Eine wichtige Waffe im Kampf gegen entzündungsbedingte Krankheiten wie Diabetes sind Omega-3-Fette – vor allem aus Fischen, plus Vitamin D. Ein Gespräch mit dem Ernährungsexperten Dr. med. Volker Schmiedel über die richtige Dosis – und warum Veganer gefährlich leben.

Dr. Volker Schmiedel treffe ich an einem Sonntag in der Lounge des Kölner Hauptbahnhofs. Er hat in der Domstadt einen Vortrag gehalten, seine Tochter besucht, eine weltgewandte junge Frau, die ihren Vater zum Bahnhof begleitet hat.

Den Arzt kenne ich noch aus seiner Zeit, als er Chefarzt der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik in Kassel war. Seit dem vergangenen Oktober ist er Arzt im ganzheitlichen Ambulatorium Paramed im Schweizer Baar. Der Facharzt für Naturheilkunde ist Mitherausgeber der Zeitschrift „Erfahrungsheilkunde“ sowie Autor zahlreicher Bücher über Nährstofftherapie, etwa „Natürlich Fisch“ aus dem Trias-Verlag, wo er ausführlich über sein Lieblingsthema Omega-3-Fettsäuren schreibt.

Um diese fitten Fette und das wichtige Vitamin D, die stark in Fischen vorkommen, dreht sich auch unser Gespräch. Klare Standpunkte zu einem unter Experten durchaus kontrovers diskutierten Thema gesättigte und ungesättigte Fette sowie die Vitamin D-Zufuhr vertritt Dr. Schmiedel – und er scheut sich auch nicht, die derzeit hochgejubelte vegane Ernährung harsch zu kritisieren, ihr ein drastisch erhöhtes Risiko für Herztod und Demenz zu attestieren.

Auch wenn ich selbst eher den natürlichen Nahrungsquellen zuneige, finde ich den Ansatz mit dem Fischöl interessant und würde mich freuen, wenn unser Gespräch konstruktiv diskutiert würde – vor allem auch von veganen Vertretern.

© Hans Lauber
Ficht für Fischöl: Dr. Volker Schmiedel

Was haben Omega-3-Fette und Vitamin D gemeinsam?

Nun, im Fisch sind sie von Natur aus vereint. Je fetter ein Fisch ist, umso mehr Omega-3 und umso mehr Vitamin D enthält er in der Regel. Beide Nährstoffe sind essentiell, sind also lebensnotwendig, können aber im Körper selbst nicht hergestellt werden. Leider sind aber die Spiegel beider Nährstoffe zu tief. Ich mache sehr häufig Vitamin D- und Fettsäureanalysen. Im Sommer haben 60 Prozent, im Spätwinter sogar über 90 Prozent der Bevölkerung erniedrigte Werte.

Omega-3 und Omega-6 unterscheiden sich in Ihrer chemischen Struktur kaum. Warum haben Sie dann so unterschiedliche Wirkungen?

Die Frage ist richtig. Die pflanzliche Omega-3-Fettsäure ALA (Alpha-Linolensäure, etwa im Leinöl) und die LA (Linolsäure, etwa in Distelöl) haben beide 18 Kohlenstoffatome und sind mehrfach ungesättigt, haben also mehrere Doppelbindungen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die erste Doppelbindung bei ALA an der 3. Stelle (daher Omega-3) und bei LA an 6. Stelle (daher Omega-6) sitzt. Noch mehr wirksame Doppelbindungen haben die besonders wirksamen Omega-3-Fette Eikosapentaensäure (EPA) und Dokosahexaensäure (DHA). Kleine Unterschiede in der Chemie, aber riesige Unterschiede in der Biologie.

Aus Omega-3 werden die Prostaglandine (bestimmte Botenstoffe im Blut) gebildet, die Entzündungen hemmen, den Blutdruck senken, das Blut „dünner“ machen und die Hirnfunktionen anregen. Aus Omega-6, also Linolsäure (LA) und Arachidonsäure (AA) entstehen ebenfalls Prostaglandine, die von all dem genau das Gegenteil machen. Daher sind Omega-3-Prostaglandine auch die so genannten „guten“ und die Omega-6-Prostaglandine die so genannten „schlechten Prostaglandine“.

Bei dem für viele Krankheiten prognostisch wichtigen Quotienten aus Omega 6 und Omega 3 hat kaum jemand den Wert von unter 3, der für die Entwicklung zahlreicher Krankheiten als optimal angesehen wird.

Was sind die wichtigsten Vorteile von Omega-3?

Darüber habe ich ein ganzes Buch geschrieben. Omega-3 hilft besonders bei chronischen Entzündungen, etwa bei Autoimmunkrankheiten wie Rheuma, Asthma, Neurodermitis, neurologischen Erkrankungen wie Depression, Demenz. So kann eine gute Omega-3-Versorgung die Demenz-Anfälligkeit um bis zu 75 Prozent verringern!

Sogar bei einigen Krebsarten sind diese fitten Fette hilfreich: In einer großen Studie in fünf europäischen Ländern hatten die Frauen mit dem meisten Omega-3-Fetten zwei Drittel weniger Brustkrebs.

Positiv auch die kardiovaskulären Effekte: Erhöhter Blutdruck wird gesenkt, gefährliche Herzrhythmusstörungen schwinden, die Durchblutung wird verbessert. Jede Schwangere oder Stillende sollte Omega-3 einnehmen, da es hierunter seltener zu Komplikationen wie dem gefürchteten Baby-Blues nach der Geburt kommt. Das so versorgte Kind lernt schneller sprechen und hat weniger Asthma und Allergien.

Welche Vorteile gibt es beim Diabetes?

Omega-3 hat eine entzündungshemmende Wirkung und wir wissen, dass bei der Entstehung und beim Fortschreiten von Diabetes unter anderem auch Entzündungsprozesse beteiligt sind. So ergab eine Meta-Analyse, dass eine hohe Zufuhr von Fischen vor der Entstehung von Diabetes schützt. Aus den Daten errechneten die Autoren, dass eine Zufuhr von 80 g Seefisch täglich das statistische Risiko für Diabetes um 20 Prozent senkt. In einer anderen Studie wurden mehr als 2000 Gesunde mehr als 20 Jahre beobachtet. Über 400 entwickelten einen Diabetes.


»Je mehr Omega 3, desto geringer das Diabetes-Risiko«
Dr. med. Volker Schmiedel


Zu Beginn hatte man die Omega-3-Spiegel bei allen gemessen. Das Viertel mit den höchsten Werten hatte ein um ein Drittel geringeres Risiko für Diabetes. Dies traf aber nur für die Fettsäuren EPA/DHA aus Fischen, nicht aber für die pflanzliche ALA zu. Statistische Zusammenhänge sind ein Hinweis für eine Bedeutung eines Risiko- oder Schutzfaktors, aber noch ein Beweis. In einer Interventionsstudie erhielten Diabetiker eine Omega-3-reiche Kost. Der HbA1c-Spiegel sank dadurch um 10 Prozent. Als "Nebenwirkung" kam es noch zu einer Reduktion des Taillenumfangs um zwei Zentimeter, der Bauchspeck schmolz also unter Omega-3 dahin. Es gibt noch zahlreiche weitere Studien, die praktisch alle einen Nutzen von Omega-3 bei Diabetes fanden. Dabei schnitten die Fischöle immer besser als die pflanzlichen Omega-3-Quellen ab.

Warum schneidet Fischöl so gut ab?

Weil in den fetten Fischen EPA und DHA direkt vorkommen, was vor allem auf die von den Fischen gefressenen Algen zurückzuführen ist. Deutlich geringer ist der Omega-3-Anteil aber bei Rindern – wobei Vieh, das auf der Weide lebt, gar in der Höhe würzige Gräser fressen kann, ein deutlich besseres Verhältnis von guten Omega-3-Fetten zu weniger guten Omega-6-Fetten hat.

Wie sieht es mit dem pflanzlichen Omega-3 aus?

Die ALA (Alpha-Linolensäure) kommt in Lein-, Hanf-, Leindotter- und Rapsöl in großer Menge, in Soja-, Weizenkeim- und Walnussöl immerhin noch mit etwa 5 Prozent vor. Der in letzte Zeit so gepriesene Chiasamen enthält übrigens genauso viel wie Leinsamen und ist unter dem Aspekt der Fettsäuren nichts als besonders teurer Leinsamen. Aus ALA kann der Körper selbst die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA herstellen.

Leider sind aber die Umwandlungsraten mit weniger als 10 Prozent zu EPA und sogar weniger als 1 Prozent zu DHA sehr niedrig. Wir müssten also literweise Leinöl trinken, um damit wirksame Effekte zu erzielen. Ich kenne Menschen, die immerhin zwei EL Leinöl pro Tag verzehren, aber keine Fische essen und schlechtere Omega-3-Werte als Fleischesser haben, die kein Leinöl, aber wenigstens einmal in der Woche Fisch verzehren.

Werden Veganer schneller krank und vielleicht auch schneller dement?

Oh, das ist aber eine böse Frage! Aber im Ernst: Ich muss diese Frage leider zweimal bejahen. Eigentlich ist die vegane Ernährung in der Regel eine sehr gesunde Kost ohne Cholesterin und mit mehr Ballaststoffen, anti-oxidativen Vitaminen und den für viele positive Effekte bekannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Das Problem ist, dass sie in ihrer konsequenten Anwendung aber langfristig zu gravierenden Mangelzuständen führt. Der erst nach Jahren auftretende Vitamin B12-Mangel (wichtig etwa für Blutbildung und das Nervensystem) ist mittlerweile auch dem „eingefleischten Veganer“ bekannt.

Vegane Ernährung führt aber auch zu einem dramatischem Mangel an Vitamin D, Zink, Selen und eben den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Das erhöhte Risiko für Herztod (2,7mal mehr bei Veganerinnen im Vergleich zu Fischesserinnen) konnte inzwischen in einer Studie an mehr als 70 000 Menschen bewiesen werden. Ich selbst kenne junge Veganerinnen, die wenige Jahre nach Beginn ihrer gesundheitsschädigenden Lebensweise an Neurodermitis oder Rheuma erkrankten, obwohl rheumatische Erkrankungen in der Familie oder Hautprobleme in der Kindheit nicht bekannt waren.


»Veganer vereinigen gleich drei Risiken für Demenz auf sich«
Dr. med. Volker Schmiedel


Bei der Demenz sind wir bislang nur auf Spekulationen angewiesen, da es bisher nur wenige ältere Veganer mit entsprechend langer Zeit der Mangelernährung gibt. Die meisten Veganer sind ja jung und praktizieren erst seit wenigen Monaten oder Jahren ihre gefährliche Kostform. Wir wissen aber um den Zusammenhang zwischen Mangel an Omega-3, Vitamin D sowie B12 und der Häufung von Demenz, besonders Alzheimer. Da Veganer alle drei Risikofaktoren für Demenz auf sich vereinen, prophezeie ich jetzt schon katastrophal hohe Demenzzahlen oder ein sehr viel früheres Auftreten.

In angelsächsischen Ländern werden Demente oder durch Krankheiten oder Unfälle geistig schwer geschädigte Menschen sarkastisch auch gern als „vegetable“ bezeichnet – also als Gemüse, weil sie quasi deren Intelligenzquotienten aufweisen. Beim Veganer wird dies traurige Bestätigung finden: Sie passen ihre geistigen Fähigkeiten langfristig tatsächlich der von ihnen freiwillig gewählten pflanzlichen Mangelnahrung an.

Wie wird der Omega-3-Spiegel gemessen? Zahlen das die Kassen?

Einige wenige Labore in Deutschland (zum Beispiel biovis, Dr. Bayer, ganzimmun, orgametrix) führen ausführliche Fettsäureanalysen durch, bei denen man über 20 verschiedene Omega-3-, -6-, -9- sowie gesättigte Fettsäuren messen lassen kann. Außerdem werden dabei wichtige Scores wie der mehr für das Herz wichtige Omega-3-Index und der mehr für Entzündungen wichtige Omega-3/6-Quotient errechnet. Ich lasse die Untersuchungen über www.sanomega.de laufen, wo der Test rund 90 Euro kostet und selbst durchgeführt werden kann.

Wie viel Fischöl soll ich denn nehmen?

Am besten kann dies natürlich der erfahrene Therapeut beurteilen, der die Krankheit und bestenfalls auch die Fettsäureanalyse mit der Konzentration aller wichtigen Fettsäuren genau kennt. Pi mal Daumen lässt sich sagen, dass ein normalgewichtiger Mensch mit einem Verzehr von ein bis zwei Fischportionen pro Woche (also der Durchschnitt) mit einem EL Fischöl oder 12 herkömmlichen Kapseln ganz gut auskommt. Wiegt jemand viel mehr, so braucht man bis zu 2 EL. Ein Kind mit etwa 35 kg ist mit 1 TL meist gut bedient. Isst ein normalgewichtiger Erwachsener nur einmal im Monat Fisch, braucht er meist auch deutlich mehr als einen EL. Menschen, die drei- oder viermal in der Woche zu Lachs, Hering oder Makrele greifen, kommen oft. auch mit einem TL aus, um gute Werte in der Analyse zu erreichen, oder Risiken wie Krebshäufung in der Familie vorzubeugen.

Was zeichnet das von Ihnen geschätzte Fischöl San Omega-3 aus?

Das in Norwegen hergestellte Öl wird aus Wildfang gewonnen, ist hochdosiert, aber nicht hochkonzentriert. Angereichert ist es mit einem kalt gepressten Olivenöl, so dass es angenehm schmeckt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sogar Menschen, die Fisch nicht mögen, mit dem Öl keine Probleme haben, vor allem, wenn es in Speisen wie Smoothies, Salatsaucen oder Suppen „versteckt“ ist.

© Hans Lauber
Wird aus Wildfang gewonnen: Fischöl San Omega-3

Werden denn die Meere nicht überfischt, wenn jeder Fischöl nehmen würde?
Das Meer hat riesige Reserven an Omega-3-Quellen wie Fische, Krill oder Algen, die noch gar nicht alle erschlossen sind. Im Moment reichen Fische völlig aus, um den jetzigen und sogar einen höheren Bedarf zu decken. Der Fang von Sardinen, die Grundlage von SanOmega, ist laut Greenpeace-Einkaufsliste immer noch unbedenklich.

Wird denn gewährleistet, dass wenigstens nachhaltig gefischt wird?

Das hängt vom Hersteller ab. Verantwortungsvolle Omega-3-Produzenten lassen ihr Produkt entsprechend zertifizieren, etwa durch MSC oder Friends of the Sea. San Omega arbeitet mit Friends of the Sea, die besonders strenge Umweltauflagen haben.

Warum hat San Omega denn kein Bio-Siegel, wie etwa Demeter?

Ich kann nur die Produkte biologisch zertifizieren lassen, die ich züchte oder anbaue. Während Zuchtfische tatsächlich ein Bio-Siegel beantragen können, wenn entsprechende Bedingungen eingehalten werden, ist dies für gefangene Tiere nicht möglich – sie sind quasi „natürlich biologisch“.

Sie haben klare Ernährungsempfehlungen – andere Experten andere. Verwirrt das die Verbraucher nicht ganz stark?

Ja, das kann ich nachvollziehen. Es gibt mittlerweile eine auch für Ernährungsexperten nahezu nicht mehr überschaubare Anzahl von unterschiedlichen Diäten und Kostformen. Dass sich die daraus resultierenden Ernährungsempfehlungen teilweise diametral widersprechen, macht es für den Konsumenten nicht einfacher. Vegane Diät völlig ohne tierische Produkte und Low-carb (wenig Kohlenhydrate) oder Paläo-Ernährung (Steinzeitkost) mit teilweise sehr hohem Fleischanteil stehen sich hier extrem gegenüber.

Klar ist: Es gibt nicht die ideale Kost, die für alle Menschen auf der Welt die alleinseligmachende Diät ist. Vielmehr sollte jeder nach seiner eigenen Konstitution (nicht jeder verträgt beispielsweise viel Rohkost), den möglicherweise vorhandenen Krankheiten und Risiken und natürlich auch nach seinen individuellen Vorlieben die für ihn passende Kostform auswählen.


»Es gibt nicht die ideale Kost für alle Menschen auf der Welt«
Dr. med. Volker Schmiedel


Was empfehlen Sie Diabetikern?

Nach meiner Erfahrungen sollte der Diabetiker eine vollwertige, vegetarisch orientierte Kost mit Einschluss von Fischen und möglichst wenigen Kohlenhydraten – und wenn, dann als komplexe Kohlenhydrate – einhalten. Diabetiker, die mich in meiner Praxis aufsuchen, unterziehe ich einer ausführlichen Nährstoffanalyse und substituiere die nicht in optimaler Menge enthaltenen Nährstoffe. Die meisten Diabetiker benötigen dann noch Zink, B-Vitamine, Vitamin D und eben auch maritime Omega-3-Fettsäuren.

Entscheidend ist: Finde ich nach 3 Monaten bessere objektive Werte (z.B. HbA1c, Lipide, Blutdruck) und geht es dem Patienten auch subjektiv besser? Dann sollte er diese Kostform, die sich für ihn als erfolgreich und praktikabel erwiesen hat, auch konsequent fortsetzen. Nebenbei: Schmecken sollte sie ihm auch noch. Kein Mensch hält selbst die gesündeste Ernährung ein, wenn er sich ständig dazu zwingen muss.

Welches sind die guten und die schlechten Öle und Fette?

Ganz klar an Nummer 1: Qualitativ hochwertiges Fischöl. Dann kommen auch schon Kokosöl und Olivenöl Extra Vergine. Rapsöl, Leindotteröl, Hanföl sind auch noch gute Öle. Linolsäurereiche Öle wie Sonnenblumen- oder Distelöl sollten eher wenig verzehrt werden. Tierische Fette (außer Fische) sollten weitgehend gemieden werden. Besonders problematisch sind harte Fette wie Butter, Schmalz und Kokosfett. Katastrophal sind alle Fette, bei denen auf der Packung steht: hydrogeniert oder gehärtet oder teil-gehärtet oder partiell hydrogeniert. Solche „Lebensmittel“ enthalten meist große Mengen der wahren „Killerfette Transfettsäuren“.

Vielen Diabetiker neigen zur Depression. Liegt das auch an Mangelzuständen?

Teilweise ja. Wir wissen, dass die gerade beim Diabetiker oft erniedrigten Nährstoffe Vitamin D, B-Vitamine, Zink und Omega-3-Fettsäuren auch anti-depressiv wirken. Neben der Verbesserung des Zuckerstoffwechsels wird auch noch die Stimmung besser, wenn man damit optimal versorgt ist. Viele Diabetiker bewegen sich leider immer noch viel zu wenig. Wir wissen, dass auch Ausdauersport die Stimmung anhebt. Übergewicht führt zu chronischen Entzündungen durch die besonders im Bauchfettgewebe gebildeten Entzündungsbotenstoffe. Diesen kann man mit Gewichtsreduktion und wiederum mit Omega-3 und Vitamin D begegnen. Eine positive Lebenseinstellung ist auch nicht schlecht. Trotz oder sogar wegen einer chronischer Krankheit darf (oder muss) man optimistisch sein und sollte das Leben genießen. Keine Krankheit auf der Welt wird durch Humor und Lachen verschlimmert.


»Lachen und das Leben genießen!«
Dr. med. Volker Schmiedel


Welchen Vitamin D-Level empfehlen Sie?

Nach den mir bekannten Studien zu unterschiedlichsten Erkrankungen empfehle ich heute genau den „natürlichen Vitamin D-Spiegel“, den unsere Vorfahren vermutlich während der letzten Millionen Jahre aufwiesen. Unsere Vorfahren befanden sich bis zu Beginn der industriellen Revolution vor 200 Jahren nahezu ständig draußen – jedenfalls tagsüber – und bekamen daher über die Sonne genügend Vitamin D. Wenn ich mal bei Patienten den Vitamin D-Spiegel messe, die ständig an der frischen Luft sind, dann finde ich tatsächlich die Werte, mit denen in großen Studien die wenigsten Krankheiten auftraten. Dieser Spiegel liegt bei 40-60 ng/ml. Manche Labore messen den Wert in einer anderen Dimension, dann sind es 100-150 nmol/l.

Was bewirkt Vitamin bei Diabetes?

Auch dieses Vitamin ist wie Omega 3 ein Entzündungshemmer – und chronische Inflammationen sind eine starke Ursache für Diabetes, sowohl für Typ-2 wie auch Typ 1! Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass Neugeborene, die gut mit Vitamin D versorgt werden, in den nächsten Jahren weniger häufig einen juvenilen Diabetes entwickeln, als Kinder, deren Vitamin-Status nicht überprüft wurde.


»Ein Vitamin-D-Mangel kann die Insulinausschüttung verringern«
Dr. med. Volker Schmiedel


Beim Typ-2-Diabetes verringert eine ausreichende Zufuhr das hormonähnlichen „Sonnenvitamins“ die Gefahr einer Insulinresistenz. Auch kann ein Vitamin-D-Mangel die Ausschüttung des wichtigen Diabetes-Hormons Insulin verringern. Generell lässt sich sagen, dass je besser die Vitamin-D-Versorgung ist, desto seltener ein Diabetes entsteht. Die Gabe von Vitamin-D-Supplementen bei bereits bestehendem Typ-2-Diabetes kann die Glukosetoleranz verbessern, die Triglyceride senken und sogar den systolischen Blutdruck positiv beeinflussen.

Wo ist Vitamin D natürlicherweise enthalten?

Vitamin D3 ist nur in tierischen Lebensmitteln enthalten. Ich habe ausgerechnet, wie viel eines Lebensmittels man verzehren muss, um die Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung von 800 IE (Internationale Einheiten) einzuhalten:

  • 400 g Makrele
  • 4 kg Schweineschnitzel
  • 20 Eier
  • 20 Liter Vollmilch
  • 10 kg Kalbsleber
  • 10 kg Brie (45 %)

In einigen Pflanzen ist das nicht ganz so wirksame Vitamin D2 enthalten. Hier müsste man beispielsweise 600 g Avocado oder 1 kg Pilze verzehren, um auf 800 IE zu kommen. Das große Problem: Mit diesen 800 IE vermeidet man nur den gröbsten Mangel. Um auf die oben erwähnten optimalen Werte zu kommen, benötigen die meisten 2000 bis 6000 IE, was mit der Nahrung gar nicht mehr machbar ist.

Mein Ratschlag für einen optimalen Vitamin D-Spiegel: Schulen Sie auf Straßenbauarbeiter um, werden Sie Fußballbundesligaprofi oder gehen Sie in Rente und kaufen sich dann einen Schrebergarten. Wenn das kurzfristig nicht möglich ist, lassen Sie Ihren Spiegel messen, nehmen Sie Vitamin D ein, messen Sie alle drei Monate und steigern Sie die Dosis, bis Sie im optimalen Bereich liegen.

Sie arbeiten mit Nahrungsergänzungsherstellern zusammen. Gefährdet das nicht Ihre Unabhängigkeit?

Ich hoffe nicht. Ich habe mir aber die Hersteller mit den meiner Meinung nach qualitativ besten Präparaten bei einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ausgesucht. Wollte ich mit Werbung für Firmen oder mit Vorträgen für Medikamente richtig Geld verdienen, dann hätte ich mir nicht den Nährstoffbereich mit vergleichsweise niedrigen Margen ausgesucht, sondern hätte mich Firmen angedient, welche die neuen, so genannten Biologika vertreiben. Das sind naturidentische, in dieser Konzentration aber nicht in der Natur vorkommende Stoffe wie Interferone, die Jahrestherapiekosten von über 10.000 Euro pro Jahr verursachen. Da lässt sich richtig Kohle machen. Ich habe schon Vorträge für verschiedene Vitamin D- und Omega-3-Hersteller gehalten, so dass ich mich auch nicht einem einzigen besonders verpflichtet fühle.

Was machen Sie jetzt und welche Diagnostik bieten Sie dort an?

Ich arbeite seit Herbst 2015 im ganzheitlichen Ambulatorium Paramed in Baar in der Schweiz (zwischen Zürich und Luzern). Dort führe ich sehr häufig umfassende Nährstoffanalysen aus dem Blut durch, wobei Vitamin D und die Fettsäuren fast immer dabei sind, weil sie eben bei vielen Krankheiten so wichtig sind. Außerdem führe ich bei meinen vielen Patienten mit Verdauungsbeschwerden umfangreiche Stuhlanalysen durch, die dann meist zu einer „richtigen“ Diagnose anstelle der viel zu häufig gestellten „Verlegenheitsdiagnose Reizdarm“ führt. Darüber hinaus finde ich in der Speicheldiagnostik häufig Hormonmangelzustände bei Störungen wie Erschöpfung oder Wechseljahrbeschwerden, die sich dann naturheilkundlich gut behandeln lassen.

In einem Team mit mehreren ganzheitlich arbeitenden Ärzten und Therapeuten werden viele weitere komplementärmedizinische diagnostische und therapeutische Verfahren angeboten. Wir haben auch viele Patienten, die extra aus Deutschland zu uns kommen. Weitere Informationen finden Sie unter www.paramed.ch

Kontakt: v.schmiedel@paramed.ch


von Hans Lauber
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