Es ist für viele die längste Partynacht des Jahres. Fröhlich, bunt, gespickt mit Leckereien – und alkoholischen Getränken. Doch was gilt es dabei zu beachten? Wir haben einige Tipps für Sie, wie Sie eine feuchtfröhliche Silvesternacht gut meistern und sicher ins neue Jahr starten können.

Jedes Jahr am 31. Dezember heißt es um Mitternacht: 3, 2, 1 – Prosit Neujahr! Ein Glas Sekt zum Anstoßen gehört für die meisten dazu. Wählen Sie am besten Sorten in Extra trocken oder als Champagner, sie haben den niedrigsten Zuckeranteil. Aber Vorsicht: Alkohol kann den Blutzucker beeinflussen, auch noch Stunden, nachdem er getrunken wurde. Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente verstärken diesen Effekt noch.

Wieso kann Alkohol Unterzuckerungen verursachen?

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Leber. Sie produziert kontinuierlich Glukose, um in Zeiten des Fastens einen stabilen Blutzuckerwert aufrechtzuerhalten (Glukoneogenese). Beim Konsum von Alkohol werden die Enzyme der Leber jedoch zum Abbau des Alkohols verwendet und stehen nicht mehr bzw. nur eingeschränkt zur Produktion von Glukose zur Verfügung. Dies bedeutet, dass z. B. die Aufnahme von Alkohol am Abend zu nächtlichen, eventuell unbemerkten Unterzuckerungen führen kann.

Dazu ein paar Daten und Fakten: Die Leber kann ca. 100 mg puren Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde verbrennen. Ein Beispiel: Bei einem Menschen mit einem Körpergewicht von 70 kg dauert es ca. eine Stunde, um eine Flasche Bier, zwei Stunden, um 40 ml Likör und zehn Stunden, um eine Flasche Wein zu verbrennen. Dies sind jedoch alles nur Näherungswerte, so dass nie genau abgeschätzt werden kann, wann und wie stark der Blutzucker abfällt.

Formel zur Berechnung der Alkoholgehalts

Der Alkoholgehalt in einem Getränk lässt sich nach folgender Formel ausrechnen (in etwa):

Menge in Millilitern x (Volumenprozent / 100) x 0,8 = g reiner Alkohol


Beispiele:
1 Bier (200 ml) mit 4,8 Volumenprozent = 7,7g Alkohol
1 Glas Sekt (100 ml) mit 11 Volumenprozent = 8,8g Alkohol
1 Glas Wein (100 l) mit 14 Volumenprozent = etwa 11,2g Alkohol

Der Konsum von Alkohol vermindert die Wahrnehmung

Zu der eingeschränkten Glukoseproduktion der Leber kommt hinzu, dass der Konsum von Alkohol zu einer verminderten Wahrnehmung von Unterzuckerungssymptomen führt und daher die Warnzeichen, wie Zittern der Hände, Hunger, Unwohlsein und andere Hypoglykämiesymptome, erst sehr spät oder gar nicht registriert werden und es deshalb durch einen weiter abfallenden Blutzucker zu einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstseinsverlust kommen kann.

Es gibt mehrere Untersuchungen dazu, dass Menschen mit Diabetes nach dem abendlichen Konsum von z. B. Wein, morgens Blutzuckerwerte aufweisen, die um 55 bis 70 mg/dl (3,1 bis 3,9 mmol/l) niedriger liegen als ohne Alkohol und sogar im Laufe des Vormittages noch eine Unterzuckerungsneigung zeigen.

Um dem vorzubeugen, kann z. B. die abendliche Insulindosis beim Verzehr von Alkohol um zwei bis vier Einheiten reduziert werden und ein Zielblutzucker von 180 mg/dl bis 200 mg/dl (10 bis 11,1 mmol/l) vor dem Schlafen angestrebt werden. Außerdem sollte nicht zu lange geschlafen werden, so dass man sich am besten einen Wecker stellt und am nächsten Tag ein reichhaltiges Frühstück einnimmt.

Alkohol: besser folgende Regeln beachten

Grundsätzlich sollte immer etwas gegessen werden, wenn man Alkohol trinkt. Wird Alkohol nämlich auf nüchternen Magen getrunken, setzt die blutzuckersenkende Wirkung noch schneller ein, außerdem hemmt Alkohol die Magenentleerung. Die Menge an alkoholischen Getränken sollte möglichst ein Standardglas bei Frauen und zwei Standardgläser bei Männern nicht überschreiten.

Grundsätzlich sollte bei Aufnahme von Alkohol immer auch etwas gegessen werden, das langwirkende Kohlenhydrate enthält, um eine Hypoglykämie zu vermeiden. Als Faustregel eignet sich hier: ein bis zwei langwirkende KE pro Glas Alkohol. Der Genuss von Mixgetränken sollte möglichst vermieden werden, da diese viel Zucker enthalten und den Blutzucker zunächst stark anheben, es aber im weiteren Verlauf zur Unterzuckerung kommen kann.

Außerdem sollte für die im Alkohol enthaltenen Kohlenhydrate niemals Insulin gespritzt werden. Auch das birgt eine große Unterzuckerungsgefahr. Und ist ein Mensch mit Diabetes nach Alkoholgenuss in einer Unterzuckerung nicht mehr ansprechbar, sollte sofort der Notarzt gerufen werden, denn selbst Glukagonspritzen wirken bei stärkerem Alkoholgenuss nicht mehr.

Alkohol und Diabetes: Was ist wichtig?
  • Alkohol kann zu Unterzuckerungen führen.
  • Niemals bis zur Bewusstlosigkeit trinken.
  • Nicht alleine trinken.
  • Alkohol nicht auf nüchternen Magen trinken.
  • Ein bis zwei langwirksame KE zusätzlich aufnehmen, wenn Alkohol getrunken wird.
  • Die konsumierte Menge sollte ein bis zwei Standardgläser nicht überschreiten.
  • Umgebung über den Diabetes informieren.
  • Zur Nacht einen Blutzuckerwert zwischen 180 bis 200 mg/dl (10 bis 11,1 mmol/l) anstreben.
  • Bei Insulintherapie, das abendliche Basalinsulin um zwei bis vier Einheiten reduzieren.
  • Morgens nicht endlos lange schlafen, sondern den Wecker stellen und den Blutzucker messen
  • Gut frühstücken, wenn am Abend vorher Alkohol getrunken wurde.

Neujahr: Starten Sie mit einem Spaziergang

Zum frischen Jahr gehört für viele als Vorsatz ein gesünderer Lebensstil, verbunden mit Abnehmen. Doch beim Neujahrsfrühstück wird dann meist doch noch geschlemmt. Spätestens danach sollte es nach draußen gehen, zum ausgiebigen Spaziergang, der die müden Geister der langen Silvesternacht vertreibt.

Wer an Neujahr Sauerkraut isst, beispielsweise als deftige Suppe, geht einer überlieferten Tradition nach: Sauerkraut soll Geldsegen im neuen Jahr bescheren. Obendrein hat das ballaststoffreiche Kraut wenige Kalorien und ist reichlich mit Vitalstoffen bestückt.

Woher kommen die Silvester-Riten: Hätten Sie es gewusst?

Silvesterknaller sind nicht nur ein Spaß mit tollen Effekten: Der entstehende Lärm geht auf eine alte Tradition zurück; dieser sollte Dämonen und böse Geister vertreiben, Glück und Seligkeit im neuen Jahr bescheren. Früher bediente man sich dazu beispielsweise Schellen, Peitschen oder Metallgegenständen, die man aneinanderknallte.

Übrigens: Prosit Neujahr ist aus dem Lateinischen überliefert und bedeutet „Lass es gelingen“. Und der „gute Rutsch“ hat nichts mit einem reibungslosen Jahresübergang zu tun. Rutsch ist eine Ableitung des jiddischen Wortes Rosch, was heißt: Lass es gelingen.


von Redaktion Diabetes-Journal | KM | Dr. Nicolin Datz
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de