Die Narren sind los und es heißt wieder Helau und Alaaf. Zum Feiern gehören für viele auch alkoholische Getränke und süße Leckereien dazu. Was Menschen mit Diabetes diesbezüglich beachten sollten, um eine unbeschwerte Karnevalszeit genießen zu können, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Hochzeit des närrischen Treibens zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch rückt näher mit dem Höhepunkt am Rosenmontag, der dieses Jahr auf den 27. Februar fällt. Millionen Menschen zieht es dann wieder zu den Sitzungen, Kostümbällen und Umzügen in den Fastnachtshochburgen – und es wird ausgiebig feucht-fröhlich gefeiert und geschlemmt.

Menschen mit Diabetes – insbesondere mit Insulintherapie – sollten dabei ihre Stoffwechsellage nicht aus den Augen verlieren. Denn wenn Alkoholkonsum, süße Leckereien und Tanzeinlagen zusammenkommen, kann das den Blutzuckerspiegel mitunter ganz schön zum Schwanken bringen.

Vorsicht: Alkohol kann schwere Unterzuckerungen auslösen

Gerade beim Alkohol ist Vorsicht geboten: Er kann Unterzuckerungen auslösen, auch noch Stunden, nachdem er konsumiert wurde. Insulin oder blutzuckersenkende Medikamente verstärken diesen Effekt noch. Doch wieso können alkoholische Getränke, die ja auch Kohlenhydrate beinhalten, Unterzuckerungen verursachen?

Die Antwort findet sich in der Leber: Sie produziert kontinuierlich Glukose, um in Zeiten des Fastens einen stabilen Blutzuckerwert aufrechtzuerhalten. Beim Konsum von Alkohol werden die Enzyme der Leber jedoch zum Abbau des Alkohols verwendet und stehen nicht mehr bzw. nur eingeschränkt zur Produktion von Glukose zur Verfügung. Dies bedeutet, dass z. B. die Aufnahme von Alkohol am Abend zu nächtlichen Unterzuckerungen führen kann.

Formel zur Berechnung der Alkoholgehalts

Der Alkoholgehalt in einem Getränk lässt sich nach folgender Formel ausrechnen (in etwa):

Menge in Millilitern x (Volumenprozent / 100) x 0,8 = g reiner Alkohol

Beispiele:
1 Bier (200 ml) mit 4,8 Volumenprozent = 7,7g Alkohol
1 Glas Sekt (100 ml) mit 11 Volumenprozent = 8,8g Alkohol
1 Glas Wein (100 l) mit 14 Volumenprozent = 11,2g Alkohol

Zur eingeschränkten Glukoseproduktion der Leber kommt hinzu, dass Alkoholkonsum zu einer schlechteren Wahrnehmung von Unterzuckerungssymptomen führt – Warnzeichen, wie zitternde Hände, Hunger, Unwohlsein und andere Hypoglykämiesymptome werden erst sehr spät oder gar nicht registriert. Somit kann es durch einen weiter abfallenden Blutzucker zu einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstseinsverlust kommen.

Bei Bier, Wein und Schnaps besser folgende Regeln beachten

Mediziner empfehlen, dass die Menge an alkoholischen Getränken generell möglichst ein Standardglas bei Frauen und zwei Standardgläser bei Männern nicht überschreiten sollte. Und grundsätzlich sollten Menschen mit Diabetes immer etwas essen, wenn sie Alkohol zu sich nehmen. Wird Alkohol nämlich auf nüchternen Magen getrunken, setzt die blutzuckersenkende Wirkung noch schneller ein, außerdem hemmt Alkohol die Magenentleerung.

Ratsam ist es, dafür Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die langwirkende Kohlenhydrate enthalten (bspw. Brot, Schokolade oder Müsli), um eine Hypoglykämie zu vermeiden. Als Faustregel eignet sich hier: ein bis zwei langwirkende Kohlenhydrateinheiten pro Glas Alkohol. Zudem sollte der Genuss von Mixgetränken möglichst vermieden werden, da diese viel Zucker enthalten und den Blutzucker zunächst stark anheben, es aber im weiteren Verlauf durch den Alkohol zu Unterzuckerungen kommen kann.

Alkohol und Diabetes: Was es bei der Insulingabe zu beachten gilt

Außerdem sollte für die im Alkohol enthaltenen Kohlenhydrate niemals Insulin gespritzt werden. Auch das birgt eine große Unterzuckerungsgefahr. Und ist ein Mensch mit Diabetes nach Alkoholgenuss in einer Unterzuckerung nicht mehr ansprechbar, sollte sofort der Notarzt gerufen werden, denn selbst Glukagonspritzen wirken bei stärkerem Alkoholgenuss nicht mehr.

Um Unterzuckerungen vorzubeugen, kann z. B. die abendliche Insulindosis beim Konsum von Alkohol um zwei bis vier Einheiten reduziert werden und ein Zielblutzucker von 180 mg/dl bis 200 mg/dl (10 bis 11,1 mmol/l) vor dem Schlafen angestrebt werden. Außerdem sollte nicht zu lange geschlafen werden, so dass man sich am besten einen Wecker stellt und am nächsten Tag ein reichhaltiges Frühstück einnimmt.

Alkohol und Diabetes: Was ist wichtig?
  • Alkohol kann zu Unterzuckerungen führen.
  • Niemals bis zur Bewusstlosigkeit trinken.
  • Nicht alleine trinken.
  • Alkohol nicht auf nüchternen Magen trinken.
  • Ein bis zwei langwirksame KE zusätzlich aufnehmen, wenn Alkohol getrunken wird.
  • Die konsumierte Menge sollte ein bis zwei Standardgläser nicht überschreiten.
  • Umgebung über den Diabetes informieren.
  • Zur Nacht einen Blutzuckerwert zwischen 180 bis 200 mg/dl (10 bis 11,1 mmol/l) anstreben.
  • Bei Insulintherapie, das abendliche Basalinsulin um zwei bis vier Einheiten reduzieren.
  • Morgens nicht endlos lange schlafen, sondern den Wecker stellen und den Blutzucker messen
  • Gut frühstücken, wenn am Abend vorher Alkohol getrunken wurde.

Karnevalstypische Bonbons und Gebäck: viel Zucker und Fett

Auch Bonbons (Kamelle/Guutsje), Krapfen (Berliner/Kreppel/Pfannkuchen) und andere Leckereien, die zur Karnevalszeit gehören wie die Kostümierung, sollten Menschen mit Diabetes nicht achtlos verzehren. Denn karnevalstypische Bonbons und Gebäck enthalten sehr viel Zucker und Fett und beeinflussen somit ebenfalls den Blutzuckerspiegel.

Beispiel Krapfen: Diese sind in der Regel wahre Kalorienbomben mit durchschnittlich 300 bis 500 Kilokalorien. Sie werden nicht gebacken, sondern in heißem Fett frittiert, wodurch sich der Fettgehalt der Rohmasse nahezu verdoppelt. Außerdem sind sie oftmals gefüllt mit Marmelade, Pudding oder anderen süßen Versuchungen und/oder werden von außen mit Puderzucker, Zuckerguss oder Schokostreuseln versehen.

Durch den hohen Fettgehalt steigt der Blutzuckerspiegel häufig verzögert an, was bei einer Blousgabe berücksichtigt werden sollte. Außerdem kann es durch den hohen Fettanteil individuell ratsam sein, auch die Fett-Protein-Einheit miteinzuberechnen.


von Redaktion Diabetes-Journal | Dr. Nicolin Datz
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