Liebe Nadine,

der Duft von Weihnachtsplätzchen zieht durchs Haus, und während ich es mir mit einer Tasse Tee gemütlich mache, denke ich über die letzten Kleinigkeiten nach, die ich noch fürs bevorstehende Weihnachtsfest besorgen möchte. Dabei dachte ich spontan an eine neue Diabetestasche für Leonie. Ihre derzeitige Tasche sieht schon sehr gebraucht aus, und eine neue wäre wirklich mal nötig.

Aber ein Diabetesgeschenk unterm Weihnachtsbaum, ist das wirklich so eine gute Idee? Ich musste also bei Leonie vorfühlen und habe das nächste Gespräch mit ihr deshalb in die Richtung „Diabetesgeschenk zu Weihnachten“ gelenkt. „Wie wäre es, wenn du dir zu Weihnachten eine neue Tasche für deine Diabetesutensilien wünschst?“, fragte ich sie.

Na ja, nicht gerade sehr diskret, aber ihre Antwort folgte prompt: „Nee, Mama. Weihnachten möchte ich wirklich nichts geschenkt bekommen, was mit Diabetes zu tun hat.“

Das war klar und deutlich. Also halten wir es wie in den letzten Jahren und schenken nichts, was an diesem Tag an die Erkrankung erinnert. Eine neue Tasche wird es dann wohl einfach so zwischendurch geben, wenn wir eine schöne beim Shoppen entdecken. Sag mal, Nadine: Wie haltet Ihr das zu Hause? Diabetesgeschenke unter dem Weihnachtsbaum – ja oder nein?

Doch so ganz ohne eine kleine Besonderheit, die mit Diabetes zu tun hat, werden wir die Tage vor der Bescherung wohl doch nicht erleben, jedenfalls wenn ich an die letzten Jahre denke. Je näher der Weihnachtstag kam, desto höher wurden Leonies Blutzuckerwerte. Die Aufregung stieg mit jedem Tag und die Werte stiegen mit, so dass wir um diese Zeit immer eine etwas höhere Basalrate benötigten.

Am Anfang konnte ich es mir gar nicht erklären, doch bei Gesprächen mit anderen Eltern unserer Selbsthilfegruppe habe ich gemerkt, dass es bei vielen anderen Kindern ebenfalls so war. Und wie sollte es anders sein, sobald die Bescherung vorbei war, waren auch die Blutzuckerwerte wieder im normalen Bereich und wir konnten auf unsere Standardbasalrate zurückstellen. Die Vorfreude war wohl einfach zu groß, vor allem, als Leonie noch jünger war.

Jetzt, so mitten in der Pubertät, ist die Aufregung nicht mehr ganz so groß, und ich bin gespannt, ob sich dies auch an entspannteren Blutzuckerwerten zeigt. Konntet Ihr bei Euch dieses Weihnachtsphänomen auch schon feststellen?

Nadine, ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit. Genießt wie wir die Adventsnachmittage mit selbstgebackenen Plätzchen und Tee.

Viele Grüße und bis bald
Kathy


von Kathy Dalinger
E-Mail: kinder-mit-diabetes-typ1@web.de
Website: kinder-mit-typ1-diabetes.net
Kathy Dalinger auf der Blood Sugar Lounge

Die zwölfjährige Leonie hat seit einigen Jahren Typ-1-Diabetes. Familie Dalinger hat also im Alltag schon reichlich Erfahrung mit der Erkrankung sammeln können. Ihr Wissen gibt Mutter Kathy Dalinger gerne weiter an ihre Freundin Nadine, deren Tochter erst vor kurzem die Diagnose erhalten hat.

Diskutieren Sie mit!
Einfach auf www.diabetes-online.de/kommentare Leonies Welt kommentieren, eigene Erfahrungen schildern, mitreden ...

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2019; 11 (4) Seite 26