier, was man beim AGP sieht und wie die Kurvendarstellung zu interpretieren ist. Bei einer so umfassenden Datendarstellung ist es sehr wichtig, strukturiert in der Interpretation vorzugehen. Wir stellen daher 5 aufeinanderfolgende Analyseschritte vor, um schnell und effektiv zu einer Beurteilung zu kommen. Im Anschluss stellen wir Patientenbeispiele vor, die uns aus vielen verschiedenen Regionen in Deutschland zur Verfügung gestellt wurden. Die Kasuistiken spiegeln dabei den Praxisalltag in Deutschland wider und können von Leitlinien-Empfehlungen abweichen.

DJ: Warum ist es wichtig, Anleitung und Tipps zu geben, wie Anwender und Betreuer mit den vielen Daten umgehen?

Kröger:Ich arbeite seit vielen Jahren mit Patienten mit großer Freude mit Systemen, die eine kontinuierliche Glukosemessung ermöglichen. So hatten wir immer die bunten „Spaghetti-­Kurven“ zur Auswertung von CGM zur Verfügung. Um diese Kurven genau zu analysieren, habe ich sie aber meistens mit nach Hause genommen und mir am Wochenende in Ruhe angesehen. Als ich dann vor 10 Jahren erstmals das AGP in Minneapolis sah, war ich begeistert.

Diabetesteams wie auch Patienten bekommen viel schneller einen Überblick, wenn sie bei den vielen Einzeldaten wissen, auf was sie achten sollen – und können dann Schritt für Schritt zusätzliche Daten und Auswertungsdarstellungen hinzunehmen, wenn erforderlich. Das klappt aber nur, wenn ich auch Lust habe, mich mit den Daten zu beschäftigen und ich daraus auch einen Nutzen ziehen kann.

Glukosemuster helfen Ärzten, Diabetesteams und Menschen mit Diabetes, sich schnell und umfassend ein Bild hinsichtlich ihres Diabetesmanagements zu machen.

Ein Beispiel: Wenn ein Mensch mit Diabetes stark schwankende Werte hat, muss er wissen, woran es liegt. Liegt es z. B. an der Insulindosis, am Spritz-Ess-Abstand oder an der Nahrung, an Bewegung oder Alkohol? Wenn er die Therapie oder sein Verhalten ändert, sieht er es im Verlauf und ist viel motivierter, da sich der Erfolg schwarz auf weiß abbildet. Ich bin immer wieder fasziniert, wie sich allein durch das „Sehen“ und richtige Interpretieren Diabeteseinstellungen und auch die Lebensqualität der Menschen mit Diabetes deutlich verbessern.

Deswegen geben wir Tipps und Tricks in der Bewertung des AGPs, um nicht von den vielen Werten erschlagen zu werden.


Interview: Dr. med. Katrin Kraatz
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