In einer Stellungnahme zur STIKO-Impfpriorisierung betont die Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), dass Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes nicht zur COVID-19-Risikogruppe gehören und damit keinen Nachteil durch eine spätere Impfung haben.

Der Beschluss der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur zweiten Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung sieht vor, dass Menschen mit Diabetes und einem erhöhten Blutzuckerwert (HbA1c ≥58 mmol/mol bzw. ≥7,5 %) in die Risikostufe 3 der insgesamt sechs Risikogruppen eingestuft werden. Eine Differenzierung nach Alter erfolgt in dieser Empfehlung nicht. „Hierbei handelt es sich um ein pragmatisches Vorgehen“, erklärt Prof. Dr. Andreas Neu und fährt fort: „Deshalb ist eine Spezifizierung für Kinder und Jugendliche mit Diabetes erforderlich.“

Der Vizepräsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass nach Studienlage ein erhöhtes Risiko eines schweren oder gar tödlichen Verlaufes der COVID-19 Erkrankung bei über 50-jährigen Menschen mit Typ-1-Diabetes und ungünstiger Stoffwechsellage vorliegt. Aktuelle Zahlen aus Großbritannien zeigen, dass das Durchschnittsalter der verstorbenen Krankenhauspatienten mit Typ-1-Diabetes bei 72 Jahren und mit Typ-2 Diabetes bei 78 Jahren liegt.

Risiko nur bei langer Diabetesdauer und höherem Alter

Bei der Impfempfehlung der STIKO werden Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes nicht berücksichtigt. „Sie gehören nicht zur Risikogruppe, auch wenn sie einen HbA1c von mehr als 7,5 % haben. Ungünstige Verläufe sind nur bei sehr langer Diabetesdauer und höherem Alter zu erwarten“, erklärt PD Dr. med. Thomas Kapellen, der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der DDG. Auch aktuell gebe es keine neuen Hinweise, dass Betroffene im Kindes- und Jugendalter mit Typ-1-Diabetes Nachteile durch eine spätere Impfung haben.

Die AGPD empfiehlt deshalb das gleiche Vorgehen bezüglich einer COVID-19-Impfung wie für gesunde Altersgenossen. „Für die Eltern ist es wichtig zu wissen, dass es keine Hinweise für eine vermehrte Aufnahme in Krankenhäusern oder gar erhöhte Sterblichkeit für Kinder mit Typ-1-im Rahmen einer COVID-19-Infektion gibt“, beruhigt Kapellen.

Wenn es zu einer Zulassung von COVID-19 Impfstoffen für Kinder und Jugendliche kommt, ist die Impfung für junge Menschen mit Typ-1-Diabetes genauso uneingeschränkt zu empfehlen. „Negative Folgen einer COVID-19-Impfung bei Typ-1-Diabetes sind nicht zu erwarten“, so die Stellungnahme der AGPD.

Die STIKO-Empfehlung setzt sich aus der allgemeinen Impfempfehlung und einer Empfehlung zur Priorisierung zusammen. Die Priorisierungsempfehlung hat nur solange Gültigkeit, bis genügend Impfstoff verfügbar ist.


Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) | Redaktion